Bdellidae

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Bdellidae Dugčs, 1834
Schnabelmilben
Bdella semiscutata A6038 PL0172.JPG
Bdella cf semiscutata
Systematik
Ordnung: Trombidiformes

Systematik

Die Bdellidae gehören zur Unterordnung Prostigmata, Infraordnung Eupodina, Überfamilie Bdelloidea. Die Familie wird in 5 Unterfamilien gegliedert: Cytinae, Spinibdellinae, Bdellinae, Odontoscirinae und Polytrichinae (letztere ist afrotropisch). (Parker S. P. 1982) (Van der Schyff J. et al. 2003)

Die Familie hat weltweit 15 Gattungen und 251 Arten (Stand 2011). Viele früher beschriebene Arten der Familie haben einen unsicheren Status: es gibt bei diesen keinen Holotyp (sog. nomina nuda) und manchmal sind die alten Erstbeschreibungen sehr kurz und ungenau. (Thor S. 1902) (Zhang Z-Q. 2011) (Walter D. E. 2006) (Ueckermann E. A. 2008) (Omukunda E. et al. 2012)

Die europäischen Gattungen gehören zu den folgenden 4 Unterfamilien:

Der Status von 2 weiteren Gattungen, Caenobdella (C. crassipes: Beine sind auffällig kurz, es gibt ungewöhnlich lange Tasterborsten auf den Tibien) und Troglobdella (T. obisium: blinde Art) ist unsicher, weil es keine Holotypen, nur alte, detailarme Abbildungen für diese gibt. Sie gelten als nomina dubia.

Beschreibung

Die Hauptmerkmale der Familie Bdellidae sind:

  • Die Pedipalpen sind antennenförmig und haben 4 Segmente
  • Die Tarsen tragen 1 oder 2 terminale Setae
  • Tibia und Tarsus besitzen keine klauenartigen Setae
  • Der Körper ist schwach sklerotisiert, manchmal rot
  • Die Mundwerkzeuge sind schnabelähnlich (Parker S. P. 1982)

Die antennenförmigen Pedipalpen unterscheiden die Bdellidae von den ähnlichen Cunaxidae (die raptoriale Pedipalpen haben). Bdellidae haben nicht verästelte, setulierte Empodia zwischen den Klauen. Die Männchen besitzen komplexe, zusätzliche Genitalien und produzieren Spermatophoren (indirekte Fertilization). Es gibt kein Aedeagus. (Parker S. P. 1982)

Die Basen der Chelizeren sind getrennt und oft verlängert. Die beweglichen Finger sind manchmal zum Stechen modifiziert. Das Prodorsum trägt ein oder zwei Paar Trichobothrien. Es sind zwei oder drei Paare genitaler Papillen vorhanden. Eugenitale Setae sind vorhanden. Spinibdellinae und Cytinae haben genitale Tracheae. Tibien I und IV und Tarsen III und IV tragen normalerweise Trichobothrien. Die Klauen sind unbehaart. (Parker S. P. 1982)

Merkmale der Unterfamilien

Bei der Unterfamilie Cytinae und Spinibdellinae ist in reduzierter Form ein Naso ausgebildet. Ein einzelnes Auge ist vorhanden. Bdellinae und Odontoscirinae haben auch ein Median-Auge, das unter der nicht weiter differenzierten Kutikula liegt, und nur histologisch nachgewiesen werden kann. (Omukunda E. et al. 2012)

Die Prälarven der Bdellidae sind relativ kompliziert gebaut. Ein Vergleich der Prälarven führt zu der Annahme, dass die Prälarve von Cytinae am ursprünglichsten ist. Die von Neomolgus littoralis besitzt die meisten abgeleiteten Merkmale. Die Prälarven der Bdellinae und Odontoscirinae ähneln einander weitestgehend. Die von Cyta (Cytinae), Spinibdella und Biscirus (Spinibdellinae) repräsentieren je einen eigenen Typ. Nur Neomolgus-Prälarven haben keine laterofrontale Rinne. (von Alberti G. 2009)

Bei adulten Odontoscirinae ist der Tibiotarsus des Pedipalpus verlängert, bei den Bdellinae ist dieser sehr kurz. (Parker S. P. 1982) (Atyeo W. T. 1962)

Biologie

Einige Bdellidae spielen bei der biologischen Schädlingsbekämpfung eine wichtige Rolle. Von anderen Arten ist aber aus Mangel an Forschung sehr wenig bekannt. (Gerson U. et al. eds))

Bdellidae sind Räuber. Sie fressen kleine Gliederfüsser und deren Eier. Cyta-Arten sind spezialisierte Räuber von Hornmilben (Oribatida). (Parker S. P. 1982)

Die Arten der Familie leben in Laub, Moos, auf Pflanzen, auch in semiariden Gebieten und in der littoralen Zone (z B. Neomolgus). (Parker S. P. 1982)

Schnabelmilben können spinnen und legen Häutungskammern und Nester an. Auch sichern sie ihre Beute mit Fäden. (Parker S. P. 1982)

Gattungen und Verbreitung

Die Familie ist weltweit verbreitet. In Europa kommen nach Datenlage dieses Wikis 9 Gattungen der Familie Bdellidae vor: (Thor S. 1931) (Parker S. P. 1982) (Stoch F. 2003) (Ueckermann E. A. 2008)

Name DE NL BE CH AT CZ SK PL DK NO SE FI HU SI GB IE IT IT82 FR FRH ES PT
Bdella × ? ? ? ? ? ? ? ? × × ? × ? × ? × × × ? ? ?
Bdellodes × ? ? × ? ? ? ? ? × ? ? ? ? ? ? ×   × ? ? ?
Biscirus ? ? ? ? ? ? ? × ? × ? ? ? ? ? ? ? × ? ? ? ?
Cyta × ? ? ? ? ? ? ? ? × ? ? ? ? × ? × × × ? ? ?
Odontoscirus ? ? ? ? ? ? ? × ? × ? ? ? ? ? ? × × ? ? ? ?
Neomolgus × ? ? × ? ? ? ? ? × × ? × ? × ? × × ? ? ? ?
Spinibdella ? ? ? ? ? ? ? ? ? × ? ? ? ? ? ? ×   ? ? ? ?
Thoribdella × ? ? ? ? ? ? × ? × × ? ? ? × ?     × ? ? ?
Trachymolgus ? ? ? × ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? × × ? ? ? ?
Name AL BA BG BY EE HR LT LV MD ME MK RO RS RU UA GR TR
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Bdellodes ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ?
Biscirus ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ?
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Odontoscirus ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ?
Neomolgus ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? × ? × × × ?
Spinibdella ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ?
Thoribdella ? ? ? ? ? ? ? × ? ? ? ? ? ? ? ? ?
Trachymolgus ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ?

Gattungsschlüssel

1 Hypostoma (anteriorer Teil des Subcapitulums) mit 6-7 Paaren großer ventraler Setae, ohne gut entwickeltes genitales Tracheensystem → 2
Hypostoma mit 2 Paaren großer ventraler Setae, genitales Tracheensystem gut entwickelt. → 6
2 Trichobothrium auf Tibia II vorhanden (Odontoscirinae). → 3
- Trichobothrien nur auf Tibien I und IV und auf Tarsen III und IV (Bdellinae) → Bdella
3 Chelizeren mit mehr als je 2 Setae (meist 8-20 Setae). → Neomolgus
- Chelizeren mit je einem oder 2 (selten 3) Setae. → 4
4 Trichobothrium sci kurz, kürzer als ein Viertel der Länge des Trichobothriums sce, basaler Teil des sce modifiziert, vergrößert. → Thoribdella
- Trichobothrium sci mehr als ein Drittel so lang wie sce. Basaler Teil des sce nicht modifiziert. → 5
5 Basen der Chelizeren überdimensioniert, Hypostoma mit großen Lippen, proximale Chelizerenseta näher zu distaler Chelizerenseta als zur Basis. → Odontoscirus
- Basen der Chelizeren normal, Hypostoma ohne großen Lippen, nur je 1 Seta auf den Chelizeren. Anteriore und posteriore Trichobothrien sind ähnlich, posteriore sitzen in Buchsen. Prodorsum mit longitudinalen oder querlaufenden Streifen. Kein Dorsalschild. → Bdellodes
6 Chelizeren normal oder überdimensioniert, bewegbare Chela (Finger) sichelförmig, eine einzelne Seta unmittelbar anterior zur Genitalöffnung (Cytinae). → 7
- Chelizeren lang, bewegbare Chela (Finger) reduziert und nadelförmig. Einzelne ventrale Seta, falls vorhanden, dann zwischen Coxae IV und nicht unmittelbar anterior zur Genitalöffnung. Beine mit 4 Trichobothrien, je ein auf Tibien I und IV und auf Tarsen III und IV (Spinibdellinae) → 8
7 Integument weich, gestreift, Chelae (Finger der Chelizeren) massiv. → Cyta
- Integument stark sklerotisiert, Chelae normal, mit Zähnen. → Trachymolgus
8 Externale vertikale Setae vorhanden, Tibiotarsus des Pedipalpus kurz und distal verbreitert. → Spinibdella
- Externale vertikale Setae nicht vorhanden, Tibiotarsus des Pedipalpus zylindrisch, lang, mit 2 langen distalen Setae. Prodorsum ohne Mittelaugen. Chelizeren ohne Zähnchen auf bewegbarer Chela → Biscirus
(Oudemans A. C. 1937) (Thor S. 1931) (Omukunda E. et al. 2012)

Bilder

Weblinks

Weitere Links

Quellen