Amaurobiidae: Unterschied zwischen den Versionen
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== Lebensweise == | Einige Arten der Familie sind cribellat (z. B. die Arten der Unterfamilie Amaurobinae), andere ecriballat (z. B. die Arten der Unterfamilie Coelotinae). Die cribellaten Arten besitzen ein schwach bis deutlich getrenntes Cribellum und ein Calamistrum. | ||
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Die Arten der Familie sind Netzspinnen. Viele Arten bauen ein unregelmäßiges Netz aus [[Unterordnung Cribellatae|cribellaten Fangfäden]], die vom Schlupfwinkel der Spinne aus in die Umgebung ziehen. Andere Arten bauen – ähnlich den [[Agelenidae]] – flache Deckennetze ohne chribellate Fangfäden (z. B. ''[[Coelotes]]''). Die Netze haben meist einen trichterförmigen Schlupfwinkel in dem sich die Spinne versteckt hält. | |||
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Die Weibchen der Gattung ''[[Amaurobius]]'' bewacht den Kokon bis zum Schlupf der Jungen. Auch danach bleibt sie auf dem Kokon sitzen und stirbt bald danach. Ihr von innen vorher durch Verdauungssekret zersetzter Körper dient den Jungspinnen als erste Nahrungsquelle.<ref name="Bellmann2010"/> | |||
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Die Arten der Familie bewohnen Spalten und Ritzen sowie Hohlräume unter Steinen und Totholz. Die Gattung ''[[Amaurobius]]'' wird vor allem in höher gelegenen vertikalen Strukturen wie Mauern, Felsen oder unter der Rinde von Baumstämmen gefunden, ''[[Callobius]]'' lebt weiter unten an Baumstämmen und unter Totholz und Steinen und die Gattungen ''[[Coelotes]]'' und ''[[Eurocoelotes]]'' besiedeln den Bodenbereich unter Steinen, Totholz und Moospolstern. | Die Arten der Familie bewohnen Spalten und Ritzen sowie Hohlräume unter Steinen und Totholz, meist in dunklen, feuchten Habitaten. Die Gattung ''[[Amaurobius]]'' wird vor allem in höher gelegenen vertikalen Strukturen wie Mauern, Felsen oder unter der Rinde von Baumstämmen gefunden, ''[[Callobius]]'' lebt weiter unten an Baumstämmen und unter Totholz und Steinen und die Gattungen ''[[Coelotes]]'' und ''[[Eurocoelotes]]'' besiedeln den Bodenbereich unter Steinen, Totholz und Moospolstern. | ||
Einige Arten der Gattung ''Amaurobius'' werden häufiger im urbanen Umfeld angetroffen. Das gilt vor allem für die häufigeren Arten ''[[Amaurobius fenestralis|A. fenestralis]]'', ''[[Amaurobius similis|A. similis]]'' und ''[[Amaurobius ferox|A. ferox]]''. | Einige Arten der Gattung ''Amaurobius'' werden häufiger im urbanen Umfeld angetroffen. Das gilt vor allem für die häufigeren Arten ''[[Amaurobius fenestralis|A. fenestralis]]'', ''[[Amaurobius similis|A. similis]]'' und ''[[Amaurobius ferox|A. ferox]]''. | ||
Version vom 20. November 2010, 11:03 Uhr
| Amaurobiidae Thorell, 1870 |
|---|
| Finsterspinnen |
| Amaurobius ferox, Weibchen |
| Systematik |
| Ordnung: Araneae (Webspinnen) |
| Weitere Informationen |
| LSID WSC: urn:lsid:nmbe.ch:spiderfam:0043 |
Die Familie der Fensterspinnen (Amaurobiidae) umfasst weltweit 793 Arten in 75 Gattungen (Stand Dezember 2009). (World Spider Catalog 2020) Davon sind in Mitteleuropa 22 Arten in 5 Gattungen vertreten. (Blick 2004)
Taxonomie
Typus-Gattung: Amaurobius (C. L. Koch, 1837) (Jocqué R & Dippenaar-Schoeman 2007)
Die Amaurobiidae zerfallen in fünf Unterfamilien: Altellopsinea, Arctobiinae, Amaurobiinae, Coelotinae und Macrobuninae. (Jocqué R & Dippenaar-Schoeman 2007)
Beschreibung
Amaurobiidae sind kleine bis große Spinnen (Körperlänge 3 bis 16 mm) mit gedrungenem Körperbau. Die Beine sind kurz bis mittellang, der Kopf breit und die Cheliceren groß und kräftig, meist deutlich vor den Stirnrand geschoben.
Die mitteleuropäischen Arten der Familie sind meist dunkel gefärbt und besitzen ein mehr oder weniger deutlich ausgeprägtes Muster auf dem Opisthosoma.
Einige Arten der Familie sind cribellat (z. B. die Arten der Unterfamilie Amaurobinae), andere ecriballat (z. B. die Arten der Unterfamilie Coelotinae). Die cribellaten Arten besitzen ein schwach bis deutlich getrenntes Cribellum und ein Calamistrum.
Lebensweise
Netzbau und Beute
Die Arten der Familie sind Netzspinnen. Viele Arten bauen ein unregelmäßiges Netz aus cribellaten Fangfäden, die vom Schlupfwinkel der Spinne aus in die Umgebung ziehen. Andere Arten bauen – ähnlich den Agelenidae – flache Deckennetze ohne chribellate Fangfäden (z. B. Coelotes). Die Netze haben meist einen trichterförmigen Schlupfwinkel in dem sich die Spinne versteckt hält.
Das Beutespektrum besteht – dem Netztyp und dem kräftigen Körperbau der Amaurobiidae entsprechend – vor allem aus größeren, wehrhaften Arthropoden wie Wanzen, Käfern und Asseln.
Fortpflanzung
Der Eikokon wird im Schlupfwinkel angelegt. Er ist rund bis leicht oval und etwas abgeflacht. Er kann mit einfacher weißer Seide umgeben, oder mit Erdpartikeln und anderem Umgebungsmatrial besetzt sein.
Die Weibchen der Gattung Amaurobius bewacht den Kokon bis zum Schlupf der Jungen. Auch danach bleibt sie auf dem Kokon sitzen und stirbt bald danach. Ihr von innen vorher durch Verdauungssekret zersetzter Körper dient den Jungspinnen als erste Nahrungsquelle. Fehler! Referenz name='Bellmann2010' kann nicht zugeordnet werden
Bei den Arten der Gattung Coelotes (bei allen Coelotinae?) verfüttern die Weibchen auch Beutestücken an die Jungtiere. Später machen die Jungitere mit der Mutter zusammen Beute. Ob die Mutter bei diesen Arten nach ihrem Tod auch von den Jungen gefressen wird ist unklar. (Bellmann 2010) Die Jungtiere zerstreuen sich hier erst sehr spät und sind dann schon um 4 mm groß.
Lebensraum
Die Arten der Familie bewohnen Spalten und Ritzen sowie Hohlräume unter Steinen und Totholz, meist in dunklen, feuchten Habitaten. Die Gattung Amaurobius wird vor allem in höher gelegenen vertikalen Strukturen wie Mauern, Felsen oder unter der Rinde von Baumstämmen gefunden, Callobius lebt weiter unten an Baumstämmen und unter Totholz und Steinen und die Gattungen Coelotes und Eurocoelotes besiedeln den Bodenbereich unter Steinen, Totholz und Moospolstern.
Einige Arten der Gattung Amaurobius werden häufiger im urbanen Umfeld angetroffen. Das gilt vor allem für die häufigeren Arten A. fenestralis, A. similis und A. ferox.
Verbreitung
In Europa und im Maghreb kommen nach Datenlage dieses Wikis 5 Gattungen der Familie Amaurobiidae vor.[A]
| Name | NO | SE | FI | IE | GB | GB-NIR | DK | DE | NL | BE | LU | PL | LT | LV | EE | CH | AT | LI | CZ | SK | HU |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Amaurobius | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × |
| Arctobius | × | × | × | ||||||||||||||||||
| Callobius | × | × | × | × | × | × | × | × | × |
| Name | PT | ES | ES-IB | AD | FR | FRH | IT | IT82 | IT88 | RO | BG | BA | SI | HR | ME | MK | RS | KV | AL | GR | GR-M |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Amaurobius | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × |
| Callobius | × | × | × | × | × | × | × | × | × | – | |||||||||||
| Cybaeopsis | × | × |
| Name | UA | BY | MD | RU-KGD | RU-RUW | RU-RUC | RU-RUE | RU-RUN | RU-RUS | TR-EUR | TR-ASI | CY | AM | AZ | GE | MA | DZ | TN | LY | EG | MT |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Amaurobius | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | × | ||||||||
| Arctobius | × | ||||||||||||||||||||
| Callobius | × | × | × | × | × | ||||||||||||||||
| Ovtchinnikovia | × |
Legende/Legend
| ? | Checkliste nicht verfügbar | No checklist available |
|---|---|---|
| × | Gattungsvorkommen bekannt | Genus documented |
| (×) | Gattungsvorkommen bekannt, keine Art etabliert | Genus documented, no species established |
| – | Gattungsvorkommen bekannt, alle Arten gestrichen | Genus documented, all species removed from list |
| Checkliste enthält Gattung nicht | Checklist consulted, but genus not found | |
| Hinweise zur Nutzung der Tabellen: Die Spalten können durch Anklicken des Landeskürzels markiert werden. Durch einen zweiten Klick wird diese Markierung wieder gelöscht. |
||
Quellen
- Bellmann H (2010): Der Kosmos Spinnenführer: Über 400 Arten Europas. Kosmos. 1. Auflage. ISBN 3-440-10114-2, 429 S.
- Blick T [Koord.] (2004): Checkliste der Spinnen Mitteleuropas. Checklist of the spiders of Central Europe. (Arachnida: Araneae). Arachnologische Gesellschaft e. V.
- Jocqué R & Dippenaar-Schoeman A (2007): Spider Families of the World. Royal Museum of Central Africa. ISBN 978-90-74752-11-4, 336 S.
- World Spider Catalog (2020): World Spider Catalog. Natural History Museum Bern, online auf http://wsc.nmbe.ch, doi:10.24436/2.
Quellen der Nachweise
- Nentwig W, Blick T, Bosmans R, Gloor D, Hänggi A & Kropf C (2020): Spinnen Europas. Online https://www.araneae.nmbe.ch (automatisch synchronisiert), doi:10.24436/1.