EUNIS-Klassifikation

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Einleitung

Im Atlas der Spinnentiere der Arachnologischen Gesellschaft werden Biotope nach der EUNIS-Klassifikation typisiert. Die Qualität der darauf basierend gesammelten Daten steht und fällt mit der Präzision der Klassifikation nach EUNIS. Um dafür Hilfestellung zu bieten, sollen in unserem Wiki hier häufige Lebensraumtypen dargestellt werden.

Geschützte Biotope

In Deutschland ist eine Reihe von Biotopen gesetztlich geschützt. Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) [Link: DeJure] bestimmt, dass Handlungen, die zu einer Zerstörung oder einer sonstigen erheblichen Beeinträchtigung der darin gelisteten Biotopen, verboten ist. Das BNatSchG wird immer auch durch die Landesnaturschutzgesetze (also der Gesetze der der Bundesländer) ergänzt; jedes deutsche Bundesland hat daher ein eigenes Gesetz. Je nachdem, in welchem Bundesland man sich bewegt, sollte man sich daher informieren. Eine Liste gibt es bei Wikipedia:Landesnaturschutzgesetz. Die Ländern können noch weitere Biotope unter Schutzstelen, welche im BNatSchG nicht aufgeführt werden.

Liste der nach § 30 (2) BNatSchG geschützten Biotope:

  1. natürliche oder naturnahe Bereiche fließender und stehender Binnengewässer einschließlich ihrer Ufer und der dazugehörigen uferbegleitenden natürlichen oder naturnahen Vegetation sowie ihrer natürlichen oder naturnahen Verlandungsbereiche, Altarme und regelmäßig überschwemmten Bereiche
  2. Moore, Sümpfe, Röhrichte, Großseggenrieder, seggen- und binsenreiche Nasswiesen, Quellbereiche, Binnenlandsalzstellen,
  3. offene Binnendünen, offene natürliche Block-, Schutt- und Geröllhalden, Lehm- und Lösswände, Zwergstrauch-, Ginster- und Wacholderheiden, Borstgrasrasen, Trockenrasen, Schwermetallrasen, Wälder und Gebüsche trockenwarmer Standorte,
  4. Bruch-, Sumpf- und Auenwälder, Schlucht-, Blockhalden- und Hangschuttwälder, subalpine Lärchen- und Lärchen-Arvenwälder,
  5. offene Felsbildungen, Höhlen sowie naturnahe Stollen, alpine Rasen sowie Schneetälchen und Krummholzgebüsche,
  6. Fels- und Steilküsten, Küstendünen und Strandwälle, Strandseen, Boddengewässer mit Verlandungsbereichen, Salzwiesen und Wattflächen im Küstenbereich, Seegraswiesen und sonstige marine Makrophytenbestände, Riffe, sublitorale Sandbänke, Schlickgründe mit bohrender Bodenmegafauna sowie artenreiche Kies-, Grobsand- und Schillgründe im Meeres- und Küstenbereich.

Typisierte Lebensräume (Biotoptypen)

A: Marine Lebensräume

Die maritimen Lebensräume sind direkt mit den Ozeanen verbunden, d.h. Teil des durchgehenden Wasserkörpers, der den größeren Teil der Erdoberfläche bedeckt und dessen Landmassen umgibt. Meeresgewässer können vollständig salzhaltig, brackig oder fast frisch sein.

Für Spinnentiere interessant sind hier Lebensräume, welche zeitweilig überschwemmt werden können: Die maritimen Lebensräume umfassen die unterhalb der Hochwassergrenze (oder unterhalb des mittleren Wasserspiegels in Nicht-Gezeitenwässern) und eingeschlossene Küsten-Kochsalzlösung oder Brackwasser, ohne permanente Oberflächenverbindung zum Meer.

A2: Sedimente der Uferregion (Littoral sediment)

Unteres Salzgrünland der Nordsee. In Deutschland geschütztes Biotop nach FFH 1330 und § 30 BNatSchG DE 6.07.

Natürliche und anthropogen beeinflusste Wiesen, Weiden und Brachen auf regelmäßig von Salzwasser überfluteten Salz- und Schlickböden an der Nordeseeküste. Oberhalb des mittleren Tidehochwassers. Vorwiegend aus ausdauernden Gräsern und Kräutern aufgebaut. (Finck et al. 2017)

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B: Küstenlebensräume

Küstenlebensräume sind durch ihre Nähe zum Meer gekennzeichnet. Einschließlich Küstendünen und bewaldeten Küstendünen, Strände und Klippen, sowie Spülsaum-Lebensräumen neben marinen Lebensräumen, die in der Regel nur von Spritzwasser betroffen sind, Strandverläufe, die durch terrestrische Wirbellose und feuchte und nasse Küstendünen und Dünengewässer gekennzeichnet sind. Ebenso Lebensräume neben dem Meer, die nicht durch Salzsprühnebel, Wellen- oder Meereseis-Erosion gekennzeichnet sind.

B1: Küstendünen und Sandstrände

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B2: Kies- und Geröllstrände

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B3: Felsküsten und -strände

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C: Binnengewässer

Binnengewässer sind nicht-küstennahe, oberirdische, offene, frische oder brackige Gewässer (z. B. Flüsse, Bäche, Seen und Schwimmbäder, Quellen), einschließlich ihrer Uferbereiche. Ebenso Binnenwasser-, Brack- oder Kochsalzwasserkörper (wie Kanäle, Teiche usw.), die eine halb-natürliche Gemeinschaft von Pflanzen und Tieren unterstützen; Saisonale Gewässer, die für einen Teil des Jahres austrocknen können (temporäre oder intermittierende Flüsse und Seen und ihre Uferbereiche). Zu Süßgewässern gehören die Teile von Bänken oder Ufern, die ausreichend häufig überschwemmt werden, um die Bildung von geschlossener terrestrischer Vegetation zu verhindern. Dauerhaft mit Schnee oder Eis bedeckte Flächen gehören nicht dazu.

C1: Stehende Gewässer

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C1.1 Oligotrophe Stillgewässer

Gewässer mit einem geringen Nährstoffgehalt (Stickstoff und Phosphor), meist sauer (pH 4-6). Umfasst oligotrophe Gewässer mit mittlerem oder hohem pH-Wert, z.B. kalkhaltige und basische, unverschmutzte, nährstoffarme Seen und Teiche, die in weiten Teilen Europas selten sind und als Lebensraum von Charophyten bekannt sind (C1.14). Ausgeschlossen sind torfhaltige, dystrophische Gewässer (C1.4). Wegen des niedrigen Nährstoffstatus sind die Beete von Gefäßpflanzen, oft spärlich und offen.

C1.2 Mesotrophe Stillgewässer

Seen und Teiche mit Gewässern, die relativ reich an Nährstoffen (Stickstoff und Phosphor) und gelösten Basen (pH-Wert oft 6-7). Viele unverschmutzte Flachlandseen und Teiche sind von Natur aus mesotroph und unterstützen dichte Betten von Makrophyten, die in verschmutzten Gewässern nicht vorhanden sind.

C1.3 Eutrophe Stillgewässer

Seen und Teiche mit meist schmutzig-grauen bis blaugrünen, mehr oder weniger trüben Gewässern, besonders reich an Nährstoffen (Stickstoff und Phosphor) und gelösten Basen (pH-Wert meist > 7). Mäßig eutrophierte Gewässer können dichte Makrophytenbetten unterstützen, die jedoch verschwinden, wenn die Verschmutzung die Nährstoffkonzentrationen weiter ansteigen lässt.

C1.4 Dystrophe Stillgewässer

Seen und Teiche mit saurem Wasser mit hohem Humusgehalt und oft braun gefärbt (pH-Wert oft 3-5).

C1.5 Ständige Binnensalz- und Brackwasserseen, Teiche und Tümpel

Brackige, salzhaltige oder hypersalzhaltige Seen, Teiche oder Tümpel des Binnenlandes.

C1.6 Zeitweilig trockenfallende Seen, Teiche und Tümpel

Süßwasserseen, Teiche, Tümpel oder Teile solcher Süßwasserkörper, die periodisch austrocknen, mit den zugehörigen pelagischen und benthischen Tier- und Algengemeinschaften.

Lebensräume der Trockenphase sind unter C3.5, C3.6 und 3.7 aufgeführt.

C2: Oberirdische Fließgewässer

C3: Verlandungszonen von Binnengewässern

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D: Sümpfe und Moore

D1 Hochmoore

Hochmoore zeichnen sich durch ihre klare räumliche Abgrenzbarkeit und ihre extremen abiotischen Bedingungen aus und sind daher Lebensraum für viele spezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Sie gelten als eine der faunistisch am besten charakterisierten Biozönosen. Die faunistische Arbeit wird allerdings dadurch erschwert, dass Moore neben den stenöken Arten auch viele Ubiquisten in hoher Individuenzahl beherbergen. Diese Unterliegen an extremen Standorten wenig Konkurrenzdruck und werden deshalb in ihrem Vorkommen Gefördert (Arndt et al. 2007)

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D2 Nährstoffarme Nieder- und Übergangsmoore

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D3 Aapa, Palsa und Polygonmoore

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D4 Basische Moore und Kalkquellenmoore

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D5 Seggenriede und Röhrichte

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D6 Salzstellen des Binnenlandes

E: Grünland

E1: Trocken- und Halbtrockenrasen

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E2: Mesophiles Günland

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Mesophil bedeutet gemäßigte (nicht extreme) Klimabereiche in Temperatur und Luftfeuchte.

E3: Feucht- und Nassgrünland

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E4: Alpines und subalpines Grünland

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E5: Saum- und Staudenfluren

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E6: Salzsteppen

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E7: Spärlich bewaldetes Grünland, Parks

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F: Heiden und Gebüschformationen

F1: Tundra

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F2: Arktisches, alpines und subalpines Gebüsch

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F3: Gemäßigtes und mediterran-montanes Gebüsch

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F4: Gemäßigte Strauchheiden

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F5: Macchie, baumbestandenes Mattoral und thermo-terranes Buschland

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F6: Garrigue

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F7: Dornige mediterrane Heiden

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F8: Thermo-atlantisches Trockengebüsch

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F9: Gebüsche an Flussufern und Mooren

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FA: Hecken und Knicks

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FB: Strauchplantagen

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G: Wälder

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G1: Sommergrüner Laubwald

G2: Immergrüner Laubwald

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G3: Nadelwald

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G4: Mischwald

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G5: Kleine, gepflanzte Baumbestände

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H: Vegetationsarme/-freie Lebensräume

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Binnenlebensräume mit weniger als 30% Pflanzenbedeckung (außerhalb von Gesteinsspalten), die trocken oder nur zeitweise feucht sind. Unterirdische nicht-marine Höhlen, einschließlich unterirdischer Gewässer und aufgelassene Minen. Lebensräume, die durch permanent anwesenden Schnee oder Oberflächeneis geprägt sind, ausgenommen Meereis.

H1: Subterrane Lebensräume

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Natürliche Höhlen, Höhlensysteme, unterirdische Gewässer und unterirdische Zwischenräume. Höhlen und die mit ihnen verbundenen Gewässer beherbergen vielfältige, aber wenig spezifische Gemeinschaften von Tieren, Pilzen und Algen, die auf sie beschränkt sind (troglobiontische Organismen), oder die physiologisch und ökologisch in der Lage sind, ihren gesamten Lebenszyklus in ihnen abzuwickeln (troglophile Organismen), oder die während eines Teils ihres Lebenszyklus von ihnen abhängig sind (subtroglophile Organismen). Unterirdische Gewässer, die nicht mit Höhlen (Stygon) und Zwischenräumen assoziiert sind, beherbergen ausgeprägte Faunen.

H2: Block- und Schutthalden

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Anhäufungen von Felsbrocken, Steinen, Gesteinsbruchstücken, Kieselsteinen, Kieseln oder feinerem Material, die aus nicht-äolischen Ablagerungen stammen, nicht vegetativ sind, von Flechten oder Moosen besetzt oder von spärlichen Kräutern oder Sträuchern besiedelt sind. Eingeschlossen sind Geröll und Geröllhalden, die durch Hangprozesse entstanden sind, Moränen und Drumlins, die durch glaziale Ablagerung entstanden sind, Sander, Esker und Kame, die durch fluvioglaziale Ablagerung entstanden sind, Blockhänge, Blockbäche und Blockfelder, die durch periglaziale Ablagerungsprozesse durch Massenbewegung nach unten entstanden sind, sowie antike Strandablagerungen, die durch frühere Küstenbauprozesse entstanden sind. Ablagerungen, die durch äolische Ablagerungsprozesse (Dünen) oder durch eruptive vulkanische Aktivität entstanden sind, sind nicht eingeschlossen; sie sind in H5 bzw. H6 enthalten.

Hochgebirgige, boreale und mediterrane instabile Geröllhalden werden von hochspezialisierten Pflanzengemeinschaften besiedelt. Sie oder die Arten, aus denen sie bestehen, können auch Moränen und andere Ablagerungsschuttansammlungen in denselben Gebieten bewohnen. In anderen Tieflandgebieten bilden sich nur sehr wenige Gemeinschaften.

H3: Felsen oder Felswände, einschließlich Findlinge

H4: Schneefelder und Gletscher

H5: Kleinräumige vegetationsarme Binnenlebensräume

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H6: Habitate rezent vulkanischen Ursprungs

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I: Kulturland

I1: Acker- und Gartenbauland

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Anbauflächen, die für jährlich oder regelmäßig geerntete Feldfrüchte gepflanzt werden, außer solchen, die Bäume oder Sträucher tragen. Dazu gehören Felder mit Getreide, Sonnenblumen und anderen Ölsaatenpflanzen, Rüben, Hülsenfrüchten, Futterpflanzen, Kartoffeln und anderen Kräutern. Anbauflächen umfassen sowohl intensiv bewirtschaftete Felder als auch traditionell und extensiv bewirtschaftete Kulturen mit wenig oder keinem Einsatz von chemischer Düngung oder Pestiziden.

Die Qualität und Vielfalt von Fauna und Flora hängt von der Intensität der landwirtschaftlichen Nutzung und vom Vorhandensein von Grenzen der natürlichen Vegetation zwischen den Feldern ab.

I2: Kultivierte Teile von Parks und Gärten

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J: Bauwerke, Verkehrsanlagen und andere artifizielle Lebensräume

J1: Gebäude in Städten und Dörfern

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J2: Locker bebaute Siedlungsbereiche

J3: Tagebau, Minen, Steinbrüche

J4: Verkehrsanlagen und andere versiegelte Flächen

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J5: Hochgradig künstliche Gewässer

J6: Deponien

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Quellen

  • Arndt W, Gaedicke L, Hollens H, Kloster N, Krech P, Wertebach TM & Wünsch Y (2007): Ökologie von Webspinnengemeinschaften in Moorgebieten. Studienprojekt, AG Biozönologie – WWU Münster SoSe 2007–WiSe 2007/08, S. 1–65.
  • Finck P, Heinze S, Raths U, Riekcen U & Ssymank A (2017): Rote Liste der gefährdeten Biotoptypen Deutschlands, dritte fortgeschriebene Fassung 2017. BfN: Naturschutz und Biologische Vielfalt Heft 156, S. 1–637.