Steatoda nobilis

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Steatoda nobilis (Thorell, 1875)
Steatoda nobilis, Köln.jpg
junges Weibchen, Köln
Systematik
Ordnung: Araneae (Webspinnen)
Familie: Theridiidae (Kugelspinnen)
Gattung: Steatoda
Reifezeit (Roberts M. J. 1995)
Monat:123456789101112
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Verbreitung in Europa[Quellen]
Weitere Informationen
LSID WSC: urn:lsid:nmbe.ch:spidersp:008093
Gefährdung nach Roter Liste
RegionBSLTKTRFRRL
[D] Berlin nb
Synonyme
  • Lithyphantes nobilis
  • Teutana nobilis

Merkmale

Körperlänge: Weibchen erreichen ungefähr 9,5 bis 14 mm, Männchen 7 bis 11 mm (Snazell R. & D. Jones 1993).

Die Größe scheint jedoch recht variabel. Interessanterweise ergaben Messungen an einer kleineren Anzahl von Exemplaren, dass Tiere aus England größer als solche aus dem südlichen Verbreitungsgebiet waren. (Snazell R. & D. Jones 1993) Prosoma dorsal dunkel rotbraun mit dunklen Radiärstreifen, Fovea als flache Grube deutlich vorhanden. Spärliche Behaarung, an der Kopfregion dichter werdend. Chelizeren auf dem Grundglied mit einem einzelnen Zahn, bei den Männchen mit abgeflachtem, breitem Bereich, am hinteren Rand mit einer Reihe kleiner Zähnchen, welche an einen großen, säbelartigen Zahn anschließen. Sternum dunkel rotbraun. Vordere Augenreihe rekurv, hintere Augenreihe gerade. Insgesamt sind beide Reihen gleichlang. Opisthosoma violett braun, anterior mit einem bogenförmigen Querstreifen. Dorsal mit variablem Folium, welches zumindest bei den Weibchen bei der letzten Häutung aber fast vollständig verloren geht. Der innere Bereich des Foliums ist weiß, mit Reihen von hellen Längsstrichen, die durch den dunklen Außenbereich ragen. Ventral dunkel. Beine blass gelbbraun, Tibia distal verdunkelt. Tarsus Ⅳ mit einer ventralen Reihe gesägter Borsten, beim Weibchen stärker ausgeprägt. (Snazell R. & D. Jones 1993)

Beim Männchen sind zusätzlich am vorderen Rand des Opisthosomas zwei Reihen sklerotisierter Stridulationsflächen aus jeweils 10-12 Zähnchen ausgebildet, die jeweils ein Haar oder eine Borste tragen und bei der Paarung benutzt werden (siehe Lebensweise). Gegenübergeordnet am Prosoma findet man zwei Stridulationsrillen. (Snazell R. & D. Jones 1993)

Epigyne des Weibchens mit breitem Septum, dessen Seiten parallel verlaufen. (Snazell R. & D. Jones 1993)

Ähnliche Arten

Steatoda nobilis besitzt im Gegensatz zu Latrodectus bezahnte Chelizeren (Natural History Museum London 2010).

Lebensraum

In Großbritannien an urbanen Strukturen wie Zäune, Mauern und Gebäude, juvenile Tiere auch an Hecken und niedrigen Pflanzen (Snazell R. & D. Jones 1993). Auf den Kanaren und in Portugal fand man Tiere auf Kakteen und Agaven, Telefonmasten, unter Eukalytpusrinde, niedrigen Pflanzen, Felsformationen, Straßenränder mit Steilwänden und in Häusern. (Snazell R. & D. Jones 1993) Auf Sardinien in Häusern (Pantini P et al. 2013).

Verbreitung

Steatoda nobilis wurde in Großbritannien schon in den 1870er Jahren nachgewiesen, was auch zu einer Neubeschreibung der Art als Steatoda clarkii (Pickard-Cambridge, 1879) führte. Diese wurde aber genau zwanzig Jahre später durch denselben Autor synonymisiert. Es kam in den folgenden Jahren immer wieder zu Funden von Steatoda nobilis in Großbritannien, man ging aber davon aus, dass diese (wahrscheinlich aus Fruchtimporten stammenden) Tiere sich nicht etablieren könnten. 1986 wurden jedoch erstmals etablierte Populationen registriert. (Snazell R. & D. Jones 1993)

Im Herbst 2011 konnten erstmals Populationen der Art in Deutschland nachgewiesen werden. Die Tiere wurden in zwei Pflanzencentern in Köln gefunden, wo sich höchstwahrscheinlich stabile Populationen gebildet haben. (Bauer T. 2011). Die ersten Nachweise der Art in Deutschland waren jedoch Importe mit Kanarischen Früchten, wodurch etliche Exemplare im Areal des Hamburger Hafens gefunden wurden, wo sie sich aber scheinbar niemals etablieren konnten (Schmidt G. 1956).

2011 wurde die Art zudem das erste Mal in Ventura, Kalifornien nachgewiesen, was den Erstnachweis der Art für den amerikanischen Kontinent darstellt. Alle Nachweise stammen aus urbanem Gebiet, zudem fand man Eikokons und Jungtiere. Daher gilt die Art als etabliert. (Vetter R.S. 2012)

Lebensweise

Netzbau & Beutefang

Das Netz von Steatoda nobilis entsteht in mehreren Nächten. Es besteht aus einem röhrenartigen Unterschlupf (meist in einer Ritze oder Loch angelegt; siehe Gallerie), das sich zu einer deckenartigen Netzstruktur öffnet, welche nach oben und unten mit den für Kugelspinnen typischen Strukturen und Fangfäden versehen ist. Die Spinne verharrt tagsüber in ihrem Versteck, nachts sitzt sie in den vorderen Bereichen des Verstecks. Beute wird in Kugelspinnenmanier mithilfe der Spinnwarzen und dem vierten Beinpaar eingewickelt und gebissen. Die Art kann ihren gesamten Flüssigkeitsbedarf aus ihrer Beute decken. (Snazell R. & D. Jones 1993)

Fortpflanzung & Entwicklung

Insgesamt ist das Balzverhalten recht variabel. Snazell & Jones (1993) beschreiben eine Annäherung der beiden Geschlechter anhand zweier jungfräulicher Tiere. Dabei fand das Männchen rasch das Versteck des Weibchens und bewegte sich in den vorderen Bereich der Röhre. Dabei zupfte es rhythmisch mit dem zweiten Beinpaar am Netz. Gleichzeitig vibrierte es immer wieder kurz mit dem Hinterleib (Benutzung der Stridulationsorgane). Die Vorderbeine tasteten fühlend nach dem Weibchen. Wurde dieses berührt, kam es zu einem kurzen Gerangel, bis das Männchen die Vorderbeine des Weibchens an das untere Netz drückte (siehe Bild unten; man beachte die Stellung des Weibchens im Netz) und anschließend kurz die Epigyne mit den Pedipalpen betrommelte, bevor er den linken Pedipalpus einführte. Der Wechsel vollzog sich nach 11 Minuten, das Männchen produzierte zudem mehrere Male etwas Seide. Auch die Insertion des zweiten Palpus nach fünfminütiger Pause und wiederholter Betrommelung dauerte 14 Minuten.

Bei einer zweiten Begegnung derselben Spinnen war das Balzverhalten und die Dauer der Palpeninsertion wesentlich reduziert.

Die Zeiten zwischen der Paarung und der Eiablage sind extrem variabel, genau wie die Dauer der Jungtierentwicklung im Ei. Wahrscheinlich werden sie stark von der Umgebungstemperatur beeinflusst. Weibchen können, zumindest in Laborverhältnissen, mindestens 4 Eikokons produzieren und Sperma für 18 Monate speichern. In fünf Eikokons waren jeweils im Durchschnitt 116 Eier (Vetter R.S. 2012). Ein Weibchen lebte 5 Jahre und 6 Monate in Gefangenschaft. (Snazell R. & D. Jones 1993)

Giftigkeit

Vor allem aus England wurde von Bissunfällen mit dieser Art berichtet. Diese können verschiedenste Symptome auslösen. So wird häufig von einem Brennen um die Bissstelle berichtet, welches starken, sich ausbreitenden Schmerzen weicht. Ebenso kann vorübergehende Taubheit und ein Anschwellen der betroffenen Extremität oder der Körperpartie erfolgen, begleitet von einer Hautrötung. Auch grippeähnliche Symptome wie Schüttelfrost, erhöhte Schweißproduktion und Müdigkeit können auftreten. (Natural History Museum London 2010)

Zu bemerken gilt, dass nur Weibchen beißen (Natural History Museum London 2010).

Bilder

Weblinks

Nachweis- und Verbreitungskarten

Weitere Links

Quellen

  • Bauer T. (2011): Erstfund von Steatoda nobilis in Deutschland. wiki.spinnen-forum.de.
  • Natural History Museum London (2010): False widow spider, Steatoda nobilis.
  • Pantini P, A. Sassu & G. Serra (2013): Catalogue of the spiders (Arachnida Araneae) of Sardinia. Biodiversity Journal 4 (1), S. 3–104.
  • Roberts M. J. (1995): Collins Field Guide. Spiders of Britain & Northern Europe. HarperCollins Publishers Ltd.. ISBN 0-00-219981-5, 383 S.
  • Schmidt G. (1956): Zur Fauna der durch canarische Bananen eingeschleppten Spinnen mit Beschreibungen neuer Arten. Zoologischer Anzeiger 157, S. 140–153.
  • Snazell R. & D. Jones (1993): The theridiid spider Steatoda nobilis (Thorell, 1875) in Britain. Bull. Br. arachnol. Soc. 9 (5), S. 164–167.
  • Vetter R.S. (2012): A large European combfoot spider, Steatoda nobilis (Thorell 1875) (Araneae: Theridiidae), newly established in Ventura County, California. The pan-pacific Entomologist 88 (1), S. 92–97.

Quellen der Nachweise