Latrodectus tredecimguttatus

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Latrodectus tredecimguttatus (Rossi, 1790)
ED 130430 198.jpg
Weibchen
Systematik
Ordnung: Araneae (Webspinnen)
Familie: Theridiidae (Kugelspinnen)
Gattung: Latrodectus (Echte Witwen)
Reifezeit (Bellmann 2010)
Monat:123456789101112
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Verbreitung in Europa[Quellen]
    etabliert,    nicht etabliert,    nicht betrachtet
Weitere Informationen
LSID WSC: urn:lsid:nmbe.ch:spidersp:007826
Gefährdung nach Roter Liste
Rote Liste-Daten liegen uns für dieses Taxon nicht vor.
Synonyme und weitere Kombinationen
  • Aranea 13-guttata
  • Aranea brevipes
  • Latrodectus 13-guttatus
  • Latrodectus 13decimguttatus
  • Latrodectus 5-guttatus
  • Latrodectus argus
  • Latrodectus conglobatus
  • Latrodectus erebus
  • Latrodectus hispidus
  • Latrodectus lugubris
  • Latrodectus malmignatus
  • Latrodectus martius
  • Latrodectus oculatus
  • Latrodectus venator
  • Meta hispida
  • Theridion lugubre
  • Theridion tredecim-guttatum

Merkmale

Körperlänge: Weibchen 10 bis 15 mm, Männchen 5 bis 7 mm.

Pechschwarze Grundfarbe mit roter (oftmals weiß umrandeter) Fleckenzeichnung auf dem Opisthosoma. Diese besteht aus einem dünnen roten Querstreifen am vorderen Rand, einer mittleren Reihe mit 4 und zwei seitlichen mit jeweils 3 Flecken, wobei zusätzlich auf jeder Seite jeweils ein kleinerer Punkt weiter nach außen gerückt ist. Die Zeichnung besteht also aus 13 Elementen (tredecimguttatus bedeutet "13-fleckig"). Das Prosoma und die Beine sind zumindest beim adulten Weibchen völlig schwarz. Chelizeren schwarz und ohne Bezahnung (Levi 1967).

Männchen

Beim wesentlich kleineren Männchen können einzelne Teile aufgehellt sein und dadurch eher bräunlich wirken (Duma 2006).

Farbvariationen

Melic nennt (zumindest für die iberische Halbinsel) vier verschiedene Farbvarianten des Weibchens. Die häufigste besitzt rote Flecken mit feiner weißer oder cremefarbener Umrandung. Ebenso kommen schwarze Tiere ohne jegliche Punktzeichnung vor, sowie Tiere mit ganzheitlich roten Flecken und weißen Flecken mit schwarzem Kern ohne Rotanteil. Für die Männchen beschreibt er nur die erste Variante. (Melic 2000)

Die völlig schwarze Variante wird auch für den Ostbereich der Verbreitung genannt (Gertsch 1979) und kommt auf den Kanaren vor. Von manchen Autoren wird diese Farbvariante auch "forma erebeus" genannt (Wunderlich 1987).

Ähnliche Arten

Zur Unterscheidung von größeren Steatoda-Arten siehe "Steatoda oder Latrodectus".

Die iberische Latrodectus lilianae besitzt als Jungtier eine orange, unverkennbare Zeichnung. Als Adulttier ist sie weitgehend schwarz, mit hellen Zeichnungselementen am vorderen Rand des Opisthosomas. Ebenfalls unterscheidet sich die Hinterleibsbehaarung. Latrodectus tredecimguttatus besitzt zweiendige Härchen (bifide Setae), L. lilianae dagegen nicht. Auch per Genitaluntersuchung sind beide Arten sicher zu trennen. (Melic 2000)

Die amerikanische Latrodectus mactans unterscheidet sich genital kaum von Latrodectus tredecimguttatus, jedoch in der Form des Kokons und der Färbung der Jungtiere (Wunderlich 1987).

Lebensraum

Warme, offene Ruderalflächen und trockenes Grasland (Bellmann 2001). Busch- und Baumbewuchs scheint sich negativ auf den Bestand auszuwirken (Duma 2006). In Istrien (Kroatien) konnte die Art im Juni an sonnenxponierten Stellen eines kiesigen, unverbuschten Trockenrasens in unmittelbarer Nähe des Meeres gefunden werden (Bauer 2011). Unter Steinen (Pantini et al. 2013) (Komnenov 2013).

Verbreitung

In Europa hauptsächlich mediterran, aber auch in Rumänien (Duma 2006). Mittelmeerraum bis China (World Spider Catalog 2016).

Lebensweise

Netzbau und Beutefang

Die Spinne baut ein bodennahes Haubennetz in der Vegetation oder an felsigen Strukturen. Dieses besteht aus einem dicht verwobenen, nach unten offenen Schlupfwinkel aus Spinnseide, von dem aus viele und sich mehrfach überkreuzende Fäden in die Umgebung verlaufen. Die Spinne verbringt den größten Teil des Tages in diesem Versteck und zieht sich auch bei Störung dorthin zurück. (Gertsch 1979)

Mithilfe ihres Fangnetzes erbeutet Latrodectus tredecimguttatus hauptsächlich mittelgroße bis große Arthropoden wie Heuschrecken, Käfer und bodenbewohnende Spinnen (Bellmann 2001), seltener auch kleine Wirbeltiere wie Eidechsen (Duma 2006).

Fortpflanzung

Das Männchen begibt sich aktiv auf die Suche nach einem Weibchen und ist oft schon vor dessen Reifehäutung im Netz zu finden. Kurz vor der Paarung vollzieht es eine recht eigenartige Handlung. Es spinnt die Beine seiner wesentlich größeren Partnerin mit einigen losen Fäden zusammen. Vermutlich hat dieser Akt eine eher symbolische Bedeutung, denn das Weibchen ist anschließend ohne Probleme in der Lage die Fäden zu zerreißen und sich auf das Männchen zu stürzen. (Bellmann 2001) Dieses kann aber, anders als gemeinhin gedacht, oft entkommen.

Latrodectus tredecimguttatus baut meistens mehrere Eikokons. Diese sind rundlich, weiß und werden im Gespinst aufgehängt (Bellmann 2001). In Gefangenschaft wurden von einem Weibchen aus Georgien 10 Eikokons produziert, aus diesen schlüpften 753 Jungtiere. (Seropian 2017).

Bissunfälle und Giftwirkung

Latrodectus tredecimguttatus hat ein potentes Gift. Eines der Hauptbestandteile, das Alpha-Latrotoxin, wirkt neurotoxisch und löst starke Krämpfe bis hin zum Atemstillstand aus. Todesfälle sind aber in Folge von Bissunfällen mit dieser Art äußerst selten. (Bellmann 2001) Das klinische Erscheinungsbild eines schweren Latrodectus-Bisses ist so dramatisch, mit extremen Schmerzen ("schlimmer als eine schwere Geburt oder Gallenkolik") und vielfältigen weiteren neurologischen und systemischen Symptomen, dass es bereits den Medizinern des Altertums bekannt war. Die erste treffende Beschreibung des Bisses einer "schwarzen traubenförmigen Spinne" (Griechisch: ῥώξ oder ῥάξ, Lateinisch: rhagium oder uvea) findet sich bereits in einem Lehrgedicht des griechischen Arztes und Poeten Nikander von Kolophon im zweiten vorchristlichen Jahrhundert. Anzumerken ist jedoch, dass der Verlauf eines Bissunfalls von vielen Faktoren, wie Alter, Gesundheitszustand und der Menge des tatsächlich injizierten Giftes, abhängig ist und nicht verallgemeinert werden kann. (Maretić & Lebez 1979)

Latrodectus-Arten gelten zudem als beißfaul und wenig aggressiv. Bei Annäherung flüchten sie eher in ihr Versteck oder verharren regungslos. Die meisten Bisse sind Folgen hochgradiger Gefährdung, z. B. durch Hineintreten ins Fangnetz oder Zerstörung des Schlupfwinkels durch sich niederlegende Personen, wobei die Spinne gequetscht oder eingeklemmt wird. Es kann aber auch vorkommen, dass eine zarte Berührung des Netzes den Beutefangreflex des Tieres auslöst und dieses z. B. einen Finger fälschlicherweise für ein großes Insekt hält (Gertsch 1979) – dieses Verhalten hat besonders bei den häufiger synanthrop gefundenen Latrodectus-Arten Amerikas und Australien unangenehme Folgen, wenn die Tiere ihre Netze unter den Sitzen von Außentoiletten bauen (Maretić & Lebez 1979).

Historische Berichte von regelrechten Latrodectus-Epidemien sind aus dem ganzen Verbreitungsgebiet, von Spanien bis Kasachstan, bekannt. Sie belegen, dass nur im Falle von extremen Massenvermehrungen – ausgelöst z.B. durch Klimaschwankungen, Heuschreckenplagen oder veränderte Landnutzung – ein ernsthaftes Risiko von Bissunfällen bestand (manchmal hunderte von Fällen pro Jahr im Mittelmeergebiet). Solche Massenvorkommen von Latrodectus tredecimguttatus fanden sich aber in den meisten Fällen nur sehr lokal begrenzt, teilweise in einzelnen Äckern, und in wenigen Jahren. Die intensivere moderne Bewirtschaftung reduziert die Wahrscheinlichkeit von Latrodectus-Epidemien in der Agrarlandschaft erheblich. Zudem trägt die Mechanisierung der Landwirtschaft zu einen deutlichen Rückgang von Latrodectismus-Fällen bei: in früheren Zeiten galten die Spinnenbisse als eine typische bäuerliche "Berufskrankheit" während der Erntezeit im Hochsommer, mit der Mehrzahl der Bisse im linken Unterarm, wo die Spinnen beim Garbenbinden eingequetscht wurden, aber auch regelmäßigen Unfällen beim Dreschen, Traubenlesen und bei der Mittagspause im hohen Gras der Feldränder. (Maretić & Lebez 1979)

Ein Bissunfall in freier Wildbahn wurde von Vutchev beschrieben, bei dem der Betroffene anfänglich einen sehr starken Schmerz in dem betroffenen Bein verspürte, welcher jedoch bald verschwand und einem intensiven Juckreiz, einer Gefäßerweiterung und entsprechender Hautrötung um die Bisstelle wich. Es folgten u. a. Kopfschmerzen, Schwindel und Muskelschmerzen, welche sich in den Abdominalbereich, Rücken und Brust ausbreiteten. Etwas später traten Krämpfe in dem betroffenen Bein auf. Zudem erbrach er sich. Vier Tage nach dem Biss wurde der Patient in einer Klinik behandelt. Die meisten Symptome, bis auf eine allgemeine körperliche Entkräftung und leichte Schmerzen, waren bereits verschwunden. Einen Monat später war noch eine Überempfindlichkeit der Haut um die Bissstelle verblieben. (Vutchev 2000)

Bilder

Weblinks

Nachweis- und Verbreitungskarten

Weitere Links

Quellen

Quellen der Nachweise