Alopecosa fabrilis: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Wiki der Arachnologischen Gesellschaft e. V.
Zur Navigation springenZur Suche springen
Keine Bearbeitungszusammenfassung
 
(47 dazwischenliegende Versionen von 8 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
__NOTOC__
{{Infobox Spezies
{{Infobox Spezies
|trivialname=
|autor=Clerck
|autor=Clerck
|jahr=1757
|jahr=1757
|gattung=Alopecosa
|familie=Lycosidae
|familie=Lycosidae
|trivialname_familie=Wolfspinnen
|trivialname_familie=Wolfspinnen
Zeile 10: Zeile 11:
|bildtext=Weibchen
|bildtext=Weibchen
|lsid=017409
|lsid=017409
|gefaehrdung_de=3
|reife=<lifecycle female=9-7 male=9-7 />
|gefaehrdung_by_sl=2
|nachweise_reife=<ref name="bellmann2010">{{Lit bellmann2010}}</ref>
|gefaehrdung_by_ts=1
|verbreitung=<europakarte name='{{PAGENAME}}' width="400"/>
|gefaehrdung_sh=3
|nachweise_verbreitung=
|gefaehrdung_mc=2
|gefaehrdung_bw=2
|gefaehrdung_nw=1
|gefaehrdung_st=2
|gefaehrdung_ni=2
|gefaehrdung_nt=2
}}
}}
'''''{{PAGENAME}}''''' ist eine [[Wolfspinnen|Wolfspinne]] aus der Gattung ''[[Alopecosa]]''. Sie kommt in ganz Europa vor.


== Aussehen und Körperbau ==
[[Bild:Schmidti_Grafik_08-12.jpg|right|400px]]
''{{PAGENAME}}'' gehört zu den größeren Arten der Gattung. Die Weibchen werden bis zu 16 Millimeter groß, die Männchen bis zu 12 Millimeter.<ref name="bellmann">{{Literatur
|autor=Heiko Bellmann
|titel=Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas
|verlag=Kosmos-Verlag
|auflage=2.
|jahr=2001
|isbn=3-440-09071-X
}}</ref>


Die Grundfärbung ist bräunlich grau. Auf dem Prosoma findet sich ein dünner heller Mittelstreifen, der weder im Augenbereich noch zum Opisthosoma hin den Rand des Prosoma erreicht. Daneben verlaufen schwächer gefärbte Längsbänder. Der Prosomarand ist ebenfalls hell gefärbt. Von der Prosomamitte verlaufen undeutliche Radiärstreifen zum Prosomarand.
==Merkmale==
'''Körperlänge''': Weibchen erreichen 16 mm, Männchen 12 mm<ref name="bellmann">{{Lit bellmann}}</ref>.


Das Opisthosoma weist den ''Alopecosa''-typischen gezackten Spießfleck auf. Er ist im vorderen Bereich meist breiter umrandet, und an den Zacken sind helle Punkte zu sehen, die sich weiter nach hinten fortsetzen.
Die Grundfärbung ist bräunlich grau. Auf dem '''Prosoma''' findet sich ein dünner heller Mittelstreifen, der weder im Augenbereich noch zum Opisthosoma hin den Rand des Prosomas erreicht. Daneben verlaufen schwächer gefärbte Längsbänder. Der Prosomarand ist ebenfalls hell gefärbt. Von der Prosomamitte verlaufen undeutliche Radiärstreifen zum Prosomarand. Das '''Opisthosoma''' weist den ''Alopecosa''-typischen gezackten Spießfleck auf. Er ist im vorderen Bereich meist breiter umrandet, und an den Zacken sind helle Punkte zu sehen, die sich weiter nach hinten fortsetzen. (siehe Bilder)


Die Beine sind an den körpernahen Gliedern undeutlich gemustert und an den körperfernen Gliedern einheitlich gefärbt.
==Ähnliche Arten==
''[[Alopecosa striatipes]]'' und ''[[Alopecosa schmidti]]'' sind sehr ähnliche Arten. ''A. striatipes'' hat aber deutliche Längsstreifen auf den Beinen, und die Radiärstreifen sind ebenfalls deutlicher. ''A. schmidti'' wird etwas größer und ist nur im Osten Deutschlands und Europas verbreitet.<ref name="bellmann"/>
 
Die Unterart ''{{PAGENAME}} trinacriae'' kommt nur auf Sizilien vor<ref name="wsc">{{Lit WSC|16.5|2016-11-09}}</ref>.
 
==Lebensraum==
''{{PAGENAME}}'' lebt auf sandigen Flächen, sowohl an der Küste als auch auf Binnendünen, darunter auch in sandigen Kiefernwäldern und sandigen Heiden. Populationen benötigen große, vegetationsfreie Sandflächen. Gerade im Binnenland geht dieser Lebensraum seit Jahrzehnten aufgrund menschlichen Einflusses zurück. <ref name="bellmann"/> <ref name="Wiebes">{{Lit Wiebes 1959 Lycosidae}}</ref> Naturschutzgebiete mit großen Vorkommen dieser seltenen, eindrucksvollen Wolfspinne sollten diese Spezies als Flaggschiffart nutzen, um auf die Empfindlichkeit und Einzigartigkeit dieses Lebensraums in Mitteleuropa hinzuweisen.  


Die Frontaugen sind vergleichsweise groß. Vier Nebenaugen finden sich in einer horizontalen Linie zwischen den Frontaugen und den Cheliceren. Die hinteren Augen liegen im vorderen Viertel des Prosoma hinter den Frontaugen.
==Lebensweise==
Die Weibchen graben eine mehrere Zentimeter tiefe Wohnröhre in den Sand, die sie mit Spinnseide auskleiden. Dort lauern sie meist am Eingang darauf, dass Insekten an der Röhre vorbeilaufen, die dann zur Beute der Spinne werden. Bei Störungen zieht sich das Weibchen in die Röhre zurück, erscheint aber meist wenige Minuten später wieder am Eingang. Die Männchen dagegen laufen oft frei umher auf der Suche nach einem Weibchen. Erwachsene Tiere findet man vom Herbst bis zum Frühjahr. <ref name="bellmann"/>


=== Ähnliche Arten ===
==Gefährdung==
''[[Alopecosa striatipes]]'' und ''[[Alopecosa schmidti]]'' sind sehr ähnliche Arten. ''A. striatipes'' hat aber deutliche Längsstreifen auf den Beinen, und die Radiärstreifen sind ebenfalls deutlicher. ''A. schmidti'' wird etwas größer und ist nur im Osten Deutschlands und Europas verbreitet.<ref name="bellmann"/>
''{{PAGENAME}}'' wird in der [[Rote Liste gefährdeter Arten|Roten Liste]] Deutschlands in der Kategorie 3 (&bdquo;gefährdet&rdquo;) eingestuft. Größere freie Sandflächen im Binnenland gehen immer stärker zurück, so dass die Art im Süden seltener vorkommt als an der Küste. <ref name="aragesnachweise">{{AragesNachweise}}</ref>


Die Unterart ''{{PAGENAME}} trinacriae'' kommt nur auf Sizilien vor.<ref name="platnick">[http://research.amnh.org/entomology/spiders/catalog/LYCOSIDAE.html Norman I. Platnick, 2007. The World Spider Catalog, Version 8.0. American Museum of Natural History.]</ref>
==Verbreitung==
''{{PAGENAME}}'' ist [[Paläarktis|paläarktisch]] verbreitet<ref name="wsc"/>.  


== Vorkommen und Lebensweise ==
In Deutschland weit verbreitet jedoch relativ selten gefunden <ref name="aragesnachweise"/>.
[[Bild:Alopecosa fabrilis W Schlupfwinkel 7-3610.jpg|thumb|left|Weibchen am Eingang der Wohnröhre]]
''{{PAGENAME}}'' kommt ausschließlich in Sandgebieten vor, sowohl an der Küste als auch auf Binnendünen, und in sandigen Kiefernwäldern und Heiden. Die Weibchen graben dort eine mehrere Zentimeter tiefe Wohnröhre, die sie mit Spinnseide auskleiden. Dort lauern sie meist am Eingang darauf, dass Insekten an der Röhre vorbeilaufen, die dann zur Beute der Spinne werden. Bei Störungen zieht sich das Weibchen in die Röhre zurück, erscheint aber meist wenige Minuten später wieder am Eingang. Die Männchen dagegen laufen oft frei umher auf der Suche nach einem Weibchen. Erwachsene Tiere findet man vom Herbst bis zum Frühjahr.


== Gefährdung ==
==Bilder==
''{{PAGENAME}}'' wird in der [[Rote Liste gefährdeter Arten|Roten Liste]] Deutschlands in der Kategorie 3 ("gefährdet") eingestuft. Freie Sandflächen im Binnenland gehen immer stärker zurück, so dass die Art im Süden seltener vorkommt als an der Küste.<ref>[http://www.spiderling.de/arages/Verbreitungskarten/Karte1.php?Art=32 Nachweiskarte der ARAGES]</ref>
<gallery caption="Weibchen">
Alopecosa fabrilis W Schlupfwinkel 7-3610.jpg|Weibchen am Eingang der Wohnröhre
Fabrilis_Reinstaedt_08-11_03.jpg
Alopecosa_fabrilis_hunn_GHMorka.jpg|Norwegen
Alopecosa_fabrilis_Arne_Fjellberg.jpg
Alopecosa_fabrilis_9_1024.jpg
Alopecosa_fabrilis_8_1024.jpg
Alopecosa_fabrilis_10_1024.jpg
Schmidti_Reinstaedt_07-09_01.jpg
Alopecosa_fabrilis_14_1024.jpg
Alopecosa_fabrilis_16_1024.jpg|frontal
Schmidti_Reinstaedt_07-09_03.jpg|Portrait
Alopecosa_fabrilis_12_1024.jpg
Alopecosa_fabrilis_13_1024.jpg|Epigyne
Fabrilis_Reinstaedt_07-09_05-Epig.jpg|Epigyne
Alopecosa_fabrilis_epigyn_vereinfacht_HLovbrekke.jpg|Epigyne, vereinfacht
Alopecosa_fabrilis_epigyn_HLovbrekke.jpg|Epigyne
Alopecosa_fabrilis_vulva_do_Hlovbrekke.jpg|Vulva dorsal
</gallery>
<gallery caption="Männchen">
Alopecosa_fabrilis_4_1024.jpg|dorsal
Alopecosa_fabrilis_1024.jpg|frontal
Alopecosa_fabrilis_5_1024.jpg|Pedipalpus
Alopecosa_fabrilis_2_1024.jpg|Pedipalpus
Alopecosa_fabrilis_3_1024.jpg|Pedipalpus
Alopecosa_fabrilis_hann_GHMorka.jpg|Pedipalpus
Alopecosa_fabrilis_palp_HLovbrekke.jpg|Pedipalpus
Alopecosa_fabrilis_tegular_apophysis_HLovbrekke.jpg|Tegularapophyse
Alopecosa_fabrilis_embolus_HLovbrekke.jpg|Embolus
</gallery>


== Weblinks ==
==Weblinks==
{{Arageslinks|id=32}}
{{Weblinks}}


{{references}}
==Quellen==
<references/>
===Quellen der Nachweise und Checklisten===
<checklistenrefs artname='{{PAGENAME}}'/>

Aktuelle Version vom 8. Dezember 2023, 22:54 Uhr

Alopecosa fabrilis (Clerck, 1757)
Sand-Scheintarantel
Alopecosa fabrilis W 7-5798.jpg
Weibchen
Systematik
Ordnung: Araneae (Webspinnen)
Familie: Lycosidae (Wolfspinnen)
Gattung: Alopecosa (Scheintaranteln)
Reifezeit (Bellmann 2010)
Monat:123456789101112
Verbreitung in Europa[Quellen]
    etabliert,    nicht etabliert,    nicht betrachtet
Weitere Informationen
LSID WSC: urn:lsid:nmbe.ch:spidersp:017409
Gefährdung nach Roter Liste
RegionBSLTKTRFRRL
[CZ] Tschechien CR
[CZ] Oberschlesien ?
[D] Deutschlandmh<<?=3
[D] Berlinex 0
[D] Brandenburg 2
[D] Baden-Württembergs 2
[D] Bayern 2
[D] Bayern SL 2
[D] Bayern T/S 1
[D] Mecklenburg-Vorp.ss<<↓↓ 1
[D] Niedersachsen 2
[D] Niedersachsen (T) 2
[D] Nordrhein-Westfalens===*
[D] Schleswig-Holsteins?(↓)-D2
[D] Sachsen 1
[D] Sachsen-Anhalt 2
[D] Thüringen 2
[GB] Großbritannien EN
[NO] Norwegen VU
[PL] Bielitz-Biala ?
[PL] Kattowitz *
[PL] Opole ?
[PL] Oberschlesien *
[PL] Tschenstochau ?
[SK] Slowakei DD
Synonyme und weitere Kombinationen
  • Alopecosa fabrilis fabrilis
  • Tarentula fabrilis
Schmidti Grafik 08-12.jpg

Merkmale

Körperlänge: Weibchen erreichen 16 mm, Männchen 12 mm (Bellmann 2001).

Die Grundfärbung ist bräunlich grau. Auf dem Prosoma findet sich ein dünner heller Mittelstreifen, der weder im Augenbereich noch zum Opisthosoma hin den Rand des Prosomas erreicht. Daneben verlaufen schwächer gefärbte Längsbänder. Der Prosomarand ist ebenfalls hell gefärbt. Von der Prosomamitte verlaufen undeutliche Radiärstreifen zum Prosomarand. Das Opisthosoma weist den Alopecosa-typischen gezackten Spießfleck auf. Er ist im vorderen Bereich meist breiter umrandet, und an den Zacken sind helle Punkte zu sehen, die sich weiter nach hinten fortsetzen. (siehe Bilder)

Ähnliche Arten

Alopecosa striatipes und Alopecosa schmidti sind sehr ähnliche Arten. A. striatipes hat aber deutliche Längsstreifen auf den Beinen, und die Radiärstreifen sind ebenfalls deutlicher. A. schmidti wird etwas größer und ist nur im Osten Deutschlands und Europas verbreitet. (Bellmann 2001)

Die Unterart Alopecosa fabrilis trinacriae kommt nur auf Sizilien vor (World Spider Catalog 2016).

Lebensraum

Alopecosa fabrilis lebt auf sandigen Flächen, sowohl an der Küste als auch auf Binnendünen, darunter auch in sandigen Kiefernwäldern und sandigen Heiden. Populationen benötigen große, vegetationsfreie Sandflächen. Gerade im Binnenland geht dieser Lebensraum seit Jahrzehnten aufgrund menschlichen Einflusses zurück. (Bellmann 2001) (Wiebes 1959) Naturschutzgebiete mit großen Vorkommen dieser seltenen, eindrucksvollen Wolfspinne sollten diese Spezies als Flaggschiffart nutzen, um auf die Empfindlichkeit und Einzigartigkeit dieses Lebensraums in Mitteleuropa hinzuweisen.

Lebensweise

Die Weibchen graben eine mehrere Zentimeter tiefe Wohnröhre in den Sand, die sie mit Spinnseide auskleiden. Dort lauern sie meist am Eingang darauf, dass Insekten an der Röhre vorbeilaufen, die dann zur Beute der Spinne werden. Bei Störungen zieht sich das Weibchen in die Röhre zurück, erscheint aber meist wenige Minuten später wieder am Eingang. Die Männchen dagegen laufen oft frei umher auf der Suche nach einem Weibchen. Erwachsene Tiere findet man vom Herbst bis zum Frühjahr. (Bellmann 2001)

Gefährdung

Alopecosa fabrilis wird in der Roten Liste Deutschlands in der Kategorie 3 („gefährdet”) eingestuft. Größere freie Sandflächen im Binnenland gehen immer stärker zurück, so dass die Art im Süden seltener vorkommt als an der Küste. (Arachnologische Gesellschaft 2020)

Verbreitung

Alopecosa fabrilis ist paläarktisch verbreitet (World Spider Catalog 2016).

In Deutschland weit verbreitet jedoch relativ selten gefunden (Arachnologische Gesellschaft 2020).

Bilder

Weblinks

Nachweis- und Verbreitungskarten

Weitere Links

Quellen

  • Arachnologische Gesellschaft (2020): Atlas der Spinnentiere Europas.
  • Bellmann H (2001): Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Frankh-Kosmos Verlag. ISBN 3-440-09071-X, 304 S.
  • Bellmann H (2010): Der Kosmos Spinnenführer: Über 400 Arten Europas. Kosmos. 1. Auflage. ISBN 3-440-10114-2, 429 S.
  • Wiebes JT (1959): The Lycosidae and Pisauridae (Araneae) of the Netherlands. Zoologische Verhandelingen 42, S. 1–78.
  • World Spider Catalog (2016): World Spider Catalog. Natural History Museum Bern, online auf http://wsc.nmbe.ch , Version 16.5, abgerufen am 2016-11-09, doi:10.24436/2.

Quellen der Nachweise und Checklisten