Linyphiidae: Unterschied zwischen den Versionen
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Die größeren Arten legen teilweise auffällige baldachinartige Netze (Trivialname) in der Vegetation an. In diesen Fällen besteht es aus einer in Gebüsch, auf Zweigen oder zwischen niedrigen Pflanzen waagerecht oder leicht kuppelförmig aufgespannten Netzdecke. Von deren Oberseite ziehen zahlreiche vertikale Fäden aufwärts zu darüber liegenden Ästen. Diese Fäden können dichte raumnetzartige Konstruktionen über der Netzdecke bilden. Von der Unterseite ist das Netz durch wenige Fäden mit der Umgebung verknüpft.<ref name="Kaestner">{{Lit kaestner 1957}}</ref> | |||
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Bei den Arten der Gattung ''[[Tapinopa]]'' fehlen Überbau und Unterkonstruktion völlig. Hier ist die Netzdecke zu einer allseits geschlossenen, bei erwachsenen Tieren etwa 5 cm durchmessenden Blase aus feinem pergamentartigem Gespinst geworden. Die sehr kurzbeinige Spinne sitzt kopfüber in dieser Blase und ergreift die Beute mit ihren kräftigen, zahnbewährten Cheliceren von unten durch die Netzdecke. | |||
Einen noch weitergehende Reduktion des Netzes können wir bei ''[[Drapetisca socialis]]'' beobachten. Die Art lebt an Baumstämmen auf deren Rinde sie ein flach aufliegendes sehr feines Gespinst anlegt, welches so unscheinbar ist, dass man es erst vor einigen Jahrzehnten entdeckt hat. Da das Netz weniger Beutefang- als Alarmfunktion zu haben scheint, jagt ''Drapetisca'' ihre Beute im Gegensatz zu den meisten anderen Baldachinspinnen quasi frei. | |||
Auch ''[[Donacochara speciosa]]'', die in Schilf lebt, scheint – zumindest als ausgewachsene Spinne – ihre Beute frei und ohne Zuhilfenahme eines Fangnetzes zu erjagen. | |||
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==Gattungen in Mitteleuropa== | ==Gattungen in Mitteleuropa== | ||
Version vom 1. November 2009, 11:35 Uhr
| Linyphiidae Blackwall, 1859 |
|---|
| Zwerg-/Baldachinspinnen |
| Linyphia triangularis, Weibchen |
| Systematik |
| Ordnung: Araneae (Webspinnen) |
| Weitere Informationen |
| LSID WSC: urn:lsid:nmbe.ch:spiderfam:0103 |
Typ-Genus: Linyphia Latreille, 1804
Die Familie der Linyphiidae stellt in Mitteleuropa mit Abstand die meisten Arten (493, Stand 2004). (Blick 2004)
Beschreibung
Sehr kleine bis kleine Arten (Körperlänge: 1,5 bis 6 mm). Drei Tarsenklauen, ecribellat und entelegyn. Acht Augen in zwei Reihen. Chelizeren meist mit Stridulationsrillen. Colulus vorhanden. (Jocqué R & Dippenaar-Schoeman 2007)
Linyphiidae haben meist einen durchschnittlich gebauten Körper mit leicht längsovalem Pro- und Opisthosoma und mäßig langen, relativ dünnen Beinen. Einige kleine, am Boden lebende Arten sind kompakter gebaut und haben kurze Beine und erinnern dann eher an Kugelspinnen. Andere, große auffällig gemusterte Arten mit langen Vorderbeinen ähneln Herbstspinnen.
Die meisten Arten der Familie sind klein und unscheinbar. Sie besitzen einen gelb- bis graubraunen oder schwarzen Körper und keine Zeichnung. Nur relativ wenige Arten (z.B. der Gattungen Linyphia oder Neriene) fallen uns als kontrastreich gemusterte Spinnen in ihren großen Netzen auch in der Natur ins Auge.
Lebensweise
Netzkonstruktion und Beutefang
Die größeren Arten legen teilweise auffällige baldachinartige Netze (Trivialname) in der Vegetation an. In diesen Fällen besteht es aus einer in Gebüsch, auf Zweigen oder zwischen niedrigen Pflanzen waagerecht oder leicht kuppelförmig aufgespannten Netzdecke. Von deren Oberseite ziehen zahlreiche vertikale Fäden aufwärts zu darüber liegenden Ästen. Diese Fäden können dichte raumnetzartige Konstruktionen über der Netzdecke bilden. Von der Unterseite ist das Netz durch wenige Fäden mit der Umgebung verknüpft. (Kaestner 1956)
- Netze
Netz von Linyphia triangularis
Die Spinne läuft auf der Unterseite der Decke und eilt hervor, wenn ein Insekt beim Flug an das obere Fadenhindernis („stopping web“ oder „Absturzfäden“ genannt (Foelix 1996)) gestoßen ist und auf die Decke fällt. Ein Biss der Chelizerenklauen, die durch die Netzdecke geschlagen werden, bringt das zappelnde Opfer in die Gewalt der Spinne. (Kaestner 1956) Die dabei auftretenden Beschädigungen der Netzdecke werden nach dem Fressen wieder ausgebessert. (Foelix 1996)
Sowohl in den Absturzfäden als auch in der Decke konnten Klebefäden nachgewiesen werden, doch dürften diese im Linyphiidennetz eher eine untergeordnete Rolle spielen. (Foelix 1996)
Die kleineren Arten der Familie (früher in einer eigenen Familie oder Unterfamilie Zwergspinnen zusammengefasst) bauen zumeist wesentlich kleinere, unscheinbarere Netze, die nur selten (z.B. bei Morgentau zwischen Grashorsten) sichtbar sind. Diese bestehen nur aus einer wenige Quadratzentimeter großen Netzdecke unter der die Spinne lauert. Die aufwendige Überkonstruktion aus Absturzfäden ist stark hier reduziert.
Bei den Arten der Gattung Tapinopa fehlen Überbau und Unterkonstruktion völlig. Hier ist die Netzdecke zu einer allseits geschlossenen, bei erwachsenen Tieren etwa 5 cm durchmessenden Blase aus feinem pergamentartigem Gespinst geworden. Die sehr kurzbeinige Spinne sitzt kopfüber in dieser Blase und ergreift die Beute mit ihren kräftigen, zahnbewährten Cheliceren von unten durch die Netzdecke.
Einen noch weitergehende Reduktion des Netzes können wir bei Drapetisca socialis beobachten. Die Art lebt an Baumstämmen auf deren Rinde sie ein flach aufliegendes sehr feines Gespinst anlegt, welches so unscheinbar ist, dass man es erst vor einigen Jahrzehnten entdeckt hat. Da das Netz weniger Beutefang- als Alarmfunktion zu haben scheint, jagt Drapetisca ihre Beute im Gegensatz zu den meisten anderen Baldachinspinnen quasi frei. Auch Donacochara speciosa, die in Schilf lebt, scheint – zumindest als ausgewachsene Spinne – ihre Beute frei und ohne Zuhilfenahme eines Fangnetzes zu erjagen.
Paarung und Brutpflege
Verbreitung
Insbesondere in den gemäßigten Ländern weit verbreitet (Kaestner 1956), aber auch in warmen Ländern vorkommend (Platnick 2013).
Gattungen in Mitteleuropa
In Mitteleuropa kommen die folgenden Gattungen vor (Blick 2004) (Anzahl der in Mitteleuropa vorkommenden Arten jeweils in Klammern):
Weitere Gattungen
Quellen
- Blick T [Koord.] (2004): Checkliste der Spinnen Mitteleuropas. Checklist of the spiders of Central Europe. (Arachnida: Araneae). Arachnologische Gesellschaft e. V.
- Foelix RF (1996): Biology of Spiders. Oxford Thieme. 2. Auflage. ISBN 0-19-509594-4, 330 S.
- Jocqué R & Dippenaar-Schoeman A (2007): Spider Families of the World. Royal Museum of Central Africa. ISBN 978-90-74752-11-4, 336 S.
- Kaestner A (1956): Lehrbuch der Speziellen Zoologie, Teil 1: Wirbellose. Gustav Fischer Verlag, Jena. 3 Auflage, S. 603–616.
- Platnick NI (2013): The World Spider Catalog, Version 13.5. The American Museum of Natural History.