Callilepis nocturna

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Callilepis nocturna (Linnaeus, 1758)
Ameisenfressende Plattbauchspinne (Buchholz S. et al. 2010)
Nocturna Goethetal 08-05 01.jpg
Weibchen
Systematik
Ordnung: Araneae (Webspinnen)
Familie: Gnaphosidae (Plattbauchspinnen)
Gattung: Callilepis
Reifezeit (Nentwig W. et al. 2012)
Monat:123456789101112
_ _ _ _ start X X X end _ _ _
_ _ _ _ start X X X end _ _ _
Verbreitung in Europa[Quellen]
Weitere Informationen
LSID WSC: urn:lsid:nmbe.ch:spidersp:026717
Gefährdung nach Roter Liste
RegionBSLTKTRFRRL
[AT] Kärnten D
[CZ] Tschechien VU
[CZ] Oberschlesien NT
[D] Deutschlandh<?=*
[D] Berlins<<↓↓-2
[D] Brandenburg 2
[D] Baden-Württemberg V
[D] Bayern 3
[D] Bayern Av/A 3
[D] Bayern OG 3
[D] Bayern SL 3
[D] Bayern T/S 3
[D] Mecklenburg-Vorp.ex 0
[D] Niedersachsen 0
[D] Niedersachsen (H) 0
[D] Nordrhein-Westfalenh===*
[D] Schleswig-Holsteinex??-D0
[D] Sachsen 3
[D] Sachsen-Anhalt 2
[GB] Großbritannien EN
[NO] Norwegen LC
[PL] Bielitz-Biala *
[PL] Kattowitz ?
[PL] Opole ?
[PL] Oberschlesien *
[PL] Tschenstochau *
Synonyme
  • Gnaphosa nocturna
  • Poecilochroa ochridana
  • Pythonissa nocturna

Merkmale

Körperlänge: Weibchen erreichen 3,5 bis 6 mm, Männchen 3 bis 4,5 mm (Roberts M. J. 1995).

Grundfarbe von Prosoma und Opisthosoma rotbraun bis schwarzbraun.

Das Prosoma ist dicht mit goldglänzenden Schuppenhärchen bedeckt, die hinter der Rückengrube ein dunkles Dreieck freilassen (siehe Bilder). Mit feiner dunkler Randung und mit dunklem Radiärstreifenmuster. Das Opisthosoma zeigt am Vorderrand mittig einen breiten gelblichen Fleck und jeweils ein Fleckenpaar in der Hälfte und kurz vor den Spinnwarzen. Opisthosoma beim Männchen dorsal mit Scutum. Beine: Femur bis Tibia Ⅰ-Ⅱ} dunkler. (Grimm U. 1985)

Da Anzahl und Dichte der Schuppenhaare mit jeder Häutung erst allmählich zunehmen, sind Jungtiere noch wesentlich unscheinbarer, bzw. kaum gezeichnet (siehe Bilder). Die unterschiedlich gefärbten Beinsegmente sind jedoch schon deutlich zu erkennen.

Weibchen

Epigyne mit durchgehendem, nicht unterbrochenem oberen Rand (Heimer S. & W. Nentwig 1991).

Ähnliche Arten

Habituell

Die seltenere und etwas größere Callilepis schuszteri ist von dieser Art nur genitalmorphologisch sicher zu unterscheiden.

Verbreitung

Callilepis nocturna ist paläarktisch verbreitet (World Spider Catalog Association 2016).

Lebensraum

Fundort von Callilepis nocturna

Sonnige, xerotherme, häufig vegetationsfreie Flächen bis 2200 m (Heimer S. & W. Nentwig 1991), zusammen mit bestimmten xero- und thermophilen Ameisenarten wie z.B. Tapinoma erraticum oder Formica rufibarbis. Die Gespinstsäcke liegen in der Nähe der Ameisenester. (Grimm U. 1985)

Kann syntop mit C. schuszteri vorkommen (Steinberger K. H. 1991).

Lebensweise

Callilepis nocturna ist, trotz des irreführenden Artnamens, tagaktiv und auf Ameisen als Beute spezialisiert, die sie mit einer besonderen Fangtechnik erbeutet. Dabei sucht die Spinne aktiv Ameisennester auf und dringt mitunter sogar in die Nesteingänge ein. Angreifenden Ameisen weicht sie durch rasche, ruckhafte Bewegungen geschickt aus. (Wunderlich J. 1994)

Fangtechnik

Bei der Jagd beißt die Spinne einer ihr frontal gegenüberstehenden, drohenden Ameise durch einen blitzschnellen Vorstoß in die Fühlerbasis. Dabei spreizt sie die Beine ab, um diese dem Zugriff der Ameisenmandibeln zu entziehen. Nach dem Biss lässt sie sofort los und weicht zurück. Nach einer Wartezeit von ungefähr einer Minute ist die Ameise beinahe vollständig gelähmt. Während dieser Minute beginnt die Ameise sich im Kreis zu drehen, und zwar nach rechts, wenn sie in den linken Fühler gebissen wurde (bzw. in die umgekehrte Richtung, wenn der rechte Fühler einer Attacke ausgesetzt war). Anschließend sucht die Spinne ihre durch die Drehbewegung kaum von der Stelle gewichene Beute wieder auf, setzt einen längeren Biss und schleift die Beute in ein Versteck, das sie mit einem Gespinst umgibt. Selbst Während dem Transport schafft es die Spinne, anderen angreifenden Ameisen auszuweichen. Die Beute wird anschließend cuticulaschonend ausgesaugt. (Foelix R. F. 1996)

Anscheinend spielt die Fühlerbasis eine elementare Rolle im Beutefangverhalten und stellt eine Art Schlüsselreiz da. So attackiert Callilepis nocturna auch myrmecomorphe Spinnen, bei denen aber kein Biss erfolgt. (Wunderlich J. 1994)

Beutespektrum

Kleine Jungspinnen erbeuten vor allem kleinere Tapinoma- oder Lasius-Arten, während ältere und adulte Tiere Formica-Arten nachstellen. (Wunderlich J. 1994)

Bilder

Weblinks

Nachweis- und Verbreitungskarten

Weitere Links

Quellen

Quellen der Nachweise und Checklisten