Cheiracanthium punctorium

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Cheiracanthium punctorium (Villers, 1789)
Ammendornfinger
Punctorium schäfer.JPG
Weibchen
Systematik
Ordnung: Araneae (Webspinnen)
Familie: Eutichuridae (Dornfingerspinnen)
Gattung: Cheiracanthium
Reifezeit (Bellmann H. 2010)
Monat:123456789101112
_ _ _ _ _ start X X X end _ _
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Verbreitung in Europa[Quellen]
Weitere Informationen
LSID WSC: urn:lsid:nmbe.ch:spidersp:023409
Gefährdung nach Roter Liste
RegionBSLTKTRFRRL
[AT] Kärnten 3
[CZ] Tschechien ES
[D] Deutschlandh>=*
[D] Berlinmh==*
[D] Brandenburg *
[D] Bayern 2
[D] Bayern SL 2
[D] MVss== *
[D] NRWes===R
[D] SHex???0
[D] Sachsen 4
[SE] Schweden NT
[SK] Slowakei R*
Synonyme
  • Cheiracanthium nutrix

Merkmale

Körperlänge: Weibchen erreichen 10 bis 15 mm, Männchen 7,5 bis 12 mm (Roberts M. J. 1995).

Prosoma grünlich-braun. Chelizeren sehr kräftig und lang. Grundglieder rötlich, distal schwarz. Mitunter ist der gesamte vordere Bereich des Prosomas ebenfalls rötlich.

Opisthosoma blass gelb-grünlich, dorsal mit einem dunkleren Spießfleck, der bis zur Mitte des Hinterleibs reichen kann. Dieser kann aber auch nur sehr schwach ausgeprägt sein oder ganz fehlen.

Die Beine sind gelblich. Das erste Beinpaar ist, wie für Cheiracanthium typisch, stark verlängert.

Die Männchen haben stark verlängerte, distal divergierende Chelizeren (Nentwig W. et al. 2012) und einen schlankeren Körperbau. Der Pedipalpus trägt einen langen, nach unten reichenden Cymbiumsporn, der allerdings bei fast allen Arten der Gattung ausgeprägt ist.

Namensgebung

Der wissenschaftliche Name „Cheiracanthium” besteht aus den beiden griechischen Wörtern „cheir” (Hand) und „akantha” (Dorn). Er nimmt Bezug auf den langen Cymbiumsporn am Pedipalpus der Männchen.

Der Artname „punctorium” leitet sich vom lateinischen Wort „punctum” (Stich) ab.

Der deutsche Namen „Ammendornfinger” bezeichnet die Eigenschaft der Weibchen ihre Jungen bis zur Selbstaufgabe zu hüten und zu verteidigen.

Verbreitung

Verbreitet von Europa bis Zentralasien (World Spider Catalog Association 2016). In Deutschland beschränken sich die Nachweise im Großen und Ganzen auf zwei Gebiete, im Nordosten (Berlin und Brandenburg) und im Südwesten (Saarland, Oberrhein- und Maingebiet). (Arachnologische Gesellschaft 2017).

Im Mittelmeergebiet ist Cheiracanthium punctorium weitverbreitet und wesentlich häufiger (Bellmann H. 2010).

Lebensraum

Kraut- und Strauchschicht warmer, offener Lebensräume (Nentwig W. et al. 2012). Auch an feuchteren Stellen wie wenig genutzte Wiesen (Bellmann H. 2010) oder Ufergürtel. Auf alpinen Trockenweiden (Rief A & Ballini S 2017).

Allen Lebensräumen ist das Fehlen einer geschlossenen Baum- oder Strauchschicht gemein (Niederösterreichisches Landesmuseum 2007).

Lebensraum von C. punctorium: Waldlichtung in der Nähe von Kleinottweiler (Saarland).

Lebensweise

Gespinst

Die Art baut im Vergleich zu anderen Cheiracanthium-Arten relativ große, auffällige Wohn- und Brutgespinste in höhergelegenen Grasrispen und anderen Pflanzen, worin sie sich tagsüber verbirgt. Nachts geht die Spinne aktiv auf Nahrungssuche. Cheiracanthium punctorium ist aufgrund ihrer Größe und kräftigen Chelizeren in der Lage, sehr große Beutetiere zu bezwingen. Im Terrarium konnte beobachtet werden, wie die Art adulte Wanderheuschrecken ergreift und überwältigt. (Niederösterreichisches Landesmuseum 2007)

Fortpflanzung

Die Männchen werden früher im Jahr reif und gehen aktiv auf die Suche nach dem Gespinst eines, meist noch subadulten, Weibchens. Dort webt es dann sein Wohngespinst direkt an das seiner zukünftigen Partnerin. Sobald das Weibchen die Reifehäutung hinter sich hat, durchbricht das Männchen die Trennwand und paart sich mit dem oftmals noch nicht völlig ausgehärteten Weibchen (siehe Fotos). (Bellmann H. 2010) Das Männchen stirbt kurz darauf.

Im August webt das Weibchen ein größeres und stabileres Brutgespinst. Darin baut es einen an der Innenwand befestigten Kokon mit 100 bis 300 Eiern. Drei bis fünf Wochen später schlüpfen die Jungtiere, welche nochmals mindestens drei Wochen im Gespinst verbleiben. Während dieser Zeit verteidigt die Mutter die Eier und Jungtiere heftigst gegen jede Form von Bedrohung. Bissunfälle resultieren oft aus Störungen der Brutgespinste während dieser Periode.

Es scheint, dass die Weibchen nach der Eiablage keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Nachdem die Jungtiere im Herbst das Gespinst verlassen haben, verhungern sie. Die Jungtiere überwintern in selbstgebauten, bodennahen Gespinsten von ungefähr 5 mm Durchmesser und werden schon im Laufe des nächsten Jahres reif. (Niederösterreichisches Landesmuseum 2007)

Giftigkeit

Die Art gilt als relativ giftig und beißfreudig. Beides trifft wahrscheinlich nur auf trächtige oder ihren Nachwuchs bewachende Weibchen zu, ist aber wesentlich weniger dramatisch einzuschätzen, als von den Medien dargestellt. Näheres dazu wird im Artikel zur Giftigkeit von Spinnentieren beschrieben.

Bilder

Weblinks

Nachweis- und Verbreitungskarten

Weitere Links

Quellen

  • Arachnologische Gesellschaft (2017): Atlas der Spinnentiere Europas.
  • Bellmann H. (2010): Der Kosmos Spinnenführer: Über 400 Arten Europas. Kosmos. 1. Auflage. ISBN 3-440-10114-2, 429 S.
  • Nentwig W., T. Blick, D. Gloor, A. Hänggi & C. Kropf (2012): Araneae, Spinnen Europas (Bestimmungsschlüssel). Universität Bern.
  • Niederösterreichisches Landesmuseum (2007): Dornfinger - Eine Spinne wird zum Medienstar. Niederösterreichisches Landesmuseum.
  • Rief A & Ballini S (2017): Erhebung der Spinnen und Weberknechte (Arachnida: Araneae, Opiliones) in den LTSER-Untersuchungsflächen in Matsch (Südtirol, Italien) im Rahmen der Forschungswoche 2016. Gredleriana Vol. 17, S. 173–183.
  • Roberts M. J. (1995): Collins Field Guide. Spiders of Britain & Northern Europe. HarperCollins Publishers Ltd.. ISBN 0-00-219981-5, 383 S.
  • World Spider Catalog Association [Koord.] (2016): World Spider Catalog. Natural History Museum Bern, online auf http://wsc.nmbe.ch , Version 17.5, abgerufen am 2016-12-26, doi:10.24436/2.

Quellen der Nachweise und Checklisten