Micaria: Unterschied zwischen den Versionen

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(Abschnitt zur Ameisennnachahmung ergänzt)
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Version vom 17. Januar 2010, 11:38 Uhr

Micaria Westring, 1851
Schillerspinnen
Micaria fulgens Leutratal 04-2007 01.jpg
Micaria fulgens (Walckenaer, 1802)
Systematik
Ordnung: Araneae (Webspinnen)
Familie: Gnaphosidae (Plattbauchspinnen)
Weitere Informationen
LSID WSC: urn:lsid:nmbe.ch:spidergen:02448

Typusart: Micaria fulgens (Walckenaer, 1802)

Es sind aktuell (2008) weltweit 91 Micaria-Arten bekannt.

Taxonomie

Bosmans & Blick stellten 2000 (Bosmans et al. 2000) die neue Gattung Arboricaria auf, deren Arten an Baumrinde leben, und verschoben neben der Typusart Micaria cyrnea vier weitere Micaria-Arten in diese Gattung. Die Änderung wurde allerdings nicht in den World Spider Catalog übernommen (World Spider Catalog 2020).

Aussehen und Körperbau

Micaria-Arten sind in der Regel 2 bis 5 mm lang. Die größten mitteleuropäischen Arten messen im weiblichen Geschlecht bis 8 mm.

Die Arten der Gattung Micaria imitieren in ihrem Äußeren und Bewegungsverhalten Ameisen. Sie sind dunkelbraun bis schwarz und haben einen schlanken Körperbau. Der Körper und teilweise auch die Beine sind mit farbig schillernden Schuppenhaaren besetzt.

Die Beine sind im Vergleich zu anderen Gnaphosiden lang und dünn. Sie sind im Gegensatz zum übrigen Körper oft hell gefärbt. Bei manchen Arten sind sie dunkler und besitzen weiße Längsstreifen.

Lebensraum

In trockenen, offenen Lebensräumen wie Felshängen und Trockenrasen, auf Steinen. Vor allem an von Ameisen besiedelten Orten.

Lebensweise

Micaria-Arten sind tagaktiv. Bei sonnigem Wetter laufen sie flink über Steine und den Boden. Dabei halten sie alle paar Zentimeter inne und heben kurz das Opisthosoma, wie es auch bei anderen ameisennachahmenden Spinnengattungen (z. B. Phrurolithus) zu beobachten ist.

Grund für ameisenähnliche Gestalt und Bewegungsverhalten

Für das ameisenähnliche Aussehen der Micaria-Arten (wie auch anderer ameisenähnlicher Spinnen) kann es mehrere Gründe geben.

  • Tarnung als Ameise (schützende Nachahmung): Ameisen werden von den meisten Prädatoren (Wirbeltiere und Nichtwirbeltiere) nicht als lohnende Beute angesehen, weil sich schlecht genießbar und wenig nahrhaft sind.
  • Tarnung vor den Ameisen selbst (täuschende Nachahmung): Einige Ameisenarten sehen relativ gut und können schon aus einigen Zentimetern Entfernung Artgenossen von Beutetieren anhand der groben Gestalt und des Bewegungsverhaltens unterscheiden. Fehler! Referenz name='Dietrich&Busch' kann nicht zugeordnet werden

Von einigen Micaria-Arten ist bekannt, dass sie sich zwar in der Nähe von Ameisen aufhalten, sich aber von kleinen Insekten ernähren. Andere Arten (z.&thinspB. Micaria sociabilis) geben aufgrund ihrer starken Bindung an eine bestimmte Ameisenart und ihre Lebensumstände Grund zur Annahme, dass sie sich von den Arbeiterinnen ihrer „Modellart“ ernähren, während andere Arten (z.&thinspB. Micaria pullicaria in der Nähe und sogar in den Nestern verschiedenster Ameisenarten gefunden wird, diese aber nicht zu fressen scheint. Fehler! Referenz name='Dietrich&Busch' kann nicht zugeordnet werden

Nach heutigem Wissensstand ist davon auszugehen, dass pauschale Annahmen über die Lebensweise der Micaria-Atten unzulässig sind und sich vielmehr innerhalb der Gattung verschiedene Konzepte Entwickelt haben, von einfacher, schützender über Mischformen bis hin zu täuschender Nachahmung, von geringer zu hoher Spezialisierung auf eine Wirtsart. (Christian O. Dietrich & Thilo Busch 2004)

Arten und Verbreitung

In Mitteleuropa wurden 15 Arten nachgewiesen: (Blick 2004)

Name DE NL BE CH AT CZ SK PL
Micaria aenea ×     × × ×    
Micaria albovittata     × × × × ×  
Micaria alpina       × ×      
Micaria coarctata       ×        
Micaria dives × × ×   × × ×  
Micaria formicaria × × × × × × × ×
Micaria fulgens × × × × × × × ×
Micaria guttulata ×   × × × × ×  
Micaria lenzi × ×       ×    
Micaria nivosa ×     × × × × ×
Micaria pulicaria × × × × × × × ×
Micaria rossica       × ×   ×  
Micaria silesiaca × × × × × × × ×
Micaria sociabilis           × ×  
Micaria subopaca × × × × × × × ×

Quellen

  • Blick T [Koord.] (2004): Checkliste der Spinnen Mitteleuropas. Checklist of the spiders of Central Europe. (Arachnida: Araneae). Arachnologische Gesellschaft e. V.
  • Bosmans, R. & T. Blick. (2000): Contribution to the knowledge of the genus Micaria in the West-palearctic region, with description of the new genus Arboricaria and three new species (Araneae Gnaphosidae). Mem. Soc. entomol. ital. 78, S. 443–476.
  • Christian O. Dietrich, Thilo Busch (2004): Arboricaria sociabilis (KULCZYNSKI, 1897) (Araneae: Gnaphosidae) neu für Österreich: Ein spezialisierter, myrmekoider Räuber von Liometopum microcephalum (PANZER, 1798) (Hymenoptera: Formicidae)?. Wissenschaftliche Mitteilungen des Niederösterreichischen Landesmuseums 16, S. 33–46.
  • World Spider Catalog (2020): World Spider Catalog. Natural History Museum Bern, online auf http://wsc.nmbe.ch, doi:10.24436/2.