Roewer, Carl Friedrich

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Arachnologe
ROEWER im Alter.jpg
Prof. Dr. Carl Friedrich Roewer
*1881  – †1963

Vita

  • 12. Oktober 1881 in Neustrelitz (Mecklenburg) geboren
  • 1902 bis 1906 Universität Jena, Studium der Zoologie
  • 1906 Promotion „summa cum laude” mit einer Arbeit über die Histogenese eines Trematoden zum Dr. rer. nat.
  • 1906–1907 Assistent seines Doktorvaters, des Zoologen und Philosophen Ernst Haeckel
  • 1910 in Bremen Oberlehrer für Biologie und Chemie an der Oberrealschule an der Dechanatstraße
  • 1923 erschien sein Standardwerk Die Weberknechte der Erde
  • 1924 Verleihung des Professor-Titels durch den Senat der Hansestadt Hamburg für sein wissenschaftliches Werk (Kraus 1963)
  • Anfang der 1930er Jahre Eintritt in die NSDAP (von Helversen & Martens 1972)
  • 1933 Ernennung zum Direktor des heutigen Übersee-Museums in Bremen. Verantwortlich für die „Gleichschaltung [des Museums] mit den Zielen der nationalen Erneuerung” nach aktiver Verdrängung des Gründungsdirektors Hugo Schauinsland, u.a. wegen politischer „Unzuverlässigkeit”
  • 1945 Amtsenthebung durch die amerikanischen Besatzungsbehörden und Einstufung als Mitläufer des Nationalsozialismus (Staatsarchiv Bremen 4,1/4 Roewer, Carl Prof. Dr. (Versorgungsakte))
  • 1961 Verleihung der Cretzschmar-Medaille durch die Senckenberg-Gesellschaft
  • † 17. Juni 1963 in Bremen verstorben mit 82 Jahren

Die Zeit des Nationalsozialismus 1933–1945

1933 im Jahr der Machtergreifung Hitlers verdränge Roewer aktiv den Gründungsdirektor des Übersee-Museums in Bremen, Hugo Schauinsland, mit Hilfe der Nationalsozialisten[Literaturzitat fehlt], denen Roewer seit 1930 selber angehörte (von Helversen & Martens 1972).

Wissenschaftliches Werk

Allen größeren Arbeiten Roewers ist eine Grundtendenz gemeinsam: Der weite Rahmen, das Streben, die aus der eigenen Forschung geborenen neuen Erkenntnisse zusammen mit dem bisher Bekannten in oft gewichtigen Gesamtdarstellungen zu verarbeiten. Hierdurch wirkt Roewer über seinen Tod hinaus in die Zukunft, denn er hat nicht nur, wie kaum ein anderer, unsere Kenntnis erweitert, er hat darüber hinaus vor allem auch entscheidende Grundlagen, Ausgangspunkte für die weitere Arbeit geschaffen. Der „Katalog der Araneae”, der auf über 2700 Seiten eine umfassende Übersicht über den derzeitigen Stand unserer Kenntnis der Systematik der Spinnen gibt, ist nur ein einzelnes, willkürlich aus dem großen Lebenswerk herausgegriffenes Beispiel dieser Arbeitsweise. (Kraus 1963)

Die Sammlung Roewer stellt eine der bedeutendsten Arachniden-Sammlungen der Welt dar (von Helversen & Martens 1972).

Kritik

Van Helversen und Martens wiesen nach, dass Roewer für wichtige Typen-Serien falsche Fundorte genannt und bereits gut beschriebene Arten (Opiliones und Pseudoscorpiones) neu beschrieben hat (von Helversen & Martens 1972). Von Roewer beschriebene ♂ von Ischyropsalis lusitanica Roewer 1923 (Syn. Ischyropsalis robusta Simon, 1872a) erwiesen sich als weibliche Tiere: „Der Holotypus von I. lusitanica liegt uns vor (RⅡ/226). Dabei handelt es sich im Gegensatz zu der Angabe Roewers um ein ♀ Exemplar. Auch die später (Roewer 1935, 1950, 1953) angeführten Serien enthalten keine männlichen Tiere.“ (Kraus 1961). Ganze Typusserien von Weberknechten bestanden nur aus inadulten Tieren oder Exemplaren unterschiedlicher Arten (Martens 1966).

Roewers Neigung zu „gewichtigen Gesamtdarstellungen” hatte zur Folge, dass auch seine wissenschaftlichen Schwächen nachhaltige Konsequenzen hatten. So ist seine umfassende, aber völlig unzulängliche Bearbeitung der Wolfspinnen (Lycosidae) und verwandter Gruppen (Roewer 1955-1960) vielfach als bedeutendes Hemmnis für eine moderne Behandlung der Gruppe identifizert worden. Durch seine mechanische Anwendung hochvariabler und taxonomisch uninformativer Merkmale (zum Beispiel der relativen Augengrösse) verteilte Roewer die Arten in zahllose biologisch unbegründete Gattungen eines künstlichen Systems, das nur durch langwierige Analysen wieder zu entwirren ist.

Fotogalerie

Links

Quellen