Opilio canestrinii

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Opilio canestrinii (Thorell, 1876)
Apenninenkanker (Komposch 2009)
O. canestrinii Belzig 2008d.jpg
Weibchen
Systematik
Ordnung: Opiliones (Weberknechte)
Familie: Phalangiidae (Schneider)
Gattung: Opilio
Reifezeit (Wijnhoven 2009)
Monat:123456789101112
Verbreitung in Europa[Quellen]
    etabliert,    nicht etabliert,    nicht betrachtet
Gefährdung nach Roter Liste
RegionBSLTKTRFRRL
[AT] Kärnten NE
[D] Deutschland nb
[D] Berlin *
[NO] Norwegen NA
Synonyme und weitere Kombinationen
  • Opilio ravennae

Merkmale

Körperlänge: Weibchen erreichen 4,7 bis 8,1 mm, Männchen 3,8 bis 6,1 mm.

Diagnose (aus Gruber 1984:253): Opilio-Art mit granulierter Dorsalcuticula, Penisschaft mit zwei ventralen Längskielen, weiße (Quer-)Zeichnungen des Dorsums auf Medianfeld des Abdomens beschränkt, Beinfemora i. a. subbasal gebräunt - ohne auffällige Längsstreifen. Pedipalpenfemur bei beiden Geschlechtern ventral unbezähnelt.

Man erkennt Opilio canestrinii (Weibchen!) sofort durch ihr äußeres Erscheinungsbild. Es sind große Weberknechte mit typischen hellen und kurzen Querstrichen auf dem großen rötlichbraunen bis grünlichbraunen Opisthosoma. Das Prosoma zeigt ein enges Gesichtsfeld mit einem recht hohen Augenhügel und weissgerandeten Augen. Der Augenhügelrand besitzt dorsal ca. 5 spitze Tuberkeln. Der Vorderrand des Prosomas weist keine Zacken oder nach vorne gerichtete Dornen auf. Auch die supracheliceralen Lamellen sind ohne „Zähnchen“. Opilio canestrinii hat sehr lange Beine. Diese sind in der Regel im Querschnitt rund und mit niedrigen dunklen Dornreihen versehen.

Die Ventralseite von Opilio canestrinii wird durch die markante Genitalplatte dominiert. Sie weist in der Regel eine charakteristische Pilz-Form auf. Die feinen, schmalen Loben (lo) der Coxa II bilden miteinander einen deutlichen Winkel.

Die Chelizeren von Opilio canestrinii sind robust und dorsal nahezu glatt. Es können ventral lediglich feine niedrige Stacheln und Tuberkeln ausgebildet sein (vgl. Bild rechts).

Die Pedipalpen (insb. Patella) weisen keine Apophysen auf. Der Tarsus ist in etwa gerade, nicht säbelartig gebogen wie z. B. bei Nelima sempronii.

Die Männchen von Opilio canestrinii sind in der Regel klein und runzelig (Geschlechtserkennung) und oft auffallend gelblich bis rötlich. Das Opisthosoma ist nahezu zeichnungslos (Bild unten). Die Coxa sind immer hellbraun bis orange gefärbt (nicht schwarz). (Martens 1978)

Lebensraum

In Norddeutschland wird Opilio canestrinii überwiegend an Waldstandorten gefunden. Er kommt aber auch an Gebäuden vor (insbesondere zur Paarungszeit im Herbst), wie z. B. weit verbreitet in Berlin-Mitte.

Verbreitung

Obwohl Martens (1978) noch keinen Opilio canestrinii kannte und immer nur von O. ravennae (Synonym für Opilio canestrinii) spricht, ist der Opilio canestrinii z. Z. die häufigste Opilio-Art in Deutschland.

Reifezeit

Adulte Exemplare finden sich von Juli-August bis Dezember. Besonders zahlreich findet man paarungswillige Opilio canestrinii nach den ersten kälteren Herbsttagen an Gebäudewänden, Holzmasten und z. B. an Zaunlatten. (Martens 1978)

Bilder



Synonyme

Opilio parietinus CANESTRINI 1875; CANESTRINI 1876; ROEWER 1911; ROEWER 1912

Phalangium parietinum CECCONE 1898; RIZZARDI 1898

Phalangium canestrinii THORELL 1876; PAVESI 1879; SIMON 1879; CANTONI 1882

Phalangium segmentatum SIMON 1879(?); SIMON 1882

Opilio zangherii SPOEK 1962; ZANGHERI 1966; MARCELLINI 1971

Opilio aspromonianur GRUBER 1965; MARCELLINO 1970; MARCELLINO 1973; MARCELLINO 1975a

Opilio cf. R. aspromontanus CHEMINI & GRUBER 1976

Opilio ravennae MARTENS 1978; THALER 1979; MARTENS, HOHEISEL & GOTZE 1981; BLISS 1981 (Karte); BLISS 1982


Weblinks

Nachweis- und Verbreitungskarten

Weitere Links

Quellen

  • Komposch C (2009): Rote Liste der Weberknechte (Opiliones) Österreichs. – In: Zulka P. (Red.): Rote Listen gefährdeter Tiere Österreichs. Checklisten, Gefährdungsanalysen, Handlungsbedarf. Grüne Reihe des Lebensministeriums 14/3, S. 397–483.
  • Martens J (1978): Die Tierwelt Deutschlands 64. Teil, Weberknechte, Opiliones. VEB Gustav Fischer Verlag Jena, 464 S.
  • Wijnhoven H (2009): De Nederlandse hooiwagens (Opiliones). Supplement Bij Nederlandse Faunistische Mededelingen, 118 S., ISSN 1875-760X.

Quellen der Nachweise