Coelotes terrestris

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Coelotes terrestris (Wider, 1834)
Coelotes-terrestris Gumpenspitze 17-07 02-female.jpg
Weibchen
Systematik
Ordnung: Araneae (Webspinnen)
Familie: Agelenidae (Trichternetzspinnen)
Gattung: Coelotes
Reifezeit (Nentwig W. et al. 2012)
Monat:123456789101112
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Verbreitung in Europa[Quellen]
Weitere Informationen
LSID WSC: urn:lsid:nmbe.ch:spidersp:022890
Gefährdung nach Roter Liste
RegionBSLTKTRFRRL
[CZ] Tschechien ES
[CZ] Oberschlesien *
[D] Deutschlandsh===*
[D] Brandenburg R
[D] MVes== R
[D] Niedersachsen *
[D] Niedersachsen (H) *
[D] Niedersachsen (T) *
[D] NRWsh===*
[D] SHsh===*
[PL] Bielitz-Biala *
[PL] Kattowitz *
[PL] Opole *
[PL] Oberschlesien *
[PL] Tschenstochau *

Merkmale

Körperlänge: Weibchen erreichen 9 bis 13 mm, Männchen 7 bis 10 mm (Roberts M. J. 1995).

Prosoma tief rotbraun, Chelizeren sowie Sternum schwarz. Beine ohne Zeichnung oder Ringelung, dunkel rotbraun gefärbt. Opisthosoma von dunkelgrauer Farbe, im hinteren dorsalen Bereich mit hellen Winkelflecken. (Heimer S. & W. Nentwig 1991) Im vorderen dorsalen Bereich ist ein hellerer Herzfleck vorhanden (Roberts M. J. 1995)

Seitenränder der Epigyne parallel, Vorderrand ausgeprägt. Patellaapophyse des männlichen Pedipalpus mit deutlicher Einbuchtung der oberen (distalen) Kante. (Heimer S. & W. Nentwig 1991)

Ähnliche Arten

Inermocoelotes inermis sieht der Art zum Verwechseln ähnlich, ist genauso groß und und lebt in den gleichen Habitaten. Coelotes terrestris scheint allerdings etwas kompakter gebaut zu sein. Die genitalen Unterschiede zwischen den Arten sind deutlich und spiegeln wieder, warum sie in verschiedenen Gattungen stehen.

Große Ähnlichkeit besteht ebenfalls zu Coelotes atropos (Locket G. H. & A. F. Millidge 1953). Wiehle (1963) schreibt, dass beide Arten anhand der Färbung unterschieden werden können. Locket & Millidge (1953) weisen jedoch darauf hin, das insbesondere bei Exemplaren von weit auseinander liegenden Fundorten Variationen in der Zeichnung wahrscheinlich sind und diese Merkmale daher nicht für die Bestimmung alleine verwendet werden sollten. Die Epigyne von C. atropos ist deutlich länger als breit (im Vergleich zu C. terrestris). Die Pedipalpen beider Arten unterscheiden sich in der Ausbildung der lateralen Femurapophysen. C. atropos besitzt an dieser einen Höcker direkt unterhalb der schrägen Spitze, der Coelotes terrestris fehlt (Wiehle H. 1963).

Es existieren noch eine ganze Reihe weiterer ähnlicher Arten, z.B. C. solitarius.

Lebensraum

Die Art kann als hemihygrophile Bodenbewohnerin bezeichnet werden, die ein gewisses Maß an Feuchtigkeit benötigt, Nässe jedoch meidet. Coelotes terrestris ist eine Waldbewohnerin. In feuchten Buchenwäldern ist sie flächendeckend in der Streu und im Moos zu finden, in Fichtenwäldern oder -forsten zwischen den sich flach ausbreitenden Wurzeln der Bäume im Rohhumus, besonders an aufgelockerten Stellen. Ebenso ist sie in trockenen Kiefernwäldern zu finden, wo sie allerdings fast nur den Fußbereich der Bäume bevorzugt und ihr Netz meist direkt in den Rohhumus am oder zumindest in der direkten Nähe des Stammes baut. Hier wird die Ostseite der Bäume bevorzugt, um dem Regenabfluss an der Westseite aus dem Weg zu gehen. Ebenfalls werden in allen Biotopen gerne Baumstubben verschiedener Zerfallsstadien besiedelt. (Tretzel E. 1961)

Rohhumus wird als Bodenuntergrund im Vergleich mit Lehm oder Sand bevorzugt. Auf Sanden ist die Art besonders in hochwachsenden Moospolstern zu finden. Die Unterseiten bzw. die Flächen unter ausreichend großen und tiefliegenden Steinen werden in allen Habitaten besonders gerne besiedelt. (Tretzel E. 1961)

Lebensweise

Netzbau

Das Netz von Coelotes terrestris ist schwer einheitlich zu beschreiben, da der Ausbau je nach besiedeltem Mikrohabitat stark variiert. In der ausgebautesten Stufe, welche vor allem unter Steinen und in hohlen Baumstubben vorkommt, besteht es aus einem Bodentapetum, einem deckenartigen Gespinstüberzug eines Bodenbereichs, einer direkt ansetzenden U-förmigen Wohnröhre mit Wohnbereichen und einem Netztapetum, welches einen großflächig und engmaschig überspannten Bereich darstellt und dem Beutefang dient. Beide Röhrenmündungen der Wohnröhre führen zum Netztapetum. Eine weitere Erweiterung der Wohnröhre oder eine seitliche Einnischung dient als Abfallraum für ausgesogene Beutetierreste. Im Rohhumus oder an Baumstämmen angelegte Netze sind stark vereinfacht. Sie bestehen aus einer blind endenden, in den Boden reichenden Wohnröhre und einem wesentlich kleineren Netztapetum, welches direkt an der Öffnung angelegt wird. Der erweiterte Wohnbereich befindet sich ganz am Ende, der Bereich für die Beutereste meist in einer Seitenwanderweiterung oberhalb der Wohnröhre. Im Moos angelegte Netze ähneln denen im Rohhumus, sind aber meist mehr verzweigend und besitzen mitunter zwei Abfallbereiche (Tretzel E. 1961).

Beutefang

Die Hauptbeute von Coelotes terrestris stellen Käfer dar, Käferlarven sind allerdings die bevorzugte Beute. Fütterungsversuche und Analyse von Beutetierresten in Netzen wildlebender Tiere zeigten, das eine ganze Reihe weiterer Arthropoden als Nahrung dient, darunter Dipteren (Fliegen und Mücken), Schmetterlinge (auch stark behaarte Raupen), Ohrwürmer und Schlupwespen (Ichneumonidae). Die durch Wehrsekrete geschützten Diplopoden (Tausendfüßer), Nacktschnecken und kleine Wirbeltiere werden abgelehnt. Spinnen und heimische Chilopoden (Steinläufer der Gattung Lithobius) werden ebenfalls nicht gefressen. Sie zeigen, wenn sie auf das Netztapetum gelangt sind, ein spezifisches Meideverhalten. Vertreter der Gattung Clubiona schleichen sich mit behutsamen Bewegungen aus dem Netz, während Vertreter anderer Familien (z.B. Philodromidae) sich nach Netzkontakt erst vollkommen ruhig verhalten und flüchten erst dann rasch, wenn sie keine Netzerschütterung mehr wahrnehmen. (Tretzel E. 1961)

Verbreitung

Europa und Türkei (World Spider Catalog Association 2018). In Deutschland weit verbreitet (Arachnologische Gesellschaft 2017).

Bilder

Weblinks

Nachweis- und Verbreitungskarten

Weitere Links

Quellen

  • Arachnologische Gesellschaft (2017): Atlas der Spinnentiere Europas.
  • Heimer S. & W. Nentwig (1991): Spinnen Mitteleuropas. Verlag Paul Parey. ISBN 3-489-53534-0, 543 S.
  • Locket G. H. & A. F. Millidge (1953): British Spiders Vol. II. Ray Society, 449 S.
  • Nentwig W., T. Blick, D. Gloor, A. Hänggi & C. Kropf (2012): Araneae, Spinnen Europas (Bestimmungsschlüssel). Universität Bern.
  • Roberts M. J. (1995): Collins Field Guide. Spiders of Britain & Northern Europe. HarperCollins Publishers Ltd.. ISBN 0-00-219981-5, 383 S.
  • Tretzel E. (1961): Biologie, Ökologie und Brutpflege von Coelotes terrestris (Wider) (Araneae, Agelenidae) Teil I: Biologie und Ökologie. Z. Morph. Ökol. Tiere 49, S. 658–745.
  • Wiehle H. (1963): Beiträge zur Kenntnis der deutschen Spinnenfauna III. Zool. Jb. Syst. Bd. 90, S. 227–298.
  • World Spider Catalog Association [Koord.] (2018): World Spider Catalog. Natural History Museum Bern, online auf http://wsc.nmbe.ch , Version 18.5, abgerufen am 2018-01-04, doi:10.24436/2.

Quellen der Nachweise und Checklisten