Atypus affinis

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Atypus affinis Eichwald, 1830
Gewöhnliche Tapezierspinne
Affinis Goennatal 08-03 02.jpg
Weibchen
Systematik
Ordnung: Araneae (Webspinnen)
Familie: Atypidae (Tapezierspinnen)
Gattung: Atypus (Echte Tapezierspinnen)
Reifezeit (Nentwig et al. 2022)
Monat:123456789101112
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Verbreitung in Europa[Quellen]
    etabliert,    nicht etabliert,    nicht betrachtet
Weitere Informationen
LSID WSC: urn:lsid:nmbe.ch:spidersp:000078
Gefährdung nach Roter Liste
RegionBSLTKTRFRRL
[CZ] Tschechien LC
[CZ] Oberschlesien ?
[D] Deutschlandmh<(↓)-F; WV
[D] Berlins<<=V
[D] Brandenburg *
[D] Baden-Württemberg 3
[D] Bayern 3
[D] Bayern Av/A 2
[D] Bayern OG 2
[D] Bayern SL 3
[D] Bayern T/S 2
[D] Mecklenburg-Vorp.es=↓↓ F1
[D] Niedersachsen 3
[D] Niedersachsen (H) 2
[D] Niedersachsen (T) R
[D] Nordrhein-Westfalenmh==-*
[D] Schleswig-Holsteines==-F1
[D] Sachsen 3
[D] Sachsen-Anhalt 3
[PL] Bielitz-Biala ?
[PL] Kattowitz ?
[PL] Opole EN
[PL] Oberschlesien EN
[PL] Tschenstochau ?
[SE] Schweden EN
Synonyme und weitere Kombinationen
  • Atypus anachoreta

Atypus affinis ist die europäische Spinne des Jahres 2013 (Hörweg 2012).

Merkmale

Körperlänge: Weibchen erreichen 10 bis 15 mm (mit Chelizeren 18 mm), Männchen 7 bis 9 mm (Roberts 1996).

Die Körperfärbung der Jungtiere und Weibchen reicht von mittel- bis dunkelbraun (je älter desto dunkler), das Opisthosoma kann etwas ins rötliche gehen. Die Chelizeren sind dunkler als der Körper gefärbt. Die reifen Männchen sind meist tiefschwarz.

Die Art unterscheidet sich von den anderen Atypus-Arten durch eindeutig dreigliedrige Spinnwarzen und eine pigmentfreie Stelle apikal-außen an Patella I (Wiehle 1953) (siehe Foto).

Etymologie

Affinis stammt aus dem Latein (adfinis) und bedeutet angrenzend, benachbart, aber auch durch Heirat verwandt (Parker 1999).

Lebensraum

Lebensraum im lichten Kiefernbestand. Das Foto zeigt einen Fundort von Atypus affinis bei Beelitz (Brandenburg). (Google Maps).

Typischerweise in trockenen oder halbtrockenen Lebensräumen: Eichen- und Kiefernwälder, trockene Mischwälder, Strauchzone der Waldsteppen, Heide, Zwergsträucher, Kalkgrasland, Felssteppen, kalkhaltige Hänge, moosbedeckter Sandboden, mit Heidebüscheln bedeckte Kiesbänke, auch in Buchenwäldern, Gärten (Le Peru 2011).

Ökologischer Typ: Lebt in trockeneren Laub- und Nadelwäldern (Platen & von Broen 2005).

Verbreitung

In Großbritannien bis Ukraine und in Nordafrika verbreitet (World Spider Catalog 2017).

In Deutschland vor allem in den Mittelgebirgen und bis nach Norddeutschland (Arachnologische Gesellschaft 2020). Häufigste Atypus-Art Deutschlands (Wiehle 1953). Einzige in Schleswig-Holstein heimische Atypus-Art (Reinke et al. 1998).

Lebensweise

Atypus affinis gräbt ca. 30 cm tiefe, etwa daumendicke Löcher in den Boden und kleidet diese mit Spinnenseide aus. Ein bis zu 10 cm langes Ende bleibt oberirdisch liegen. Insekten, welche über diesen Fangschlauch laufen, werden durch den Schlauch hindurch von der Spinne mit den Chelizeren ergriffen und in die Bodenröhre gezogen. (Frick 2013)

Die Spinnseide ist antibakteriell und kann von Mikroorganismen nicht zersetzt werden. Die Fangschläuche verfaulen nicht; man findet sie noch Jahrzehnte an dem Ort, wo sie gewoben wurden. Diese antibakterielle Wirkung war schon unseren Vorfahren bekannt. Atypus-Schläuche wurden daher sehr bewusst ausgegraben und und als heilungsfördernde Wundauflagen verwendet. (Frick 2013)

Art wird nur selten vereinzelt gefunden. Sie lebt in der Regel in Kolonien. (Wiehle 1953)

Weibchen werden bis zu sieben Jahre alt, Männchen ein bis zwei (Frick 2013).

Parasitismus

Die Wegwespe Aporus unicolor Spinola, 1808 parasitiert ausschließlich Atypus affinis; nach Lähmung der Spinne wird deren Fangschlauch zur Kinderstube dieser Art umfunktioniert (Gerth et al. 2012). Atypus affinis kann somit über den Nachweise dieser Schlupfwespe indirekt nachgewiesen werden.

Bilder

Weblinks

Nachweis- und Verbreitungskarten

Weitere Links

Quellen

Quellen der Nachweise und Checklisten