Autotomie

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Autotomie nennt man die Fähigkeit von Spinnentieren (vor allem bei Spinnen und Weberknechten) und anderen Arthropoden (Gliederfüßern), Gliedmaßen oder Teile dieser bei Reizeinwirkung abzuwerfen. Die Abtrennung ist dabei nicht vorrangig ein Resultat mechanischer Fremdeinwirkung (diese kann nur Auslöser sein), sondern ein willentlich gesteuerter Prozess.

Autotomie

P-mirabilis Karola-Winzer.jpg

Die Gründe für die Autotomie eines Beines können ganz verschieden sein:

  • das Bein wird festgehalten oder eingeklemmt
  • das Bein bleibt bei einer Häutung in der Exuvie hängen
  • das Bein wurde von einer anderen Spinne gebissen oder durch einen Wespenstich vergiftet, und das Gift würde sich sonst im ganzen Körper ausbreiten
  • das Bein ist verkrüppelt und ist beim Laufen eher hinderlich als hilfreich

Die Abtrennung geschieht an speziell dafür vorgesehenen „Sollbruchstellen“. Meist ist dies die Gelenkhaut zwischen Coxa (der Hüfte) und Trochanter (einem schmalen Zwischenglied vor dem Femur), also direkt am Körper. Die entstehende Wunde wird sofort muskulär verschlossen, so dass die Spinne so gut wie keine Körperflüssigkeit verliert.

Regeneration

Cheiracanthium spec., Coxa I eines autotomierten Beins

Abgeworfene Gliedmaßen werden mit der nächsten Häutung regeneriert. Dabei ist es vom Zeitraum zwischen der Autotomie und der nächste Häutung abhängig, wie vollständig die Regeneration ist. Die „Kopie“ gleicht zwar in seinem Aufbau dem Original, ist jedoch kleiner und schwächer als die ursprüngliche Extremität. Erst nach ein, zwei weiteren Häutungen kann der Originalzustand wieder hergestellt werden. Ausgewachsene Spinnen, die sich nicht mehr häuten, können abgeworfene Gliedmaßen nicht mehr regenerieren (ausgenommen Vogelspinnenverwandte und andere Spinnen, die sich nach der Reife weiter häuten).

Wie bei der Häutung gesunder Gliedmaßen wird die Haut des zu ersetzenden Beins im Körperinnern vollständig neu gebildet und liegt dort, auf den engen Raum des übriggebliebenen Beinstumpfs zusammengefaltet bis zur nächsten Häutung (siehe Bild rechts). Im Unterschied zum normalen Häutungsprozess sind jetzt allerdings auch Muskeln, Nerven und alle anderen anatomischen Bestandteile des verlorengegangenen Beins wiederhergestellt worden. Mit der nächsten Häutung entfaltet sich das Bein durch einströmende Haemolymphe (Körperflüssigkeit) und erhält einige Stunden später, nach dem Aushärten der neuen Haut, seine endgültige Form.

regeneriertes Bein bei P.wagleri

Quellen

  • Foelix RF (1996): Biology of Spiders. Oxford Thieme. 2. Auflage. ISBN 0-19-509594-4, 330 S.