Salticidae: Unterschied zwischen den Versionen

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Wie der Beutefang ist auch die Balz bei Springspinnen stark optisch geprägt. Chemische und mechanische Reize spielen eine untergeordnete Rolle.
Wie der Beutefang ist auch die Balz bei Springspinnen stark optisch geprägt. Chemische und mechanische Reize spielen eine untergeordnete Rolle.


Wenn ein Männchen eine Weibchen entdeckt, dann vollzieht es im Blickfeld des Weibchens einen artspezifischen Balztanz. Dabei werden die oft bunt gefärbten Vorderbeine und die Pedipalpen auf charakteristische Weise bewegt, während das Männchen Sprünge in einem bestimmten Muster vollführt. Sollte das Männchen den Tanz nicht korrekt ausführen (z. B. weil das Weibchen einer anderen Art angehört), dann wird es vom Weibchen entweder ignoriert oder sogar als Beute angesehen und angegriffen. Bei einem korrekten Balztanz bleibt das Weibchen aufmerksam und imitiert in manchen Fällen die Balz mit reduzierter Intensität.
Wenn ein Männchen ein Weibchen entdeckt, dann vollzieht es im Blickfeld des Weibchens einen artspezifischen Balztanz. Dabei werden die oft bunt gefärbten Vorderbeine und die Pedipalpen auf charakteristische Weise bewegt, während das Männchen Sprünge in einem bestimmten Muster vollführt. Sollte das Männchen den Tanz nicht korrekt ausführen (z. B. weil das Weibchen einer anderen Art angehört), dann wird es vom Weibchen entweder ignoriert oder sogar als Beute angesehen und angegriffen. Bei einem korrekten Balztanz bleibt das Weibchen aufmerksam und imitiert in manchen Fällen die Balz mit reduzierter Intensität.


Bei einer Begegnung mit anderen Männchen werden stattdessen Drohgesten ausgelöst. Dabei kommen bei einigen Arten auch die besonders großen Chelizeren zum Einsatz. Ein direkter Kampf bleibt jedoch meist aus. Das als unterlegen ausgemachte Männchen zieht sich zurück.
Bei einer Begegnung mit anderen Männchen werden stattdessen Drohgesten ausgelöst. Dabei kommen bei einigen Arten auch die besonders großen Chelizeren zum Einsatz. Ein direkter Kampf bleibt jedoch meist aus. Das als unterlegen ausgemachte Männchen zieht sich zurück.

Version vom 24. Januar 2009, 20:41 Uhr

Salticidae Blackwall, 1841
Springspinnen
V-insignitus Pottenstein 08-05 02.jpg
Aelurillus v-insignitus
Systematik
Ordnung: Araneae (Webspinnen)
Weitere Informationen
LSID WSC: urn:lsid:nmbe.ch:spiderfam:0101

Die Familie der Springspinnen (Salticidae) umfasst weltweit 5202 Arten in 563 Gattungen (World Spider Catalog 2020) (Stand Januar 2009) und ist damit die artenreichste Spinnenfamilie. In Mitteleuropa kommen 100 Arten vor. Fehler! Referenz name='check' kann nicht zugeordnet werden

Beschreibung

Körperbau

Alle Springspinnen sind entelegyne und ecribellate Spinnen.

Die mitteleuropäischen Springspinnen werden durchschnittlich 5 bis 8 mm groß (maximal 13 mm Sitticus longipes). Sie haben einen kompakten Körperbau mit meist kurzen und kräftigen Beinen. Diese werden in der Regel relativ dicht an den Körper angezogen gehalten, sodass sie etwa gleich lang wirken. Meist ist jedoch das dritte oder das vierte Beinpaar deutlich länger ausgebildet. Diese Beine erbringen die größte Sprungleistung. Manche Arten fallen durch ein stark verlängertes und verdicktes erstes Beinpaar auf, welches wohl beim Beutefang eine wesentliche Rolle spielt.

Die Chelizeren der meisten Arten sind klein und unauffällig, bei wenigen Arten jedoch überdimensional ausgebildet (z. B. bei den Salticus-Arten oder Myrmarachne formicaria).

Augen und Sehleistung

Die vorderen Mittelaugen sind stark vergrößert, liegen an der Stirnseite des Prosoma und sind nach vorne gerichtet. Die vorderen Seitenaugen sind etwas kleiner und nach vorne-außen gerichtet. Die hinteren Augen sind kleiner und liegen an den Seiten des Prosoma.

Springspinnen können besonders gut sehen. Die Netzhaut in den vorderen Mittelaugen kann mittels spezieller Muskeln vor, zurück und seitlich bewegt werden. So kann die Spinne die Sehschärfe auf verschiedene Entfernungen einstellen und die Blickrichtung ändern. Bei Entfernungen von bis zu 10 cm kann die Spinne Formen optisch unterscheiden. Die sich überschneidenden Gesichtsfelder der vorderen Seitenaugen ermöglichen räumliches Sehen. (Foelix 1996)

Färbung und Zeichnung

Springspinnen sind vielfältig gezeichnet und gefärbt. Männchen und Weibchen der gleichen Art sehen oft sehr unterschiedlich aus (Geschlechtsdimorphismus). Oft sind das erste Beinpaar, die Pedipalpen und die Stirn der Männchen auffällig gefärbt oder behaart. Diese dienen bei der Balz als Signal für die Weibchen oder andere Männchen.

Einige Springspinnenarten imitieren in Aussehen und Verhalten Ameisen. Ihr Körper ist dunkelbraun bis schwarz gefärbt und langgestreckt. Die Beine dieser Arten sind dünn und hell gefärbt. Das erste Beinpaar wird beim Laufen als Fühlerattrappe trellernd vor dem Körper hergetragen.

Lebensweise

Springspinnen sind tagaktive Spinnen. Nachts ziehen sie sich meist in kleine Spinnseidennester zurück. Diese werden auch zum Bau der Kokons und zur Überwinterung verwendet.

Beutefang

Springspinnen bauen zum Beutefang keine Netze. Sie streifen stattdessen in der Umgebung umher, bis sie eine potentielle Beute erkennen. Dann orientieren sie sich zur Beute und nähern sich langsam, bis sie auf Sprungweite herangekommen sind. Durch eine ruckartige Streckung des vierten Beinpaares vollziehen sie den langen Beutesprung. Dieser Sprung ist sowohl sehr präzise als auch besonders lang. Einige Arten können bis zum 25-fachen ihrer Körperlänge bei einem solchen Sprung überwinden. (Foelix 1996)

Vor dem Absprung befestigt die Spinne einen Sicherheitsfaden am Untergrund. Sollte sie die Beute verfehlen oder beim Ziel herunterfallen, so kann sie mit diesem Faden zum Ausgangspunkt zurückkehren.

Beim Beutefang zeigen die Springspinnen nicht nur eine erstaunliche Sinnesleistung, sondern auch eine relativ große Geistesleistung. Springspinnen können die Entfernung zu einer Beute nicht nur gut abschätzen. Sie erkennen auch, wenn die Entfernung zu groß ist, und sie können einen günstigeren Standpunkt erkennen und sich den Weg zu diesem einprägen. Diesen besseren Standpunkt können sie dann aus dem Gedächtnis verfolgen, währenddessen die Beute für die Spinne nicht sichtbar ist. Am Ziel angekommen können sie dann einen erfolgreichen Beutesprung durchführen.

Fortpflanzung

Wie der Beutefang ist auch die Balz bei Springspinnen stark optisch geprägt. Chemische und mechanische Reize spielen eine untergeordnete Rolle.

Wenn ein Männchen ein Weibchen entdeckt, dann vollzieht es im Blickfeld des Weibchens einen artspezifischen Balztanz. Dabei werden die oft bunt gefärbten Vorderbeine und die Pedipalpen auf charakteristische Weise bewegt, während das Männchen Sprünge in einem bestimmten Muster vollführt. Sollte das Männchen den Tanz nicht korrekt ausführen (z. B. weil das Weibchen einer anderen Art angehört), dann wird es vom Weibchen entweder ignoriert oder sogar als Beute angesehen und angegriffen. Bei einem korrekten Balztanz bleibt das Weibchen aufmerksam und imitiert in manchen Fällen die Balz mit reduzierter Intensität.

Bei einer Begegnung mit anderen Männchen werden stattdessen Drohgesten ausgelöst. Dabei kommen bei einigen Arten auch die besonders großen Chelizeren zum Einsatz. Ein direkter Kampf bleibt jedoch meist aus. Das als unterlegen ausgemachte Männchen zieht sich zurück.

Ist die Balz vor einem Weibchen erfolgreich, dann nähert sich das Männchen weiter, bis es das Weibchen mit den Vorderbeinen berührt. Nach einigen Berührungen steigt das Männchen auf den Rücken des Weibchens und beginnt mit der Kopulation. Bei einigen Arten trägt das Weibchen das Männchen längere Zeit auf dem Rücken umher, und das Männchen wiederholt die Kopulation mehrmals.

Zur Eiablage baut das Weibchen einen Schlupfwinkel aus Spinnseide. In diesen werden später ein oder mehrere Kokons mit Eiern abgelegt. Das Weibchen bewacht die Kokons längere Zeit. Eine weitergehende Brutpflege findet jedoch nicht statt.

Gattungen in Mitteleuropa

In Mitteleuropa kommen die folgenden Gattungen vor: (Blick 2004)

Quellen