Phantomarten: Unterschied zwischen den Versionen

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====Erstbeschreibung====
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Bild:BoesenbergGonatium2.jpg
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Version vom 17. Januar 2014, 10:40 Uhr

Eine Reihe von Spinnenarten wurde nach mitteleuropäischen Exemplaren beschrieben aber seit der Erstbeschreibung vor mehr als 100 Jahren nie wieder gefunden. Diese „Phantomarten” (oder species inquirendae) werden zwar in Datenbanken und Katalogen erwähnt, nicht aber in den aktuellen Checklisten. Einige dieser Arten werden hier aufgelistet und diskutiert, mit Schwerpunkt auf Arten aus dem deutschsprachigen Raum.

Der Übersicht halber erfolgt die Darstellung nachfolgend alphabetisch gruppiert nach Familien: AgelenidaeAraneidaeClubionidaeGnaphosidaeLinyphiidaeLycosidaePhilodromidaeSalticidaeTheridiidaeThomisidae.

Agelenidae

Agelena mengeella

Erstbeschreibung

Menge A. (1871): Preussische Spinnen. Schrift. naturf. Ges. Danzig IV. Abtheilung, 265–296. (Seite 285, als Agalena brunea)

Abbildungen

Typusmaterial

Locus typicus: "Im Heubuder Walde im Haidekraut". Heubude (Stogi) ist heute ein Stadtteil von Danzig. Typen ursprünglich wohl mit dem Rest von Menges Sammlung im Westpreußisches Provinzial-Museum Danzig und vermutlich im II. Weltkrieg verschollen.

Diskussion

Da Menges A. brunea nicht identisch mit Blackwells Agroeca brunnea ist, wurde von Strand 1942 ein Ersatzname gewählt (Strand 1942). Strand diskutiert die nomenklatorische Situation, gibt aber keine neuen Angaben zur Art, und sein nomen novum scheint unnötig, denn schon 1942 war die tatsächliche Identität der Art unklar. Bereits Menge stellte in der Originalbeschreibung eine Ähnlichkeit mit Agalena gracilens (=Allagelena gracilens) fest. Die Abbildungen von Pedipalpus und Epigyne und die Lebensraumangaben scheinen gut zu dieser Art zu passen, aber wie Strand anmerkt, ist eine sichere Identifizierung anhand von Menges Angaben nicht möglich, zumal A. gracilens lange mit A. labyrinthica verwechselt wurde. Zu der ursprünglich Verwirrung in Menges Beschreibung kam es vermutlich vor allem durch die irrtümliche Zuordnung eines Agroeca-Eikokons zu den neubeschriebenen Exemplaren. Entgegen den Angaben von (Platnick 2013) wurde diese Art nicht aus Deutschland, sondern aus der Umgebung von Danzig (Gdańsk) im heutigen Polen beschrieben.

Agelena mengei

Erstbeschreibung

Lebert H (1877): Die Spinnen der Schweiz, ihr Bau, ihr Leben, ihre systematische Übersicht. Neue Denkschr. schweiz. naturf. Ges. 27, S. 1–321. (Seite 211–216, als Agalena Mengii)

Abbildungen

Tafel 5, Abbildung 42 in der Erstbeschreibung.

Typusmaterial

Locus typicus: "Bremgarten bei Aarau (Canton Aargau)". Nur weibliche Exemplare (Anzahl?). Verbleib unbekannt.

Araneidae

Araniella silesiaca

Erstbeschreibung

Fickert C (1876): Verzeichniss der schlesischen Spinnen. Zeitschr. f. Ent. Breslau (N. F.) 5, S. 46–76.(Seite 70)

Abbildungen

Es existieren keine Abbildungen der Art

Typusmaterial

Locus typicus: Bei Breslau. Typen vermutlich verschollen.

Diskussion

Der World Spider Catalogue (Platnick 2014) nennt als Verbreitungsgebiet Europa, korrekt wäre jedoch Polen. Außerdem wird die Art, im Gegensatz zu den Katalogangaben, von Blanke als nomen dubium betrachtet: "Das einzige aus der Nähe von Breslau bekannte ♀ von A . silesiaca wird von Fickert (1876) als Vertreterin einer “A. alpica äußerst nahestehenden Art” bezeichnet. Eine Überprüfung des Typusexemplars war nicht möglich. Kulczynski (1905), Simon (1929) und Wiehle (1931) betrachten A . silesiacaals Synonym für A . alpica. Braun (1976) halt eine Synonymie von A. silesiaca und Araneus crispulus Tullgren für möglich; eine ähnliche Auffassung vertritt Grasshoff (1976). Nach Untersuchung des Typusexemplars von Araneus crispulus erscheint mir dies sehr unwahrscheinlich, da sich die Art im Hinblick auf das abdominale Zeichnungsmuster und die Struktur der Epigyne stark von den Arten der Gattung Araniella unterscheidet und damit sicher nicht zu dieser Gattung gehört. A. silesiaca nur auf Grund der Beschreibung Fickerts (1876) als gültige Araniella-Art anzuerkennen, ist meiner Ansicht nach nicht zu rechtfertigen." (Blanke 1982)


Araneus quadratus minimus

Erstbeschreibung

Araneus quadratus minimus ist ein nomen nudum, d.h. die Art wurde (als "Varietät" von Epeira quadrata = Araneus quadratus) ohne Beschreibung publiziert, und zwar in einer Liste von Spinnen aus dem Pays-d'Enhaut (Kanton Waadt, Schweiz) (Gétaz A 1889). Der Name ist daher nicht verfügbar.

Clubionidae

Clubiona alpicola affinis

Clubiona caliginosa

Erstbeschreibung

Koch L (1867): Die Arachniden-Familie der Drassiden, Heft 7. Nürnberg, S. 305–352. (Seiten 311-315; unter dem Namen Clubiona holosericea).

Simon erkannte anhand der Abbildungen, dass Kochs Beschreibung sich nicht auf De Geers Clubiona holosericea (=Clubiona phragmitis) bezog, und verwendet für das Weibchen einen neuen Namen, C. caliginosa, während er das Männchen als Clubiona germanica identifiziert.

Abbildungen

Tafel XII, Abbildung 199 in (Koch 1867) (Epigyne).

Typusmaterial

Locus typicus: Umgebung von Nürnberg.

Diskussion

Anhand der Abbildung von Koch lässt sich, entgegen den Angaben Simons, wohl nicht sicher ausschliessen, dass das Weibchen zur gleichen Art gehört wie das ebenfalls unter dem Namen Clubiona holosericea beschriebene Männchen, und zwar zu Clubiona germanica. Simon argumentiert zwar, dass die Epigyne von Kochs Clubiona montana besser zu C. germanica passe, aber C. montana wird gegenwärtig als Synonym von Clubiona neglecta betrachtet (Platnick 2014). Der Status von Clubiona caliginosa wird dadurch kompliziert, dass in Simons Text die angekündigte Beschreibung von C. caliginosa zu fehlen scheint. Es ist fraglich, ob Simons kurzer Hinweis auf eine anderswo ("plus haut"="weiter oben") zu gebende Beschreibung überhaupt ausreicht, um den Namen als verfügbar zu betrachten, oder ob es sich hier um ein nomen nudum handelt.

Clubiona saltuum

Gnaphosidae

Drassodes myogaster

Erstbeschreibung

Bertkau P (1880): Verzeichniss der bisher bei Bonn beobachteten Spinnen. Verh. naturh. Ver. preuss. Rheinl. Westfal. 37, 215–343.(Seite 267, als Drassus myogaster)

Abbildungen

Tafel 6, Abbildung 5 in der Originalbeschreibung.

Typusmaterial

Locus typicus: "Auf dem Venusberg unter einem Stein" (bei Bonn). Ein Weibchen. Möglicherweise mit anderen Exemplaren aus Bertkau's Sammlung in der Bösenberg-Sammlung des Zoologischen Museums Hamburg.

Diskussion

Laut (Reimoser 1937) ist D. myogaster ein Synonym von Drassodes lapidosus. Letztere Art wird jedoch von Bertkau ebenfalls beschrieben, und er sieht die Verwandtschaft der neuen Art eher bei D. pubescens, D. portator (=D. luteomicans), D. rubidus, und D. villosus.

Drassodes voigti

Erstbeschreibung

Bösenberg W (1899): Die Spinnen der Rheinprovinz. Verh. Nat. Ver. Rheinl. Westf. (Stuttgart) 56, S. 69–131. (Seite 117, als Drassus Voigtii).

Nachbeschreibung in (Bösenberg W 1902).

Abbildungen

Tafel 1, Abbildung 5 in der Originalbeschreibung. Tafel 28, Abbildung 444 in der Nachbeschreibung.


Typusmaterial

Locus typicus: bei Bonn. Typen wahrscheinlich verschollen.


Diskussion

Laut (Reimoser 1937) ist D. voigti ein Synonym von Drassodes villosus, die Identität ist aber nicht endgültig geklärt (Braun 1958) und die Revision der Bösenbergschen Sammlung scheint keinen näheren Aufschluss gebracht zu haben (Braun 1960).

Linyphiidae

Asthenargus placidus

Erstbeschreibung

Simon E (1884): Les arachnides de France. Tome V(2)., S. 180–885.(Seite 603–604, als Gongylidiellum placidum)

Nachbeschreibung und Transfer zu Asthenargus in (Simon 1926).

Abbildungen

Abbildung 283 und 284 der Originalbeschreibung.

Typusmaterial

Locus typicus: "Cantal: le Lioran", Frankreich. Möglicherweise in der Sammlung Simons im Muséum National d'Histoire Naturelle, Paris.

Diskussion

Der Nachweis aus der Schweiz bezieht sich vermutlich auf Simons Vermutung, dass die aus Aire-la-Ville bei Genf beschriebene Art Gongylidiellum Simoni de Lessert (=Trichoncyboides simoni) ein Synonym von A. placidus sei. Thaler widerspricht jedoch dieser Einschätzung (Thaler 1973), und die Identität von A. placidus bleibt vorläufig unklar.

Bathyphantes enslini

Erstbeschreibung

Strand E (1910): Bemerkungen über einige Arachniden aus württembergischen und fränkischen Höhlen. Arch. Naturg. 76, S. 44–52. (Seiten 48–50)

Abbildungen

Es existieren keine Abbildungen dieser Art.

Typusmaterial

Locus typicus: Zwergloch bei Hollenberg, Franken. Typen möglicherweise im Museum für Naturkunde, Berlin.

Diskussion

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine nach einem unreifen Tier beschriebene Art jemals wieder gefunden und zuverlässig identifiziert wird, ist praktisch null. Formal ist diese Beschreibung zwar gültig, es handelt sich aber mit einiger Sicherheit um ein nomen dubium, selbst wenn die Typen noch existieren sollten.


Centromerus ludovici

Erstbeschreibung

Bösenberg W (1899): Die Spinnen der Rheinprovinz. Verh. Nat. Ver. Rheinl. Westf. (Stuttgart) 56, S. 69–131. (Seite 115).

Abbildungen

Tafel 1, Abbildung 2 in der Originalbeschreibung, und Tafel 12, Abbildung 174 in der Nachbeschreibung von Bösenberg (1902).

Typusmaterial

Locus typicus: Godesberg am Rhein. Das Typusmaterial im Königlichen Naturalienkabinett Stuttgart wurde im II. Weltkrieg vernichtet (Renner 1988).

Erigone decens

Erstbeschreibung

Thorell T. (1871): Remarks on synonyms of European spiders. Part II. Uppsala, S. 97–228. (Seite 128, Fussnote 1)

In einer Fussnote zu Erigone dentifera (=Hylyphantes graminicola) schreibt Thorell: „I possess a ♂ of an Erigone, which I have captured somewhere in Germany, and which I can scarcely distinguish from E. dentifera by any other marks than that the tibial joint is longer than the patellar, and that the clava is long and slender, slenderer than the thighs of the l:st pair of legs, and the length more than double the breadth; I call this species Erigone decens.”

Abbildungen

Es existieren keine Abbildungen dieser Art.

Typusmaterial

Locus typicus: "Somewhere in Germany". Verbleib der Typen unbekannt.

Diskussion

Die Art ist nach der Beschreibung auf keinen Fall ein Mitglied der Gattung Erigone, wie schon Simon erkannte (Platnick 2013), sondern gehört zu Hylyphantes, und zwar wahrscheinlich als Synonym von Hylyphantes graminicola. Dass Thorell seine Arten hier zu fein unterscheidet, wird auch dadurch bestätigt, dass er H. graminicola und H. dentifera (Westring) als verschiedene Arten behandelt, auch wenn er betont, dass sie sehr ähnlich sind und die Möglichkeit zugesteht, dass es sich nur um Variationen handelt.

Erigone remota dentigera

Erstbeschreibung

Simon E (1926): Les arachnides de France. Tome VI. Synopsis générale et catalogue des espèces françaises de l'ordre des Araneae; 2e partie. 6, S. 309–532.(Seite 444 und 520)

Abbildungen

Es existieren keine Abbildungen der Art.

Typusmaterial

Locus typicus: "Glacier du Rhône", Schweiz. Männchen. Möglicherweise in der Sammlung Simons im Muséum National d'Histoire Naturelle, Paris.

Diskussion

Simon gibt an, dass die Typusexemplare gemeinsam mit der Nominatform auf dem Rhônegletscher gefunden wurden. Damit ist ausgeschlossen, dass es sich um eine Unterart im modernen Sinne handelt. Als Artname in der Gattung Erigone ist dentigera jedoch nicht verfügbar, denn dabei handelte es sich um ein jüngeres Homonym von Erigone dentigera (O.P.-Cambridge). Anhand der Beschreibung Simons ist die Art nicht zu identifizieren.

Gonatium fuscum

Erstbeschreibung

Bösenberg W (1902): Die Spinnen Deutschlands. II-IV. Zoologica 14, S. 97–384. (Seite 161)

Abbildungen

Tafel 14, Abbildung 217 der Erstbeschreibung (Habitus von oben und Epigyne ventral und lateral).

Typusmaterial

Locus typicus: Bei Pforzheim. Das Typusmaterial im Königlichen Naturalienkabinett Stuttgart wurde im II. Weltkrieg vernichtet (Renner 1988).

Diskussion

Laut Braun, der die Sammlung Bösenbergs revidierte, ist die Art "dubios", also nicht mehr zu bestimmen (Braun 1960).


Gonatium gilbum

Erstbeschreibung

(Bösenberg W 1902)(Seite 162)

Abbildungen

Tafel 14, Abbildung 218 der Erstbeschreibung (Habitus von oben und Epigyne ventral und lateral).

Typusmaterial

Locus typicus: Bei Pforzheim. Das Typusmaterial im Königlichen Naturalienkabinett Stuttgart wurde im II. Weltkrieg vernichtet (Renner 1988).

Diskussion

Laut Braun, der die Sammlung Bösenbergs revidierte, ist die Art "zweifelhaft", also nicht mehr zu bestimmen (Braun 1960).


Gonatium pallidum

Erstbeschreibung

(Bösenberg W 1902) (Seite 161)

Abbildungen

Tafel 14, Abbildung 215 der Erstbeschreibung (Habitus von oben und Epigyne ventral und lateral).


Typusmaterial

Locus typicus: Bei Pforzheim. Das Typusmaterial im Königlichen Naturalienkabinett Stuttgart wurde im II. Weltkrieg vernichtet (Renner 1988).

Diskussion

Laut Braun, der die Sammlung Bösenbergs revidierte, ist die Art "zweifelhaft", also nicht mehr zu bestimmen (Braun 1960).


Lepthyphantes thienemanni

Erstbeschreibung

Schenkel E (1925): Spinnen der Salzstellen von Oldesloe. Mitt. geogr. Ges. Lübeck (2) 30, S. 143–147.(Seiten 144–145).

Abbildungen

Es existieren keine Abbildungen der Art.

Typusmaterial

Möglicherweise mit dem Rest der Sammlung von Ehrenfried Schenkel im Naturhistorischen Museum Basel.


Micrargus incomtus

Erstbeschreibung

Pickard-Cambridge O (1872): Descriptions of Twenty-four new Species of Erigone. Proc. Zool. Soc. London, S. 747–769.(Seite 748, als Erigone incomta)

Die Art wurde von Simon in die Gattung Microneta transferiert, und dann in die Gattung Blaniargus; letztere gilt inzwischen als Synonym von Micrargus (Platnick 2014).

Abbildungen

Tafel LXV, Abbildung 2 in der Originalbeschreibung (Prosoma im Profil und frontal, zwei Ansichten des Pedipalpus).

Oedothorax agrestis longipes

Erstbeschreibung

Simon E (1884): Les arachnides de France. Tome V(2)., S. 180–885.(Seite 603–604, als Gongylidium longipes)

Nachbeschreibung und Neubewertung als Unterart von Oedothorax agrestis in (Simon 1926).


Abbildungen

Abbildung 283 und 284 der Originalbeschreibung, und Abbildung 115 und 116 in (Lessert R de 1910) (als Oedothorax agrestis; die Abbildungen sind jedoch nach den Typen von longipes angefertigt (Simon 1926)).

Typusmaterial

Locus typicus: "Valais: glacier du Gorner, à 1800 mètres d'altitude" (Gornergletscher bei Zermatt), Schweiz.

Diskussion

In seiner Nachbeschreibung gibt Simon an, dass er die ursprünglich bemerkten genitalen Unterschiede nicht länger für charakteristisch hält. Als einzige trennende Merkmale im Vergleich zur Nominatform bleiben längere Beine und kleinere Tibia und Tarsus des Pedipalpus. Simon bewertet die Art daher als hochalpine Form von Oedothorax agrestis und meldet die Form gleichzeitig aus England. Es handelt sich also wahrscheinlich höchstens um eine klimatische oder individuelle Variation, nicht aber um eine eigene Unterart. Die Synonym wird implizit auch von (Lessert R de 1910) bestätigt.

Oedothorax insignis

Erstbeschreibung

(Bösenberg W 1902) (Seite 161, als Gonatium insigne)

Abbildungen

Tafel 14, Abbildung 216 der Erstbeschreibung (Habitus von oben und Epigyne ventral und lateral).

Typusmaterial

Locus typicus: Bei Hamburg. Verbleib der Typen unbekannt, vermutlich verschollen, wie die anderen Bösenbergschen Gonatium-Typen.

Diskussion

Laut Wunderlich ein Mitglied der Gattung Oedothorax und wahrscheinlich synonym mit Oedothorax retusus oder Oedothorax apicatus (Wunderlich 1974). In Abwesenheit des Typusmaterials bleibt die Art ein nomen dubium.


Oedothorax tener

Erstbeschreibung

Bösenberg W (1902): Die Spinnen Deutschlands. II-IV. Zoologica 14, S. 97–384.(Seite 172, als Kulczynskiellum tenerum)

Abbildungen

Tafel 15, Abbildung 233 der Originalbeschreibung.

Typusmaterial

Locus typicus: Pforzheim. Holotypus-Weibchen verschollen (Braun 1960). Laut Wiehle (in (Braun 1960)) gehört die Art zur Gattung Oedothorax ist aber anhand der Beschreibung "nicht zu identifizieren", also ein nomen dubium.

Diskussion

Wie bei vielen Arten Bösenberg's (Braun 1982) gibt es auch von Oedothorax tener Meldungen von Funden im Balkan (Platnick 2014). Angesichts der zweifelhaften Identität der Art sind diese kaum zu bewerten.

Tapinocyba bilacunata

Erstbeschreibung

Koch L (1881): Beschreibungen neuer von Herrn Dr. Zimmermann bei Niesky in der Oberlausitz entdeckter Arachniden. Abh. naturf. Ges. Görlitz 17, S. 41–71.(Seite 52, als Erigone bilacunata)

Abbildungen

Tafel 2, Abbildung 5 der Originalbeschreibung.

Walckenaeria mengei

Erstbeschreibung

(Bösenberg W 1902) (Seite 145, als Walckenaëra mengei)

Abbildungen

Tafel 13, Abbildung 192 in der Originalbeschreibung (Habitus von oben und Epigyne ventral und lateral). Ausserdem Abbildungen des Weibchens von Tmeticus spinipalpis Menge 1868 (Tafel 36, Abbildung 89, Habitus und Epigyne ventral).

Typusmaterial

Locus typicus: Bei Hamburg. Verbleib der Typen unbekannt.

Diskussion

Das beschriebene Weibchen ist das Weibchen von Menge's Tmeticus spinipalpis. Wahrscheinlich ein Synonym von Walckenaeria nudipalpis, in Übereinstimmung mit Simon und Menge, auch wenn Bösenberg und Thorell angeben, dass es sich um eine andere Art handelt, ohne jedoch eine deutliche Differentialdiagnose zu geben. Die Abbildungen bei Bösenberg und Menge stimmen gut mit W. nudipalpis überein, ebenso die Beschreibung des Lebensraums und die Tatsache, dass es sich offenbar um eine häufige und weitverbreitete Art handelt (von Bösenberg bei Hamburg im Wald gefunden, von Menge in der Umgebung von Danzig (Heubuder und Heiligenbrunner Wäldchen).

Lycosidae

Alopecosa pulverulenta tridentina

Erstbeschreibung

Thorell T (1875): Descriptions of several European and North-African spiders. Kongl. Svenska Vetenskaps-Akademiens Handlingar 13(5), S. 1–203.(Seite 150–151, als Tarentula pulverulenta (Clerck), var. Tridentina)

Typusmaterial

Locus typicus: Südtirol ("Tirolia merid."), bei Trento. Zwei von Giovanni Canestrini gesammelte Weibchen. Verbleib unbekannt, vielleicht im Naturhistoriska Riksmuseet, Stockholm, oder im Museo Civico di Storia Naturale di Genova, Genua.

Diskussion

Entgegen den Angaben bei (Platnick 2014) wurde die Art nicht aus Österreich, sondern aus Italien beschrieben. Thorell spekuliert am Ende der Beschreibung zwar, dass es sich möglicherweise um eine eigene Art handelt, aber die angegebenen diagnostischen Merkmale zur Unterscheidung von der "gewöhnlichen oder Hauptform" (etwas längere Beine und vor allem hellere Färbung, zum Beispiel an der Unterseite der Femora und Coxen, sowie die bleichere Epigyne, wobei "Struktur und Form jedoch der Hauptform gleich sind") scheinen eher auf eine individuelle Variation, vielleicht frisch nach der Häutung, hinzuweisen.

Pardosa bernensis

Erstbeschreibung

Lebert H (1877): Die Spinnen der Schweiz, ihr Bau, ihr Leben, ihre systematische Übersicht. Neue Denkschr. schweiz. naturf. Ges. 27, S. 1–321. (Seite 290–291, als Lycosa bernensis)

Abbildungen

Es scheinen keine Abbildungen der Art zu existieren.

Typusmaterial

Locus typicus: "Kandersteg, im Canton Bern". Ein einzelnes Weibchen. Verbleib unbekannt.

Pardosa intermedia

Erstbeschreibung

(Bösenberg W 1902) (Seite 388, als Lyocsa intermedia).

Abbildungen

Tafel XXXVI, Fig. 572 in der Originalbeschreibung (Weibchen-Habitus von oben und Epigyne).

Typusmaterial

Locus typicus: "Bei Pforzheim in den Weinbergen, auf einem Kleeacker". Das Typusmaterial im Königlichen Naturalienkabinett Stuttgart wurde im II. Weltkrieg vernichtet (Renner 1988).

Diskussion

Bösenberg merkt an, dass die neue Art eine Mittelstellung zwischen Pardosa agrestis, Pardosa albata (=Pardosa albatula), Pardosa monticola und Pardosa palustris einnimmt. Angesichts der allgemein schwierigen Unterscheidung der Arten in der Pardosa monticola-Gruppe, besonders bei Weibchen, ist es fast ausgeschlossen, dass Pardosa intermedia nach dem Verlust der Typen allein anhand der Epigynen-Abbildung identifiziert werden kann. Bonnet führt die Art in seiner Bibliographie als jüngeres Synonym von Pardosa palustris (Platnick 2013), aber das scheint unsicher, angesichts der Tatsache, dass Simon und Kulczynski die Typen untersucht und nicht mit P. palustris identifiziert haben. Bereits Braun bezeichnet die Art als "zweifelhaft" (Braun 1958).


Pardosa subalpina

Philodromidae

Philodromus depriesteri

Erstbeschreibung

Braun R (1965): Beitrag zu einer Revision der paläarktischen Arten der Philodromus aureolus-Gruppe (Arach., Araneae). Senckenberg. biol. 46, S. 369–428.

Diskussion

Segers hält die Art für subadulte oder teratologische Exemplare, möglicherweise von Philodromus collinus (Segers 1992). Die Tatsache, dass die Art von sehr weit voneinander entfernten Fundorten beschrieben und seitdem nie wieder gefunden wurde, deutet ebenfalls darauf hin, dass es sich nicht um eine gute Art handelt.


Salticidae

Aellurillus simoni

Erstbeschreibung

Lebert H (1877): Die Spinnen der Schweiz, ihr Bau, ihr Leben, ihre systematische Übersicht. Neue Denkschr. schweiz. naturf. Ges. 27, S. 1–321. (Seite 310–312, als Aelurops Simonii)

Abbildungen

Tafel 6, Abbildungen 45–47 in der Originalbeschreibung (Kralle und Schuppenhaare des Fußes, Pedipalpus, Epigyne).

Typusmaterial

Locus typicus: Mund, Ober-Wallis, Schweiz, Höhe 1230m. 3 adulte Weibchen, 1 subadultes Männchen. Verbleib unbekannt.

Diskussion

Die Beschreibung basiert auf 3 adulten Weibchen und einem subadulten Männchen. Trotzdem wird der Pedipalpus eines adulten Männchens abgebildet und auch im Text als solcher besprochen. Es ist daher nicht klar, ob der Pedipalpus zur selben Art gehört. Auch die Abbildung der Kralle und Schuppenhaare ist unsicher, denn die Abbildungslegende verweist nicht nur auf Aelurops Simonii, sondern auch auf Hasarus riparius. Die Erstbeschreibung erwähnt, dass die Art von L. Koch als neu bestätigt und auch aus Südtirol gemeldet wurde.

Heliophanus auratus mediocinctus

Philaeus superciliosus

Erstbeschreibung

Bertkau (1883) in Förster, A. & Bertkau, P. Beiträge zur Kenntniss der Spinnenfauna der Rheinprovinz. Verh. naturh. Ver. preuss. Rheinl. Westfal. 40: 205-278. (Seite 276–278)

Abbildungen

Tafel 3, Abbildung 8 in der Originalbeschreibung.

Typusmaterial

Locus typicus: Bei Aachen. (Die Art wird jedoch als wahrscheinlich exotische Art beschrieben, die möglicherweise mit Farbholz importiert wurde.)

Diskussion

Die Abbildung des Pedipalpus lässt keinen Zweifel daran, dass die Art nicht zur Gattung Philaeus im modernen Sinne gehört.

Phlegra rogenhoferi

Erstbeschreibung

Simon E (1868): Monographie des espèces européennes de la famille des attides (Attidae Sundewall. - Saltigradae Latreille). Ann. Soc. ent. Fr. (4)8, S. 11–72, 529–726.(Seite 551–552, als Attus Rogenhoferi).

Nachbeschrieben, als Phlegra Rogenhoferi, in (Simon 1937).

Abbildungen

Abbildung 1967 in (Simon 1937). Außerdem Abbildungen von Ph. rogenhoferi aus der unveröffentlichten Doktorarbeit von S. Heciak in der Salticidae: Diagnostic Drawings Library von Jerzy Proszynski.

Typusmaterial

Locus typicus: Baden bei Wien. Möglicherweise in der Sammlung Simon's im Muséum National d'Histoire Naturelle, Paris.

Diskussion

Der Eintrag in der Salticidae: Diagnostic Drawings Library meldet Ph. rogenhoferi mit Verweis auf die Doktorarbeit {{autor|Heciak}s aus Galicien, Spanien (das abgebildete Exemplar), sowie Südwest-Frankreich (nach einem Nachweis aus dem Département Landes in (Simon 1937)), zweifelt das Vorkommen in Österreich aber an. Diese Verbreitungsangabe ist auch im Catalogue of Salticidae aufgenommen, der außerdem Material der Art in Leiden, Oxford und Paris meldet. Die Erstbeschreibung gibt aber ausdrücklich an, dass das beschriebene Männchen von O.P. Cambridge in Österreich gesammelt wurde. Cambridge hatte im Sommer 1865 vier Wochen in Baden bei Wien verbracht, war bei seinen zwei großen Europa-Reisen aber nicht nach Spanien gekommen, und hatte auch Südost-Frankreich nur im Winter besucht (Pickard-Cambridge 1918). Heciak basiert ihre Arbeit zwar vor allem auf Typus-Material der Phlegra-Arten, aber im Fall von Ph. rogenhoferi scheint das Typusmaterial nicht verfügbar gewesen zu sein. Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass eine Verwechslung vorliegt, aber ohne Untersuchung des Holotypus-Männchens bleibt die Art zweifelhaft.

Sitticus exiguus

Erstbeschreibung

(Bösenberg W 1903)

Abbildungen

Tafel XLI, Abbildung 626 in der Originalbeschreibung (Habitus von oben und Epigyne).

Typusmaterial

Locus typicus: Bei Pforzheim. Das Typusmaterial im Königlichen Naturalienkabinett Stuttgart wurde im II. Weltkrieg vernichtet (Renner 1988).

Diskussion

Im Gegensatz zu den Angaben bei Platnick (Platnick 2013) wurde die Art nach einem einzelnen Weibchen beschrieben. Das Männchen ist unbekannt. Die Epigyne zeigt einige Ähnlichkeit mit Sitticus penicillatus. Die Ähnlichkeit war wohl auch Bösenberg aufgefallen, der S. penicillatus gleich im Anschluss beschreibt (als Attus guttatus Thorell), aber eine sichere Bestimmung aufgrund der knappen Beschreibung scheint nach dem Verlust der Typen unmöglich. Laut Braun "dürfte [S. exiguus] ein nomen dubium sein" (Braun 1960).


Theridiidae

Theridion kollari

Erstbeschreibung

Doleschall L (1852): Systematisches Verzeichniss der im Kaiserthum Österreich vorkommenden Spinnen. Sitz.-ber. Akad. Wiss. Wien 9, S. 622–651.(auf S. 649, als Theridion Kollari)

Typusmaterial

Locus typicus: "Aus der Wiener Gegend"

Diskussion

Die kurze lateinische Beschreibung (" Theridion mit rötlichem Prosoma und Beinen; Opisthosoma rund und gelblich, dorsal mit einem kreisförmigen Muster aus verlaufenden schwarzen Kreisen, an den Seiten dunkel.") weist eine gewisse Ähnlichkeit mit Steatoda bipunctata auf, und Doleschall bemerkt dies auch, wenn er die Art als "verwandt mit Th. quadripunctatum Walk." (=S. bipunctata) bezeichnet. Ohne Typusmaterial bleibt die Synonymie aber zweifelhaft.


Theridion varians melanotum

Erstbeschreibung

Strand E (1907): Verzeichnis der bis jetzt bei Marburg von Prof. Dr. H. Zimmermann aufgefundenen Spinnenarten. Zool. Anz. 32, S. 216–243.(auf S. 220)

Typusmaterial

Locus typicus: Marburg. Keine Typen deklariert, aber ursprüngliches Material möglicherweise noch in der Zimmermannschen Sammlung in den Naturhistorischen Sammlungen des Museums Wiesbaden vorhanden.

Diskussion

Die kurze Beschreibung macht deutlich, dass es sich bei Th. v. melanotum nicht um eine Unterart handeln kann, sondern nur um eine Farbvariante der sehr variablen Art Theridion varians. Formal ist Th. v. melanotum also wohl ein Synonym von Th. varians.

Thomisidae

Thomisus trigonus

Erstbeschreibung

Giebel C. G. (1869): Thomisus trigonus, neue Spinne der Halleschen Fauna. Zeitschr. gesam. Naturw. 33, S. 367–368.

Abbildungen

Es existieren keine Abbildungen der Art

Typusmaterial

Locus typicus: "Dölauer Haide", ein Waldgebiet westlich von Halle (Saale). Verbleib der Typen unbekannt

Diskussion

Die Erstbeschreibung nach einem trächtigen Weibchen vergleicht Th. trigonus mehrfach mit Thomisus horridus Koch (=Pistius truncatus). Die Beschreibung scheint recht gut zu dieser Art zu passen, und möglicherweise handelt es sich bei Th. trigonus nur um eine Farbvariante von P. truncatus, vielleicht aufgrund der Trächtigkeit des beschriebenen Weibchens. Die Zugehörigkeit zur Gattung Thomisus ist dagegen sehr unwahrscheinlich.

Xysticus boesenbergi

Erstbeschreibung

Bösenberg W (1902): Die Spinnen Deutschlands. II-IV. Zoologica 14, S. 97–384. (Seite 353, als Xysticus concinnus)

Abbildungen

Tafel XXXIII, Abbildung 522 in der Originalbeschreibung (Habitus von oben und Epigyne)

Locus typicus: "Bei Pforzheim am Waldrande auf Gebüsch". Verbleib des Typus unbekannt, laut (Braun 1960) verschollen.

Diskussion

Die Art ist nicht identisch mit Xysticus concinnus Kroneberg. Charitonov wählte darum einen Ersatznamen, Xysticus boesenbergi. Braun bezeichnet X. boesenbergi als "serbische" bzw. "balkanische Art".

Xysticus paniscus

Erstbeschreibung

Koch L (1875): Beschreibungen einiger von Herrn Dr. Zimmermann bei Niesky in der Oberlausitz und im Riesengebirge entdeckter neuer Spinnenarten. Abh. naturf. Ges. Görlitz 15, S. 1–21.(Seiten 9–12, als Xysticus Paniscus).

Das Typusmaterial wurde von Bösenberg nachbeschrieben und neu illustriert in (Bösenberg W 1902).

Abbildungen

Tafel 1, Abbildung 7 der Originalbeschreibung (Epigyne), und Tafel XXXII, Abbildung 513 bei Bösenberg (Habitus von oben und Epigyne).

Typusmaterial

Locus typicus: "Bei Niesky in einem Kieferhochwald an der Trebuser Strasse hinter Neuhof" (Lausitz, Sachsen). Zwei Weibchen. Holotypus im Museum für Naturkunde in Berlin (ZMB 5674) (Jantscher 2001).

Diskussion

Jüngeres Synonym von Xysticus lineatus (Jantscher 2001).

Quellen