Dysdera erythrina

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Dysdera erythrina (Walckenaer, 1802)
Rote Sechsaugenspinne (Buchholz S. et al. 2010)
Erythrina Weimar 07-06 01.jpg
Weibchen
Systematik
Ordnung: Araneae (Webspinnen)
Familie: Dysderidae (Sechsaugenspinnen)
Gattung: Dysdera
Reifezeit (Heimer S. & W. Nentwig 1991)
Monat:123456789101112
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Verbreitung in Europa[Quellen]
Weitere Informationen
LSID WSC: urn:lsid:nmbe.ch:spidersp:004414
Gefährdung nach Roter Liste
RegionBSLTKTRFRRL
[CZ] Tschechien *
[D] Deutschlandsh===*
[D] Berlinex 0
[D] Brandenburg *
[D] Niedersachsen *
[D] Niedersachsen (H) *
[D] Niedersachsen (T) 3
[D] NRWh===*
[D] SH????D

Merkmale

Körperlänge: Weibchen erreichen 9 bis 10 mm, Männchen 7 bis 8 mm (Roberts M. J. 1995) (Chelizeren werden nicht mitgemessen).

Prosoma dorsal rotbraun, Oberfläche fein granuliert. Sternum fast glatt. Hintere Mittelaugen am kleinsten. Opisthosoma grau oder weißlich und fast unbehaart. Beine rotgelb, alle Femora ohne Stacheln. Tibia Ⅲ mit sechs oder mehr Stacheln, Tibia Ⅳ mit sieben oder acht Stacheln. (Le Peru B. 2011)

Vulva mit vorderen, mittig verschmälerten Fortsätzen die nach außen konvergieren und mitunter zweiteilig erscheinen können (siehe Bild) (Heimer S. & W. Nentwig 1991).

Ähnliche Arten

Dysdera erythrina ist kleiner als D. crocata und weist keine dorsalen Stacheln am Femur Ⅳ auf (Roberts M. J. 1995).

Unterscheidet sich von Dysdera ninnii durch die Chelizeren, welche länger sind als die Kopfregion breit ist (Heimer S. & W. Nentwig 1991).

Es existieren drei von Simon (11882) beschriebene Unterarten (World Spider Catalog Association 2016). Von Dysdera erythrina lantosquensis, der einzigen in Mitteleuropa nachgewiesenen Unterart (Österreich, Tschechien, Slowakei und Frankreich), durch den mittig dorsal liegenden convexen Rand des Chelizerengrundgliedes, sowie den weniger runzeligen und weniger vorspringenden Carapax zu unterscheiden (In der Quelle als Art geführt). (Řezáč M. et al. 2008)

Verbreitung

Von Europa bis Georgien und wahrscheinlich auch im Iran (World Spider Catalog Association 2016).

In Deutschland vor allem in der Mitte und im Westen relativ häufig, in Norddeutschland bisher nicht nachgewiesen (Arachnologische Gesellschaft 2017).

Lebensraum

Wälder, Grasland, Heide, Gärten und Weinberge, dort unter Rinde und Steinen, auch im Detritus. Ebenso schon in Höhlen gefunden. (Le Peru B. 2011)

Lebensweise

Beuteerwerb

Die Art ist ein fakultativer Asseljäger, der neben dieser Tiergruppe auch andere Arthropoden (z. B. Spinnen) erbeutet. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass sich Dysdera erythrina in der Natur zu einem Großteil von Asseln ernährt. (Řezáč M. et al. 2008)

Trifft Dysdera erythrina auf eine Assel, nähert sie sich ihrer Beute langsam bis auf eine sehr kurze Distanz. Dann dreht die Spinne ihr Prosoma und schiebt eine Chelizerenklaue unter die Assel und die andere über den Rückenpanzer, um anschließend rasch zuzupacken. Dabei penetriert die Chelizerenklaue auf der Unterseite die weiche Ventralfläche. Der harte Rückenpanzer wird nicht durchdrungen. Die beiden Chelizerenklauen weisen dabei keine Spezialisierung auf und werden abwechselnd oft benutzt. Die Asseln haben in der Regel keine Zeit auf diesen Angriff zu reagieren, da das Zupacken die erste schnelle Bewegung der Spinne war. (Řezáč M. et al. 2008)

Die Beobachtungen des Beutefangs wurden an Armadillidium vulgare, einer häufigen Rollassel, gemacht. Jedoch erbeutete Dysdera erythrina im Labor auch eine andere Asselart, die sich nicht zusammenrollt. Inwieweit solche, sich relativ schnell bewegende Arten zum natürlichen Beutespektrum gehören, bleibt fraglich. Die angewendete Jagdmethode erfordert eine direkte und unmittelbare Annäherung, die bei diesen Arten gewöhnlich ein Fluchtverhalten auslöst, dass sie außer Reichweite bringt. (Řezáč M. et al. 2008)

Bei Asseln, die sich zusammenrollen können und dies vor dem Zupacken getan haben, konnte im Labor eine alternative Methode beobachtet werden. Oftmals wartete Dysdera erythrina bis zu einer Minute bewegungslos, die Chelizeren bereit für eine neuen Angriff. Mitunter begann die Spinne jedoch die Assel mit ihren Vorderbeinen und Pedipalpen zu bewegen und aktiv nach einer geeigneten Stelle zwischen den Skleriten des Rückenpanzers zu suchen, wo sie mit einer Chelizerenklaue eindringen kann. (Řezáč M. et al. 2008)

Das Gift von Dysdera erythrina wirkt rasch und paralysiert die Assel in kurzer Zeit. Anschließend wird die Beute an der weichen Ventralfläche des Kopfes gepackt und zu einem Versteck transportiert. Sie wird dann von der Spinne ausgesaugt, ein intaktes Außenskelett bleibt zurück. (Řezáč M. et al. 2008)

Anpassung und Evolution

Asseln sind aufgrund ihres massiven Rückenpanzers (und verschiedenen chemischen Abwehrstoffen) eine schwer zu überwältigende Beute, die nur von wenigen nicht spezialisierten Prädatoren, darunter diversen Kugelspinnen (Theridiidae), Atypus-Arten und Skorpionen, erbeutet wird. Um sich vor Angreifern zu schützen, drücken sich die verschiedenen Arten entweder an den Boden oder rollen sich zusammen. Dies dient vor allem dazu, die weniger gepanzerte Unterseite mithilfe des Rückenpanzers gegen Angriffe abzuschirmen. Aus diesem Grund hat sich im Laufe der Evolution bei Dysdera erythrina eine spezielle Verhaltensweise entwickelt, die, in Kombination mit den verlängerten Chelizeren, das Erbeuten von Asseln ermöglicht. (Řezáč M. et al. 2008)

Fortpflanzung

Zur Eiablage spinnen sich die Weibchen zusammen mit ihren Eiern in einen rundum geschlossenen, dichten Gespinstsack ein. Adulte Tiere leben mehrere Jahre. (Bellmann H. 2010).

Bilder

Weblinks

Nachweis- und Verbreitungskarten

Weitere Links

Quellen

  • Arachnologische Gesellschaft (2017): Atlas der Spinnentiere Europas.
  • Bellmann H. (2010): Der Kosmos Spinnenführer: Über 400 Arten Europas. Kosmos. 1. Auflage. ISBN 3-440-10114-2, 429 S.
  • Buchholz S., V. Hartmann & M. Kreuels (2010): Rote Liste und Artenverzeichnis der Webspinnen - Araneae - in Nordrhein-Westfalen. Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen 3. Fassung, Stand August 2010, S. 1–25.
  • Heimer S. & W. Nentwig (1991): Spinnen Mitteleuropas. Verlag Paul Parey. ISBN 3-489-53534-0, 543 S.
  • Le Peru B. (2011): The Spiders of Europe, a synthesis of data: Atypidae to Theridiidae. Mémoires de la Sociétés linnéenne de Lyon no. 2. 1 Auflage. ISBN 978-2-9531930-3-9, 523 S.
  • Roberts M. J. (1995): Collins Field Guide. Spiders of Britain & Northern Europe. HarperCollins Publishers Ltd.. ISBN 0-00-219981-5, 383 S.
  • World Spider Catalog Association [Koord.] (2016): World Spider Catalog. Natural History Museum Bern, online auf http://wsc.nmbe.ch , Version 17.5, abgerufen am 2016-12-23.
  • Řezáč M., J. Král & S. Pekár (2008): The spider genus Dysdera (Araneae, Dysderidae) in central Europe: Revision and natural history. The Journal of Arachnology 35 (3), S. 432–462.
  • Řezáč M., S. Pekár & Y. Lubin (2008): How oniscophagous spiders overcome woodlouse armour. Journal of Zoology 275, 64-71.

Quellen der Nachweise