Dysderidae: Unterschied zwischen den Versionen

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==Biologie==
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Die Familie hat 6 Augen, die in einem engen Kreis oder Sechseck angeordnet sind. Der Körperbau ist schmal-zylindrisch, die Beine sind kräftig. Das Prosoma ist gelbrot bis dunkelbraun und das Opisthosoma meistens grau gefärbt. Die Tiere weisen keine deutliche Zeichnung auf.<ref>{{Lit bellmann2006}}</ref>
 
  
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==Ähnliche Gattungen==
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Die Gattung ''[[Dysderocrates]]'' vereint Merkmale der Gattungen ''[[Dysdera]]'' und ''[[Harpactea]]''.
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* Die Chelizeren sind &ndash; wie bei ''Harpactea'' &ndash; relativ steil nach unten gerichtet.
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* Die Femora des 1. Beinpaars bilden wie bei ''Harpactea'' distal deutliche prolaterale Ausbeulungen, auf denen Stacheln stehen.
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* Die Tarsen der Vorderbeine sind deutlich nach vorne abgewinkelt. Sie stehen mit der vollen Länge auf dem Boden wie bei ''Dysdera'', nicht nur mit der Spitze, wie bei ''Harpactea''.
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Datei:Dysderocrates-Vergleich2.jpg
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==Ähnliche Familien==
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==Taxonomie==
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Die Familie hat ihren Diversitätsschwerpunkt in mediterranen Gebieten Europas und tritt dort in hoher Artenzahl auf. Durch die innenliegenden weiblichen Geschlechtsorgane sind Weibchen in diesen Gebieten in der Regel nur durch eine Vulvenpräparation zu identifizieren. Mitunter fällt selbst die Identifikation der richtigen Gattung nicht leicht, da Abgrenzungen zwischen einzelnen Gattungen nicht völlig klar sind und in manchen Fällen auf variablen Merkmalen basieren (z.B. zwischen ''[[Minotauria]]'' und ''[[Harpactea]]'') <ref name="Le Peru"/>.
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==Lebensweise==
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Die Mitglieder der Familie sind nachtaktive Jäger, die frei und ohne Netz ihre Beute jagen. Man findet sie unter Steinen und liegendem Holz, aber auch unter Rinde von Baumstämmen. In ihrem Versteck weben sie einen seidenen Gespinstsack, in welchem sie sich tagsüber verbergen und worin die Weibchen auch ihre Eier ablegen. <ref name="Le Peru"/> 
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In der Gattung ''[[Dysdera]]'' liegt bei verschiedenen Arten eine unterschiedlich starke Spezialisierung auf Asseln als bevorzugte Beutetiere vor. Von wenigstens einer Art ist bekannt, dass sie Asseln nicht als Beute bevorzugt, während andere sich bevorzugt oder ausschließlich von Asseln ernähren. Diese unterschiedlichen Spezialisierungsgrade zeigen sich auch in verschiedenen morphologischen Veränderungen der Chelizeren oder unterschiedlichen Jagdmethoden <ref name="Rezac">{{Lit Rezac et al Dysdera woodlouse 2008}}</ref>.
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==Quellen==
 
==Quellen==
 
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Aktuelle Version vom 19. Juni 2018, 11:25 Uhr

Dysderidae C. L. Koch, 1837
Sechsaugenspinnen
Dysdera crocata female A6093 PK6724.JPG
Dysdera crocata (C. L. Koch, 1838)
Systematik
Ordnung: Araneae (Webspinnen)
Weitere Informationen
LSID WSC: urn:lsid:nmbe.ch:spiderfam:0071

Typusgattung: Dysdera Latreille, 1804

Die Familie beinhaltet in Europa mehr als 270 Arten (Le Peru 2011).

Merkmale

Kleine bis mittelgroße Spinnen. Körper walzenförmig und Beine relativ kräftig (Heimer & Nentwig 1991).

Spezielle Merkmale

Araneomorph, ecribellat (Jocqué & Dippenaar-Schoeman 2007). Prosoma mit 6 Augen, welche entweder kreisförmig oder U-förmig angeordnet sind. Die Augen können bei in Höhlen lebenden Arten reduziert oder vollständig zurückgebildet sein. Labium wesentlich länger als breit. Die Fovea ist reduziert. Das Sternum besitzt Erweiterungen (Intercoxalsklerite) in die Räume zwischen den Coxae und erreicht dadurch beinahe den Carapax. Palpus des Weibchens mit Klaue. Opisthosoma ventral mit zwei Buchlungen und zwei Tracheenspiralen hinter der Epigastralfurche. Beine sowohl mit drei oder zwei Klauen. Dritte Klaue (z.B. bei der Gattung Dysdera) dann reduziert, an ihrer Stelle Büschel aus Hafthaaren („claw tufts” ) vorhanden. (Le Peru 2011)

Sklerotisierte Teile der Geschlechtsorgane des Weibchen vollständig innenliegend, Pedipalpus einfach gebaut (haplogyn). Daher nutzen manche Autoren für die weiblichen Geschlechtsorgane neben dem Begriff „Vulva” den Begriff „Endogyne” (im Gegensatz zur „Epigyne”). (Le Peru 2011)

Intercoxale Sklerite Dysderidae.jpg Sternum von Dysdera crocata (Intercoxalsklerite markiert)

Ähnliche Gattungen

Die Gattung Dysderocrates vereint Merkmale der Gattungen Dysdera und Harpactea.

  • Die Chelizeren sind – wie bei Harpactea – relativ steil nach unten gerichtet.
  • Die Femora des 1. Beinpaars bilden wie bei Harpactea distal deutliche prolaterale Ausbeulungen, auf denen Stacheln stehen.
  • Die Tarsen der Vorderbeine sind deutlich nach vorne abgewinkelt. Sie stehen mit der vollen Länge auf dem Boden wie bei Dysdera, nicht nur mit der Spitze, wie bei Harpactea.

Ähnliche Familien

Die Familie Segestriidae wurde früher oft als Unterfamilie der Dysderidae behandelt und hat ebenfalls nur sechs Augen. Sie unterscheidet sich jedoch durch das nach vorne gerichtete dritte Beinpaar und dem Fehlen der in die Zwischenräume der Coxae reichenden Sternumsklerite. (Le Peru 2011)

Durch das Fehlen des letzten Merkmales unterscheiden sich auch die Oonopidae (Zwergsechsaugenspinnen). Ferner fehlt bei diesen bei den Weibchen die Palpenklaue. (Le Peru 2011)

Taxonomie

Die Familie hat ihren Diversitätsschwerpunkt in mediterranen Gebieten Europas und tritt dort in hoher Artenzahl auf. Durch die innenliegenden weiblichen Geschlechtsorgane sind Weibchen in diesen Gebieten in der Regel nur durch eine Vulvenpräparation zu identifizieren. Mitunter fällt selbst die Identifikation der richtigen Gattung nicht leicht, da Abgrenzungen zwischen einzelnen Gattungen nicht völlig klar sind und in manchen Fällen auf variablen Merkmalen basieren (z.B. zwischen Minotauria und Harpactea) (Le Peru 2011).

Lebensweise

Die Mitglieder der Familie sind nachtaktive Jäger, die frei und ohne Netz ihre Beute jagen. Man findet sie unter Steinen und liegendem Holz, aber auch unter Rinde von Baumstämmen. In ihrem Versteck weben sie einen seidenen Gespinstsack, in welchem sie sich tagsüber verbergen und worin die Weibchen auch ihre Eier ablegen. (Le Peru 2011)

In der Gattung Dysdera liegt bei verschiedenen Arten eine unterschiedlich starke Spezialisierung auf Asseln als bevorzugte Beutetiere vor. Von wenigstens einer Art ist bekannt, dass sie Asseln nicht als Beute bevorzugt, während andere sich bevorzugt oder ausschließlich von Asseln ernähren. Diese unterschiedlichen Spezialisierungsgrade zeigen sich auch in verschiedenen morphologischen Veränderungen der Chelizeren oder unterschiedlichen Jagdmethoden (Řezáč et al. 2008).

Verbreitung

In Europa und im Maghreb kommen nach Datenlage dieses Wikis 24 Gattungen der Familie Dysderidae vor.[A]

NameNOSEFIIEGBGB-NIRDKDENLBELUPLLTLVEECHATLICZSKHU
Dasumia           ×   ×× ×××
Dysdera   ×××××××××   ××××××
Harpactea × ××××××××××× ××××××
Harpactocrates               ×     
NamePTESES-IBADFRFRHITIT82IT88ROBGBASIHRMEMKRSKVALGRGR-M
Dasumia    ×××  ×××××××× ×× 
Dysdera×××××××××××××××××××××
Dysderocrates         ××× ××××××××
Folkia           × ××    × 
Harpactea×××××××××××××××××××××
Harpactocrates × ×× ×              
Holissus     ×               
Hygrocrates                   × 
Kaemis ×    ×    × ×× ×    
Mesostalita      ×    ×××       
Minotauria                    ×
Parachtes ×× ×××××            
Parastalita           ×××  ×    
Rhode××   ××    ××××      
Rhodera                    ×
Sardostalita        ×            
Speleoharpactea ×                   
Stalagtia           × ×× ×  ××
Stalita      ×     ××       
Stalitella           ×  ×      
NameUABYMDRU-KGDRU-RUWRU-RUCRU-RUERU-RUNRU-RUSTR-EURTR-ASICYAMAZGEMADZTNLYEGMT
Cryptoparachtes             ××      
Dasumia        × ×          
Dysdera× × ×××××××××××××××××
Dysderella        ×    ×       
Dysderocrates          ××         
Harpactea×××     ××××××× ××  ×
Harpactocrates              ×      
Hygrocrates          ×   ×      
Kut          ×          
Rhode               ×××   
Stalagtia          ×          
Stalitochara                ×    
Legende/Legend
? Checkliste nicht verfügbar No checklist available
× Gattungsvorkommen bekannt Genus documented
(×) Gattungsvorkommen bekannt, keine Art etabliert Genus documented, no species established
  Checkliste enthält Gattung nicht Checklist consulted, but genus not found
Hinweise zur Nutzung der Tabellen:
Die Spalten können durch Anklicken des Landeskürzels markiert werden. Durch einen zweiten Klick wird diese Markierung wieder gelöscht.

Quellen

  • Heimer S & Nentwig W (1991): Spinnen Mitteleuropas. Verlag Paul Parey. ISBN 3-489-53534-0, 543 S.
  • Jocqué R & Dippenaar-Schoeman A (2007): Spider Families of the World. Royal Museum of Central Africa. ISBN 978-90-74752-11-4, 336 S.
  • Le Peru B (2011): The Spiders of Europe, a synthesis of data: Atypidae to Theridiidae. Mémoires de la Sociétés linnéenne de Lyon no. 2. 1 Auflage. ISBN 978-2-9531930-3-9, 523 S.
  • Řezáč M, Pekár S & Lubin Y (2008): How oniscophagous spiders overcome woodlouse armour. Journal of Zoology 275, S. 64–71.

Quellen der Nachweise