Thomisus onustus: Unterschied zwischen den Versionen

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Die Frage, ob die jeweils an die Blüte angepasste Farbe der Tiere dem Schutz vor Räubern oder der Tarnung bei der Jagd dient, hat die Forschung lange beschäftigt. Neuere Untersuchungen ergaben, dass die farbliche Anpassung der Tiere an den Untergrund sowohl Jäger wie auch Beute täuscht. Auf kurze Distanz wirkt die Farbmimikry sowohl auf das visuelle System von Vögeln wie auch von Honigbienen kryptisch und es erscheint unwahrscheinlich, dass die Tiere entdeckt werden. Betrachtet man jedoch die achromatische Kontrastnuancierung zwischen Spinne und Blüte sind deutliche Unterschiede zu erkennen. Vögel und Bienen benutzen auf lange Distanzen achromatische (hell-dunkel) Kontraste, um ihre Umgebung zu sehen. Hier würden die Spinnen auffallen, es erscheint jedoch aufgrund der geringen Größe unwahrscheinlich, dass die Art von beiden entdeckt wird. <ref name="Thery 1">{{Lit Thery Casas 2002 Predator and prey}}</ref><ref name="Thery 2">{{Lit Thery et al 2004 color sensitivities}}</ref>
Die Frage, ob die jeweils an die Blüte angepasste Farbe der Tiere dem Schutz vor Räubern oder der Tarnung bei der Jagd dient, hat die Forschung lange beschäftigt. Neuere Untersuchungen ergaben, dass die farbliche Anpassung der Tiere an den Untergrund sowohl Jäger wie auch Beute täuscht. Auf kurze Distanz wirkt die Farbmimikry sowohl auf das visuelle System von Vögeln wie auch von Honigbienen kryptisch und es erscheint unwahrscheinlich, dass die Tiere entdeckt werden. Betrachtet man jedoch die achromatische Kontrastnuancierung zwischen Spinne und Blüte sind deutliche Unterschiede zu erkennen. Vögel und Bienen benutzen auf lange Distanzen achromatische (hell-dunkel) Kontraste, um ihre Umgebung zu sehen. Hier würden die Spinnen auffallen, es erscheint jedoch aufgrund der geringen Größe unwahrscheinlich, dass die Art von beiden entdeckt wird. <ref name="Thery 1">{{Lit Thery Casas 2002 Predator and prey}}</ref><ref name="Thery 2">{{Lit Thery et al 2004 color sensitivities}}</ref>


Es gibt Hinweise dafür, dass Jungtiere der Art in Hungerperioden eventuell auf Nektar oder Pollen als Ersatznahrung ausweichen können <ref name="Vogelei">{{Lit Vogelei Greissl 1989 Survival Thomisus}}</ref>.
Es gibt Hinweise dafür, dass Jungtiere der Art in Hungerperioden eventuell auf Nektar oder Pollen als Ersatznahrung ausweichen können .<ref name='test'>{{Lit Thaler Buchar 1993 Eine verkannte Art der Gattung Lepthyphantes in Zentraleuropa L tripartitus}}</ref>


===Symbiotische Beziehung zu Pflanzen===
===Symbiotische Beziehung zu Pflanzen===
''{{PAGENAME}}'' wird im Falle von Schädlingsbefall der Glatt-Brillenschötchen (''Biscutella laevigata'') durch Pheromone angelockt, die Blüte zu besetzen. Dies ist trotz Wegfang verbreitungsfördernder Blütenbesucher anscheinend dennoch dennoch von Vorteil für die Pflanze.<ref name='Knauer et al 2017'>{{Lit Knauer et al 2017 Crab spiders impact floral-signal evolution indirectly through removal of florivores}}</ref>
''{{PAGENAME}}'' wird im Falle von Schädlingsbefall der Glatt-Brillenschötchen (''Biscutella laevigata'') durch Pheromone angelockt, die Blüte zu besetzen. Dies ist trotz Wegfang verbreitungsfördernder Blütenbesucher anscheinend dennoch dennoch von Vorteil für die Pflanze.<ref>{{Lit Knauer et al 2017 Crab spiders impact floral signal}}</ref>


===Paarung===
===Paarung===

Version vom 14. April 2018, 09:08 Uhr

Thomisus onustus Walckenaer, 1805
Blumenkrabbenspinne
DSC07573be (Medium).jpg
Weibchen
Systematik
Ordnung: Araneae (Webspinnen)
Familie: Thomisidae (Krabbenspinnen)
Gattung: Thomisus (Blumenkrabbenspinnen)
Reifezeit (Nentwig et al. 2018)
Monat:123456789101112
Verbreitung in Europa[Quellen]
    etabliert,    nicht etabliert,    nicht betrachtet
Weitere Informationen
LSID WSC: urn:lsid:nmbe.ch:spidersp:031485
Gefährdung nach Roter Liste
RegionBSLTKTRFRRL
[CZ] Tschechien VU
[CZ] Oberschlesien ?
[D] Deutschlandmh=?=*
[D] Berlinmh?==*
[D] Brandenburg 3
[D] Baden-Württembergmh V
[D] Bayern 3
[D] Bayern SL 3
[D] Bayern T/S 3
[D] Mecklenburg-Vorp.ss<(↓) 2
[D] Niedersachsen 2
[D] Niedersachsen (H) 2
[D] Niedersachsen (T) 0
[D] Nordrhein-Westfalenes<(↓)=1
[D] Sachsen 2
[PL] Bielitz-Biala ?
[PL] Kattowitz ?
[PL] Opole NT
[PL] Oberschlesien NT
[PL] Tschenstochau ?
[SE] Schweden NT
Synonyme und weitere Kombinationen
  • Thomisus hilarulus
  • Thomisus onustus meridionalis

Merkmale

Körperlänge: Weibchen erreichen 6 bis 7 mm, Männchen 2,5 bis 3,5 mm (Roberts 1996). Weibchen arabischer Tiere scheinen mit bis zu 9,8 mm wesentlich größer zu werden (Dippenaar-Schoeman & van Harten 2007)

Prosoma dorsal mit breitem Medianband, Oberfläche mit zahlreichen spitzen und kurzen Setae besetzt. Augen auf Tuberkeln, diese weiß und im Verhältnis zu anderen Arten der Gattung nicht scharf ausgezogen. Beine nicht geringelt. Femora mit etlichen dunklen Setae besetzt. (Dippenaar-Schoeman & van Harten 2007) Opisthosoma sich nach vorne verschmälernd und vorne stumpf ansetzend. Nach hinten sich stark erweiternd und dorsal in zwei stumpfe konische Erweiterungen auslaufend (Locket & Millidge 1951).

Weibchen

Farblich sind bei Weibchen drei Grundformen möglich: Weiß, gelb sowie rosa. Die Farbe wird über einige Tage dem entsprechenden Untergrund angepasst. (Heckel 1891)

Männchen

Männchen mit braunem Prosoma, dieses an den Seiten noch weiter verdunkelt. Hinterleib gelbbraun. Beine unbestachelt. (Locket & Millidge 1951) Retrolaterale Tibialapophyse mit leicht gebogener Spitze, ventrale Tibialapophyse mit kleinem Höcker (Dippenaar-Schoeman & van Harten 2007).

Lebensraum

In Mitteleuropa nur an warmen Standorten auf Blüten (z.B. am Kaiserstuhl) (Heimer & Nentwig 1991). In Großbritannien und Nordeuropa v.a. auf Heidekraut (Roberts 1996).

Verbreitung

Thomisus onustus ist paläarktisch verbreitet (World Spider Catalog 2015).

In Deutschland weit verbreitet, im Nordwesten jedoch bisher kaum nachgewiesen (Arachnologische Gesellschaft 2020).

Lebensweise

Beutefang

Sitzt auf Blüten und lauert dort auf Blütenbesucher (Heimer & Nentwig 1991). Studien am Beutespektrum in Aserbaidschan ergaben, dass knapp über die Hälfte des Beutespektrums der untersuchten Population aus Dipteren bestand, während Hymenopteren (Ameisen, Wildbienen etc.) ungefähr 40 % der Beute ausgemacht haben. Auffällig war ein hoher Anteil an Ameisen in der Beute, welche normalerweise nicht zum typischen Beutespektrum von auf Blüten lauernden Krabbenspinnen gehören. Insbesondere junge Tiere fingen oft Insekten, die ihre eigene Größe um das Zweifache, einmal sogar um das Sechsfache übertrafen. (Huseynov 2007)

Die Frage, ob die jeweils an die Blüte angepasste Farbe der Tiere dem Schutz vor Räubern oder der Tarnung bei der Jagd dient, hat die Forschung lange beschäftigt. Neuere Untersuchungen ergaben, dass die farbliche Anpassung der Tiere an den Untergrund sowohl Jäger wie auch Beute täuscht. Auf kurze Distanz wirkt die Farbmimikry sowohl auf das visuelle System von Vögeln wie auch von Honigbienen kryptisch und es erscheint unwahrscheinlich, dass die Tiere entdeckt werden. Betrachtet man jedoch die achromatische Kontrastnuancierung zwischen Spinne und Blüte sind deutliche Unterschiede zu erkennen. Vögel und Bienen benutzen auf lange Distanzen achromatische (hell-dunkel) Kontraste, um ihre Umgebung zu sehen. Hier würden die Spinnen auffallen, es erscheint jedoch aufgrund der geringen Größe unwahrscheinlich, dass die Art von beiden entdeckt wird. (Théry M & Casas 2002) (Théry M et al. 2004)

Es gibt Hinweise dafür, dass Jungtiere der Art in Hungerperioden eventuell auf Nektar oder Pollen als Ersatznahrung ausweichen können . (Thaler & Buchar 1993)

Symbiotische Beziehung zu Pflanzen

Thomisus onustus wird im Falle von Schädlingsbefall der Glatt-Brillenschötchen (Biscutella laevigata) durch Pheromone angelockt, die Blüte zu besetzen. Dies ist trotz Wegfang verbreitungsfördernder Blütenbesucher anscheinend dennoch dennoch von Vorteil für die Pflanze. (Knauer et al. 2017)

Paarung

Bellmann (2010) beschreibt die Paarung von T. onustus als wolfspinnenähnlich, wobei das Männchen seine Taster jeweils von der Seite des Körpers des Weibchens einführt. Eine hierzu gemachte Einzelbeobachtung (Helwig & Bauer 2013) belegt jedoch, dass das Männchen auch unter den Hinterleib des Weibchens klettern kann, um seine Taster einzuführen, ganz ähnlich wie durch Bellmann (2010) für Misumena vatia beschrieben und als modernere Paarungsvariante bezeichnet. Diese wurde nötig, weil der Hinterleib des Weibchens zu breit für die seitliche Paarung wurde. Auf den hier gezeigten Bildern ist der Hinterleib des Weibchens jedoch ebenfalls viel zu breit und ermöglicht dem Männchen nicht, die Taster seitlich einzuführen. Solche Größenverhältnisse sind eher die Regel als die Ausnahme (siehe obige Körperlängen), daher erscheint das von Bellmann genannte Szenario eher unwahrscheinlich. (Bellmann 2010)

Bilder

Weblinks

Nachweis- und Verbreitungskarten

Weitere Links

Quellen

Quellen der Nachweise