Präparation

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Um an einem Tier besondere Details erkennbar zu machen, ist es für die Bestimmung gelegentlich notwendig, Körperteile zu präparieren. Bei Spinnen ist dies meist bei der Epigyne und der Vulva der Fall. Darum sollen hier exemplarisch Verfahren der Epigynenpräparation an Webspinnen vorgestellt werden.

Jeder Mensch hat spezifische Arbeitsvorlieben. Es gibt darum nicht nur ein einziges richtiges Verfahren. Es gilt für jeden herauszufinden, welche Verfahrensweise einem am besten liegt. Unsere Übersicht soll dabei helfen.

Epigynen-Präparation an Webspinnen

Mechanisches Entfernen der Epigyne

E frontalis IMG 3193.JPG Das Entfernen der Epigyne sollte so geschehen, dass der Körper des Tieres dabei nicht zerstört wird. Darum soll nur die Epigynenplatte entfernt werden. Dies ist um so schwieriger, je kleiner das Tier ist. Linyphiidae sind oft weniger als 2 mm lang. Hier hilft die Herstellung von Hilfswerkzeugen. Das Foto zeigt das Weibchen von Euophrys frontalis (Salticidae), welches 3–4 mm groß ist.

Verfahren der Mazeration von Gewebeteilen

Wenn die Epigynenplatte entnommen ist, haften ihr körperinnerseits noch Gewebeteile an. Diese müssen entfernt werden, damit nur noch die harten, sklerotisierten Strukturen erkennbar sind. Mechanische Entfernung ist dafür zu riskant und auch nicht gründlich genug. Es besteht große Wahrscheinlichkeit, dass Teile des Präparates beschädigt oder verändert werden.

Darum gibt es nun verschiedene chemisch-physikalische Verfahren, diese Gewebereste zu mazerieren (Link Wikipedia); das heißt, die Gewebeteile zu verflüssigen und damit zu entfernen.

Epigynenplatte von Euophrys frontalis (Ansicht von ventral) nach der Mazeration unter Hitzezufuhr (Mikrowelle) in Milchsäure.

Man erkennt, dass die Haut nun annähernd durchsichtig ist, da rückseitig (also körperinnerseits) keine Gewebereste mehr vorhanden sind. Die Ansicht dieses Präparates von dorsal (also von der Körperinnenseite her gesehen) zeigt die körperinneren weiblichen Genitalstrukturen. Diese bezeichnet man als die Vulva. Die Ansicht der Vulva ist bei der Unterscheidung von Arten mit sehr ähnlichen Genitalien oft sehr hilfreich und für die Bestimmung entscheidend.}}

Die wichtigsten Mazerationsverfahren sollen hier nun vorgestellt werden.

Nelkenöl

Nachteile: Zwar wohlriechend, aber dennoch schon in sehr geringen Dosen sehr geruchsintensiv, wo immer das Nelkenöl anhaftet. Und relativ teuer; 10 ml kosten 3–4 €.

Bezugsquellen: Apotheke, Versandhandel, Biologiebedarf.

Milchsäure

Technisch-chemische Eigenschaften siehe Wikipedia.

Präparate können mit Milchsäure (C3H6O3 — E 270), typische Konzentration 80 %, durch Wärmezufuhr binnen weniger Minuten fertiggestellt werden.

Anwendung: Man kann das zu präparierende Objekt in einem Teelöffel oder kleinem Gefäß über einer Flamme erhitzen oder — beispielsweise in einer gläsernen (!) Petrischale — in der Mikrowelle.

Das gewünschte Resultat ist so binnen weniger Minuten Gesamtaufwand verfügbar. Der reine Erhitzungsvorgang dauert in der Mikrowelle einige Sekunden, über einer Flamme so lange bis die Milchsäure zu sieden beginnt.

Mengenmäßig ist bei kleinen Epigynen kaum mehr als ein Tropfen Milchsäure notwendig.

Alternative Anwendung: Milchsäure kann auch ohne Hitzezufuhr verwendet werden. Dann dauert die Mazeration länger.

Bezugsquellen: Apotheke, Versandhandel, Biologiebedarf.

HPVA-Präparat

Sonstige Verfahren

Risiken bei der Mazeration

Grundsätzlich besteht die Gefahr, dass Strukturen verändert, zerstört oder ganz entfernt werden. Langsam mazerierenden Methoden bieten hier potentiell mehr Sicherheit (vorausgesetzt, die Mazeration wird überwacht) als schnell mazerierende Methoden.

Eine nicht zu unterschätzende organisatorische Gefahr besteht in der Verwechslung unterschiedlicher Präparate. Eine schlüssige Etikettierung ist darum auch beim Einlegen in die Mazerationschemikalie und nach der Entnahme daraus unabdingbar.