Opilio canestrinii: Unterschied zwischen den Versionen

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Synonym: ''Opilio ravennae''
==Merkmale==
'''Körperlänge''': Weibchen erreichen 4,7 bis 8,1 mm, Männchen 3,8 bis 6,1 mm.


==Biologie==
'''Diagnose''' (aus Gruber 1984:253): ''Opilio''-Art mit granulierter Dorsalcuticula, Penisschaft mit zwei
Das Weibchen wird 4,7 bis 8,1 mm groß, das Männchen 3,8 bis 6,1 mm <ref name="martens"/>.
ventralen Längskielen, weiße (Quer-)Zeichnungen des Dorsums auf Medianfeld des Abdomens beschränkt, Beinfemora subbasal gebräunt - ohne auffällige Längsstreifen. Pedipalpenfemur bei beiden Geschlechtern ventral unbezähnelt.


Über die Lebensraumansprüche ist wenig bekannt. Man vermutet, dass es ursprünglich eine Waldart ist <ref name="martens">{{lit_martens}}</ref>. In Norddeutschland wurde ''{{PAGENAME}}'' überwiegend an Waldstandorten gefunden, aber auch in synanthropem Umfeld<ref name="lemke">
Man erkennt ''{{PAGENAME}}''  (Weibchen!) sofort durch ihr äußeres Erscheinungsbild. Es sind große Weberknechte mit typischen hellen und kurzen Querstrichen auf dem großen rötlich braunen bis grünlichbraunen '''Opisthosoma'''. Das '''Prosoma''' zeigt ein enges Gesichtsfeld mit einem recht hohen Augenhügel und weiß gerandeten Augen. Der Augenhügelrand besitzt dorsal ca. 5 spitze Tuberkeln. Der Vorderrand des Prosomas weist keine Zacken oder nach vorne gerichtete Dornen auf. Auch die supracheliceralen Lamellen sind ohne „Zähnchen“. ''{{PAGENAME}}'' hat sehr lange Beine. Diese sind in der Regel im Querschnitt rund und mit niedrigen dunklen Dornreihen versehen. Die Ventralseite von ''{{PAGENAME}}'' wird durch die markante Genitalplatte dominiert. Sie weist in der Regel eine charakteristische Pilz-Form auf. Die feinen, schmalen Loben (lo) der Coxa {{II}} bilden miteinander einen deutlichen Winkel. Die '''Chelizeren von''' ''{{PAGENAME}}'' sind robust und dorsal nahezu glatt. Es können ventral lediglich feine niedrige Stacheln und Tuberkeln ausgebildet sein (vgl. Bild rechts). Die '''Pedipalpen''' (insb. Patella) weisen keine Apophysen auf. Der Tarsus ist in etwa gerade, nicht säbelartig gebogen wie z. B. bei ''[[Nelima sempronii]]''.
{{Literatur
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Adulte Exemplare finden sich von August bis Dezember<ref name="lemke"/>.  
===Männchen===
Die Männchen sind in der Regel klein und runzelig (Geschlechtserkennung) und oft auffallend gelblich bis rötlich. Das '''Opisthosoma''' ist nahezu zeichnungslos (Bild unten). Die Coxa sind immer hellbraun bis orange gefärbt (nicht schwarz).<ref name="martens">{{Lit martens}}</ref>
 
==Lebensweise==
Bei dieser Art wurde [[Opiliones#nuptial feeding|nuptial feeding]] vor der eigentlichen Paarung beobachtet. Siehe Bilder unten.
 
==Lebensraum==
'''Ökologischer Typ''': Eurytope Freiflächenart (lebt in allen unbewaldeten Lebensräumen unabhängig von der Feuchtigkeit)<ref name='platen'>{{Lit Platen vBroen 2005 Rote Liste Spinnen Berlin}}</ref>. Besiedelt Kulturlandschaften: Gärten, Parks, Grünanlagen, Waldränder, Baumsäume und so weiter. Ebenso Laubwälder. Aufenthalt an Hausmauern, Baumstämmen, in Gebüsch und auf Vegetation wie Brennnesseln und Brombeergebüsch.<ref name='wijn cl'>{{Lit Wijnhoven 2005 Checkliste Niederlaendischer Weberknechte}}</ref>


==Verbreitung==
==Verbreitung==
Vorkommend in Deutschland, Belgien, Niederlande, Dänemark, Schweden, Polen, Schweiz, Österreich, Tschechien und Slovenien. Bislang nicht nachgewiesen in Norwegen, Finnland und Ungarn. <ref name="Blick">{{lit checklist opilio}}</ref> <ref name="Stol">{{lit stol}}</ref>
Der Apenninenkanker ''{{PAGENAME}}'' breitete sich in wenigen Jahren über ganz Mitteleuropa aus<ref name='Martens 2021'>{{Lit Martens 2021 Vier Dekaden Weberknechtforschung}}</ref>.


==Bilder==
==Bilder==
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Bild:Opilio_canestrinii_m_total.jpg|Männchen Gesamtansicht
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Bild:Opilio canestrinii 1033 MTd 13.jpg|Weibchen
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Bild:Opilio_canestrinii_f.JPG|frontal
Bild:Opilio_canestrinii_f2.JPG
Bild:Opilio-canestrinii-Canu-(2).jpg|Färbungsvariation aus Usini/Sardinien
Bild:Opilio_canestrinii_f_Canu.jpg|Färbungsvariation aus Usini/Sardinien
Bild:Opilio sp. 09.08.2009BELZIG.jpg|mit biegsamen, peitschenförmigen Tarsen
Opilio canestrinii 2018-09-06 Travemünde Augen dorsal (vorn ist unten).jpg|Augen dorsal<br>vorn ist unten
Opilio canestrinii 2018-09-06 Travemünde Augen lateral.jpg|Augen von lateral
Opilio canestrinii 2018-09-06 Travemünde fem leftPalp lateral.jpg|linker Palpus von lateral
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<gallery caption="Männchen">
Bild:Opilio_canestrinii_m_total.jpg|Gesamtansicht
Bild:Opilio_canestrinii_m2.JPG
Bild:O. canestrinii (m) US 001a.jpg|Ventralseite mit Genitalplatte (Alkoholpräparat)
Bild:Opilio canestrinii 2014-07-19 Moelln m penis.jpg|Penis, oben dorsal, unten lateral
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<gallery caption="Jungtiere und Variationen">
Datei:Opilio-canestrinii-Mosaik.jpg|Farb- und Mustervariationen
Bild:Opilio_canestrinii_juv2.JPG|Jungtier (ca. 1 mm)
Bild:Opilio_canestrinii_juv_(4).JPG|Jungtier (ca. 1 mm)
Bild:Opilio_canestrinii_juv3.JPG|Jungtier (ca. 1 mm)
Bild:Opilio_canestrinii_juv.JPG|Jungtier dorsal
Bild:Opilio_canestrinii_juv_(2).JPG|Jungtier mit erbeuteter Staublaus
</gallery>
<gallery caption="Paarung">
Bild:Opilio_canestrinii_fm.JPG|Männchen (oben) und Weibchen
Bild:Opilio canestrinii_Paarung_Annaeherung_(2).JPG|Männchen (links) ergreift Chelizeren des Weibchens
Bild:Opilio canestrinii Paarung_nuptial_feeding.JPG|"nuptial feeding"
Bild:Opilio_canestrinii_mating.JPG|Paarung (Männchen links)
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==Synonyme==
''Opilio parietinus'' {{Autor|Canestrini}} 1875; {{Autor|Canestrini}} 1876; {{Autor|Roewer}} 1911; {{Autor|Roewer}} 1912
''Phalangium parietinum'' {{Autor|Ceccone}} 1898; {{Autor|Rizzardi}} 1898
''Phalangium canestrinii'' {{Autor|Thorell}} 1876; {{Autor|Pavesi}} 1879; {{Autor|Simon}} 1879; {{Autor|Cantoni}} 1882
''Phalangium segmentatum'' {{Autor|Simon}} 1879?; {{Autor|Simon}} 1882
''Opilio zangherii'' {{Autor|Spoek}} 1962; {{Autor|Zangheri}} 1966; {{Autor|Marcellini}} 1971
''Opilio aspromonianur'' {{Autor|Gruber}} 1965; {{Autor|Marcellino}} 1970; {{Autor|Marcellino}} 1973; {{Autor|Marcellino}} 1975a
''Opilio'' cf. ''R. aspromontanus'' {{Autor|Chemni}} & {{Autor|Gruber}} 1976
''Opilio ravennae'' {{Autor|Martens}} 1978; {{Autor|Thaler}} 1979; {{Autor|Martens}}, {{Autor|Hoheisel}} & {{Autor|Gotze}} 1981; {{Autor|Bliss}} 1981 (Karte); {{Autor|Bliss}} 1982


==Weblinks==
==Weblinks==
===Nachweis- und Verbreitungskarten===
{{Weblinks Opiliones}}
* {{verbreitung_sh_opil}}
* {{verbreitung_deutschland}}
* {{Literatur
|titel=Opiliones in Belgium
|autor=Vanhercke, L.
|jahr=2004
|url=http://www.elve.net/opilio/or.htm
}}
* {{AragesVerbreitung|1064}}
 
===Weitere Links===
* {{AragesGalerie}}


==Quellen==
==Quellen==
<references/>
<references/>
===Quellen der Nachweise===
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Aktuelle Version vom 14. November 2021, 09:04 Uhr

Opilio canestrinii (Thorell, 1876)
Apenninenkanker (Komposch 2009)
O. canestrinii Belzig 2008d.jpg
Weibchen
Systematik
Ordnung: Opiliones (Weberknechte)
Familie: Phalangiidae (Schneider)
Gattung: Opilio
Reifezeit (Wijnhoven 2009)
Monat:123456789101112
Verbreitung in Europa[Quellen]
    etabliert,    nicht etabliert,    nicht betrachtet
Gefährdung nach Roter Liste
RegionBSLTKTRFRRL
[AT] Kärnten NE
[D] Deutschland nb
[D] Berlin *
[NO] Norwegen NA
Synonyme und weitere Kombinationen
  • Opilio ravennae

Merkmale

Körperlänge: Weibchen erreichen 4,7 bis 8,1 mm, Männchen 3,8 bis 6,1 mm.

Diagnose (aus Gruber 1984:253): Opilio-Art mit granulierter Dorsalcuticula, Penisschaft mit zwei ventralen Längskielen, weiße (Quer-)Zeichnungen des Dorsums auf Medianfeld des Abdomens beschränkt, Beinfemora subbasal gebräunt - ohne auffällige Längsstreifen. Pedipalpenfemur bei beiden Geschlechtern ventral unbezähnelt.

Man erkennt Opilio canestrinii (Weibchen!) sofort durch ihr äußeres Erscheinungsbild. Es sind große Weberknechte mit typischen hellen und kurzen Querstrichen auf dem großen rötlich braunen bis grünlichbraunen Opisthosoma. Das Prosoma zeigt ein enges Gesichtsfeld mit einem recht hohen Augenhügel und weiß gerandeten Augen. Der Augenhügelrand besitzt dorsal ca. 5 spitze Tuberkeln. Der Vorderrand des Prosomas weist keine Zacken oder nach vorne gerichtete Dornen auf. Auch die supracheliceralen Lamellen sind ohne „Zähnchen“. Opilio canestrinii hat sehr lange Beine. Diese sind in der Regel im Querschnitt rund und mit niedrigen dunklen Dornreihen versehen. Die Ventralseite von Opilio canestrinii wird durch die markante Genitalplatte dominiert. Sie weist in der Regel eine charakteristische Pilz-Form auf. Die feinen, schmalen Loben (lo) der Coxa Ⅱ bilden miteinander einen deutlichen Winkel. Die Chelizeren von Opilio canestrinii sind robust und dorsal nahezu glatt. Es können ventral lediglich feine niedrige Stacheln und Tuberkeln ausgebildet sein (vgl. Bild rechts). Die Pedipalpen (insb. Patella) weisen keine Apophysen auf. Der Tarsus ist in etwa gerade, nicht säbelartig gebogen wie z. B. bei Nelima sempronii.

Männchen

Die Männchen sind in der Regel klein und runzelig (Geschlechtserkennung) und oft auffallend gelblich bis rötlich. Das Opisthosoma ist nahezu zeichnungslos (Bild unten). Die Coxa sind immer hellbraun bis orange gefärbt (nicht schwarz). (Martens 1978)

Lebensweise

Bei dieser Art wurde nuptial feeding vor der eigentlichen Paarung beobachtet. Siehe Bilder unten.

Lebensraum

Ökologischer Typ: Eurytope Freiflächenart (lebt in allen unbewaldeten Lebensräumen unabhängig von der Feuchtigkeit) (Platen & von Broen 2005). Besiedelt Kulturlandschaften: Gärten, Parks, Grünanlagen, Waldränder, Baumsäume und so weiter. Ebenso Laubwälder. Aufenthalt an Hausmauern, Baumstämmen, in Gebüsch und auf Vegetation wie Brennnesseln und Brombeergebüsch. (Wijnhoven 2005)

Verbreitung

Der Apenninenkanker Opilio canestrinii breitete sich in wenigen Jahren über ganz Mitteleuropa aus (Martens 2021).

Bilder



Synonyme

Opilio parietinus Canestrini 1875; Canestrini 1876; Roewer 1911; Roewer 1912

Phalangium parietinum Ceccone 1898; Rizzardi 1898

Phalangium canestrinii Thorell 1876; Pavesi 1879; Simon 1879; Cantoni 1882

Phalangium segmentatum Simon 1879?; Simon 1882

Opilio zangherii Spoek 1962; Zangheri 1966; Marcellini 1971

Opilio aspromonianur Gruber 1965; Marcellino 1970; Marcellino 1973; Marcellino 1975a

Opilio cf. R. aspromontanus Chemni & Gruber 1976

Opilio ravennae Martens 1978; Thaler 1979; Martens, Hoheisel & Gotze 1981; Bliss 1981 (Karte); Bliss 1982

Weblinks

Nachweis- und Verbreitungskarten

Weitere Links

Quellen

Quellen der Nachweise